Brennwald hat ein tolles Turnier entwickelt, aus einem Provinzanlass den grössten Sportevent der Schweiz geschaffen. Zu Recht kassierte er dafür in den vergangenen Jahren Auszeichnungen, Lob und Anerkennung.

Der 68-Jährige ist ein Macher und fühlt sich noch kein bisschen müde. Noch stecke er voller Energie. Bereits spricht Brennwald vom 50. Turnier im Jahr 2019 und vom 50-Jahr-Jubiläum 2020. «Den Swiss Indoors geht der Schnauf noch lange nicht aus», betont Brennwald. Doch die Zeiten werden härter. Brennwald selbst erklärt, dass er mit seiner Organisation, mit 11 Vollzeitangestellten und 25 Ressortleitern, überfordert ist, wenn es darum geht, einen neuen Titelsponsor zu finden.

17 Jahre lang war Davidoff ein treuer, zahlungskräftiger Partner, bis die Oettinger-Group wegen des Verbots der Tabakwerbung aussteigen musste. Brennwald suchte in den vergangenen vier Jahren vergebens einen Nachfolger. Seine Idee, mit zehn gleichberechtigten Topsponsoren die Lücke zu füllen, ging nicht auf. Und so holt Brennwald nun mit InfrontRingier einen neuen Partner ist Boot.

Brennwald muss über seinen Schatten springen

Die Swiss Indoors sind Brennwalds Kind. Ihn schmerzt, dass er nun nicht mehr alles selbst in der Hand hat. Doch wegen des wirtschaftlichen Drucks muss er über seinen Schatten springen. Das sah vor vier Jahren noch anders aus. Da geriet ihm die Aussage von Roger Federer, er solle doch an ihn denken, wenn er das Turnier einmal verkaufe, in den falschen Hals.

Offenbar glaubte Brennwald, der Tennisstar wolle ihn ausbooten. Und Brennwald dachte, er könne auch ohne Federer auskommen. Das stimmt aber nur bedingt. Die Fans wollen Federer sehen, die Fans feiern Federer, die Halle ist bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn der Lokalmatador auftritt, die Fans feiern und leiden mit Federer. Federer löst die Begeisterungsstürme in der Halle aus, nicht Brennwald.

Federer schätzt das Turnier und die Swiss Indoors, braucht aber deren Chef nicht mehr. «Ich habe keinen Grund, Gespräche zu suchen, es ist, wie es ist», betonte er. Weil er aber das Turnier liebe, spiele er in der St. Jakobshalle: ohne Vertrag, ohne Antrittsgage, ohne Verpflichtung.

Brennwald hat zu viel Geschirr zerschlagen

Damit kann Brennwald leben, solange alles rund läuft. Doch er bewegt sich auf dünnem Eis. Schon in diesem Jahr überlegte sich Federer ernsthaft, nur im Doppel anzutreten. Wenn es für ihn einmal keinen Sinn macht, wird er trotz Fans pragmatisch auf Basel verzichten. Dann fehlt Brennwald sein Zugpferd. Das weiss er ganz genau, deshalb peilt er einen neuen Vertrag an.

Nur dann kann er sicher mit Federer werben, teure Vip-Tickets verkaufen, die beispielsweise auch ein Treffen mit Federer beinhalten. Brennwald musste einsehen, dass ein Gespräch von Basler zu Basler, von Roger zu Roger nicht mehr möglich ist. Das liegt nicht nur an Federers prallvollem Terminkalender. Brennwald hat einfach zu viel Geschirr zerschlagen, sein Ego zu hoch gehängt. Brennwald bleibt nur der Weg über Manager Tony Godsick, der nutzt seine starke Position gnadenlos aus.

Lebenswerk aufs Spiel gesetzt

Marc Walder, CEO von Ringier, kennt die Strahlkraft von Federer, will Brücken bauen. Denn auf die Swiss Indoors kommen schwierige Zeiten zu, nicht nur wegen der vielen offenen Fragen beim Hallenumbau. Federer wäre auch nach seiner Karriere ein toller Botschafter, könnte in verschiedenen Funktionen die Fans ansprechen. Wie viele Zuschauer kann Brennwald noch in die Halle locken, wenn in wenigen Jahren kein Federer, kein Rafael Nadal, kein Stan Wawrinka mehr dabei sind. Schon jetzt monieren Tennisfans, dass das sportliche Programm am Super Monday zu dünn ist.

Federer lebt sehr gut ohne Brennwald, umgekehrt ist das aber gar nicht der Fall. Brennwald verpasste vor vier Jahren die Chance, Federer frühzeitig ins Boot zu holen. Es hätte der Zukunft der Swiss Indoors mehr als gut getan. Federer bleibt in der Tennisszene immer eine starke Marke. Er wäre mit seiner Agentur, die er mit Godsick führt, prädestiniert gewesen, einst Brennwalds Erbe zu verwalten. Brennwald hat ein gutes Team, doch den charismatischen Chef zu ersetzen, ist eine sehr grosse Aufgabe. Brennwald selbst setzt sein Lebenswerk aufs Spiel.