Die beiden gehaltenen Elfmeter gegen GC dürften für Jonas Omlin im Nachgang noch teuer werden. «Für jeden gehaltenen Penalty muss man bei uns einen Apéro ausgeben», erklärt Kollege Fabian Frei. Im Spass fügt er hinzu: «Wir müssen den Omlin jetzt nicht über den grünen Klee loben. Schliesslich wird er fürs Bällehalten bezahlt.»

Solche Sprüche wird sich die neue Nummer 1 beim FCB in den kommenden Tagen noch oft anhören müssen. Denn zwei Elfmeter in einem Spiel ohne Penaltyschiessen zu halten, kommt nicht alle Tage vor. Pascal Zuberbühler schaffte dieses Kunststück einst.

Im Uefa Cup 2004 beim 2:1-Sieg des FCB bei Ferencvaros Budapest. Omlins Vorgänger Tomas Vaclik hielt in seiner gesamten FCB-Zeit dagegen nur drei Elfmeter, den letzten im August 2015. Und auch Yann Sommer und Franco Costanzo schafften in ihrer Karriere nie, was Omlin in seinem fünften Spiel für Rotblau bereits gelang.

Glück und Erfahrung

Mit seinen Paraden verhinderte der 24-Jährige in der Schlussphase gegen GC, dass der FCB kein zweites BVB-Schalke erleben musste. Im Revierderby vergangene Saison holte Schalke nach einem 0:4-Rückstand noch ein 4:4. Gleiches drohte am Samstag dem FCB, doch Omlin hatte etwas dagegen.

Erst kratzt er einen Sigurjonsson-Freistoss (63.) aus dem Winkel, dann pariert er beim Stand von 4:1 erst den Elfmeter des Isländers (83.) und wenig später den von Djuricin (92.). «Sigurjonsson hat schon vergangene Saison gegen mich in die linke Ecke geschossen und damals für St. Gallen gegen Luzern getroffen. Deswegen bin ich da wieder hingesprungen. Bei Djuricin bin ich auf gut Glück einfach in die andere Ecke», sagt Omlin.

Super League, 2018/19, 3. Runde, FC Basel – Grasshoppers, Highlights

Super League, 2018/19, 3. Runde, FC Basel – Grasshoppers, Highlights

Dass er in seiner gesamten Profi-Karriere zuvor noch keinen Elfmeter gehalten hatte, verschweigt er. Doch ein Blick in die Statistik verrät, dass alle 15 Elfmeter, denen sich Omlin für Kriens, Le Mont und Luzern ausgesetzt sah, drin waren.

Wie fühlt es sich also an, dieses unbekannte Gefühl eines gehaltenen Elfmeters in der Super League gleich zweimal innert neun Minuten zu erleben? «Mein Selbstvertrauen ist gleich wie vorher. Klar, habe ich so etwas noch nie erlebt. Doch das Glück war auch auf meiner Seite», sagt Omlin.

Der Goalie hat mehr zu tun

Nach dem Abgang von Tomas Vaclik zum FC Sevilla wurde der als Back-up eingeplante Neuzugang gleich voll in die Verantwortung genommen. «Bei uns stand nie zur Diskussion, dass er die Nummer 1 nicht kann. Spätestens jetzt wissen alle, dass Omlin eine echte Granate ist», sagt Frei. Während die neue Nummer 1 in den Testspielen noch den ein oder anderen Wackler hatte, avancierte Omlin schon in den ersten vier sieglosen Saisonspielen zum besten Basler. Seine kriselnden Vorderleute beschafften ihm eine Menge Arbeit.

Während der FCB in der Saison 17/18 im Schnitt knapp zehn Torschüsse pro Partie zuliess, sind es jetzt durchschnittlich 14,4. In der noch jungen Saison kamen schon 33 Schüsse auf den Kasten von Omlin. 15 Grosschancen vereitelte er, 10-mal musste er schuldlos hinter sich greifen. Zum Vergleich: Tomas Vaclik war zu Beginn der vergangenen Saison meist beschäftigungslos und vereitelte erst im elften Liga-Spiel seine 15. Grosschance.

Nach dem Sieg gegen GC lobte auch Trainer Marcel Koller seinen Torhüter, und Ricky van Wolfswinkel formulierte es treffend: «GC hat Elfmeter, but we have Omlin.» Wäre nur noch die Sache mit dem Apéro zu klären. Omlin sagt, Freis Regel stehe nicht im Reglement. Doch wer zwei Elfmeter in einem Spiel hält, kann auch die ungeschriebenen Gesetzte des Fabian Frei zumindest einmal befolgen.