Swiss Indoors

Roger Brennwald: «Es gibt noch keine Pläne, Roger Federer nach seiner Karriere in das Turnier einzubinden»

Roger Brennwald denkt erstmal nur kurzfristig.

Roger Brennwald denkt erstmal nur kurzfristig.

Roger Brennwald blickt auf eine erfolgreiche Ausgabe der Swiss Indoors zurück. An der Bilanzpressekonferenz erklärt der Präsident, weshalb er nur Jahr für Jahr denkt und warum das Turnier gar nicht richtig von der Federer-Euphorie profitieren kann.

Welchen Stellenwert hat die Anwesenheit von Roger Federer für die Swiss Indoors Basel?

Roger Brennwald: Das Turnier war wieder einmal geprägt von ihm. Sportlich gesehen waren die Matches von Roger überragend. Worte allein genügen nicht, um sein Können oder seiner Kunst gerecht zu werden. Es sieht bei ihm derart leichtfüssig aus. Doch wir konnten von dieser Euphorie leider nicht richtig profitieren. Die Zuschauerzahlen können wir gar nicht mehr überbieten. Gut und gerne hätten wir für seine Spiele 12‘000  bis 15‘000 Tickets verkaufen können. Doch nur 9'000 haben in der Halle Platz.

Die Federer-Mania ist allgegenwärtig. Gibt es Pläne Roger Federer nach seinem Karriereende in irgendeiner Form ins Turnier einzugliedern, um weiterhin von seiner Marke zu profitieren?

Solche Pläne hat es noch nie gegeben. In der kurzlebigen Zeit nehmen wir Jahr für Jahr. Das gilt auch für das Turnier insgesamt. Früher hatten wir Visionen über fünf bis zehn Jahre. Heute haben wir Pläne fürs nächste Jahr, im nächsten Jahr dann fürs übernächste.

Ist das nicht schwierig, immer nur kurzfristig zu denken?

Dieses kurzfristige Denken wird zur "Mission Impossible". Wir leben in einem extremen Wandel und die Kommerzialisierung des Sports macht keinen Halt. Für den TV-Zuschauer ist Sport immer gefragter. Es gilt, alles dafür zu tun, dass wir in der Champions League bleiben. Dafür müssen wir uns an die Gegebenheiten anpassen. Wie oft haben wir das bereits gemacht? Damit könnten wir Bücherregale füllen. Es ist eine riesige Herausforderung, doch die brauche ich vielleicht auch.

Sie sagten in Ihrer Eröffnungsrede, die Swiss Indoors wollen auf dem Boden bleiben. Wie schaffen sie das?

Wir müssen einfach weiter gut arbeiten. Wir sind ein starkes Kollektiv. Das Organisationskomitee besteht aus über 600 Personen. Alle sind elektrisiert vom Turnier und geben ihr Bestes. Es ist ein Privileg für mich, dieses Team zu führen. Wir sind eine Marke und ein Wirtschaftsfaktor geworden.

Gibt es schon konkrete Pläne für das 50-Jahr-Jubiläum im nächsten Jahr:

Die 50. Turnierauflage ist nicht zu verwechseln mit dem 50. Jubiläum im nächsten Jahr. Wir feiern die Jahrzahlen. 1970 bis 2020 gleich 50 Jahre. Es ist uns natürlich bewusst, dass es sich dabei um das 51. Turnier handelt. Wir wollen das Turnier 2020 in der bisherigen Form durchführen. Es ist davon auszugehen, dass der Super Monday in gewohnter Manier stattfindet. Dazu ist geplant, dass wir am Quali-Wochenende etwas Besonderes machen. Die Ideen sind da. Es wird sicher keinen Erdrutsch geben, auch nichts Künstliches. Ich gehe davon aus, dass wir sportlich bleiben. Vielleicht werden wir der Geschichte nachgehen und sie aufzeigen, sei es in Form eines Filmes oder in Form von Präsenzen von Spielern.

Welche Spieler schlagen 2020 in Basel auf?

Roger Federer, das ist sicher. Wir werden im nächsten Jahr ein ähnliches Niveau haben wie 2019. Ein paar Top 10 Spieler, dazu weitere aus den Top 20. Die Hälfte der Topspieler wird hier sein. Aber wir haben keine Mutter Maria, die uns Geld schickt, damit wir das Budget von knapp 20 Millionen stemmen können.  Anfang des Jahres nach den Australian Open werden wir Verträge mit den Topspielern machen. Im April fangen Marketing und Ticketing an. Dann müssen wir wissen, wer kommt.

Was macht eigentlich die Suche nach einem Titelsponsor?

Nach dem Tabak-Werbeverbot bin ich davon ausgegangen, dass ein Titelsponsor auf uns zukommen würde. Das war nicht der Fall. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es eine Illusion bleibt, davon auszugehen, dass jemand auf uns zukommt. Deshalb müssten wir vielleicht selbst die Initiative ergreifen und ins Flugzeug stiegen. Aber unser aktuelles Konzept mit mehreren Hauptsponsoren auf Augenhöhe hat auch Vorteile. Wir haben acht Firmen auf dem Center Court, die auf dem gleichen Niveau sind. Das ist unsere Strategie und damit fahren wir gut. Das ganze Werbekonzept funktioniert immer noch. Wir haben zudem ein neues Tennisdorf erstellt in diesem Jahr. Insgesamt ist es gut so wie es ist.

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