Wenn am kommenden Freitag in Oberdorf die Baselbieter Schwingsaison eröffnet wird, darf man jemanden nicht ausser Acht lassen: Roger Erb. Der 22-Jährige aus Metzerlen ist eine der vielversprechendsten Nachwuchshoffnungen des Nordwestschweizer Schwingverbandes. Aus diesem Grund wurde er auch im, auf diese Saison hin neu gegründeten, Team der «Schenker Storen Schwinger» aufgenommen. Die Firma unterstützt zwölf talentierte Schwinger aus allen fünf Teilverbänden, indem sie unter anderem jedem Athleten ein Auto zur Verfügung stellt. So fährt Roger Erb nun in einem Fahrzeug mit Aufschrift des Unternehmens zu Training, Arbeit oder Wettkämpfen.

Aktuell ist der Schwinger vom Klub Oberwil in seinem Verband an siebter Stelle klassiert. Und ihm wird das Potenzial attestiert, schon bald die Nummer eins zu werden. «Ich gebe Vollgas, um immer vorne mitschwingen zu können. Ich lebe meinen Sport.» Druck mache er sich jedoch keinen, er schaue einfach von Fest zu Fest, von Gang zu Gang.

Im Moment ist für Erb das oberste Gebot sowieso, gesund zu bleiben. Zu oft erlitt er in seiner noch jungen Karriere gesundheitliche Rückschläge. «Das Kreuzband gerissen, die Schulter operiert und den Ellenbogen ausgekugelt», zählt der 22-Jährige seine Verletzungen auf. Gerade deshalb will er diese Saison ohne Zwangspause überstehen.

«Geh doch zum Schwingen»

Sportlich ist das Jahr 2015 für die Schwinger unbedeutend. Denn es ist ein Zwischenjahr, ohne die ganz grossen Feste. Deshalb geht es für Erb primär darum, Erfahrungen zu sammeln. Sein Ziel ist ein anderes: «Ich trainiere auf das Eidgenössische 2016 in Estavayer hin. Dort will ich den ‹Eidgenoss› machen.»

Dass Erb überhaupt Schwinger wurde, hat er seiner Mutter zu verdanken, denn als Kind spielte der Baselbieter Fussball. Eines Tages jedoch, im Alter von zwölf Jahren, hatte er genug. Das Spiel mit dem runden Leder machte ihm keinen Spass mehr. Auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung hörte er von seiner Mutter immer wieder Sprüche wie: «Kannst ja mal zum Schwingen gehen.» Als der kleine Roger kurz darauf auch noch ein Schwingfest im Fernseher sah, packte ihn das Interesse. Kurzerhand schaute er im Internet nach, wo sich der nächste Klub befindet, ging dort einmal vorbei und war sofort begeistert.

«Seither bin ich dem Schwingsport treu geblieben», blickt der heute 22-Jährige zurück. Neben dem Schwingen hat Erb eine Lehre als Landmaschinenmechaniker absolviert. Momentan arbeitet er zu Hause in Metzerlen auf dem Bauernhof der Eltern und besucht nebenbei einmal in der Woche die Berufsschule in Sissach. Am kommenden Fest in Oberdorf will der Lokalmatador ganz vorne mitschwingen. Den Ausschlag für einen Erfolg könnte dabei das Publikum geben. «Es ist immer schön, wenn man die Zuschauer in seinem Rücken weiss, das kann ein grosser Vorteil sein.»