Auf die Sportart ist Häfelfinger durch seinen Nachbarn gekommen. «Eines Tages hat mir mein Nachbar gesagt, dass ich mit ihm zum Verein kommen soll. Ich habe es ausprobiert, seither bin ich hier dabei.»

Angefangen hat er im Jahr 1998, also vor 19 Jahren. Er ging etwa einmal pro Woche schiessen, einfach so zum Spass. Vor ungefähr sechs Jahren hat ihn aber der Ehrgeiz gepackt, er wollte mehr erreichen. Seither trainiert Häfelfinger regelmässig, mehrmals pro Woche. Vor vier Jahren wurde er in das Nationalkader der Schweiz aufgenommen, mit dem er im Oktober an die Weltmeisterschaften nach Mexiko fliegt.

Viele Erfolge gefeiert

Bereits vier Mal wurde er Schweizer Meister, das letzte Mal im vergangenen März an den Indoor-Landesmeisterschaften. Dort gelang es ihm sogar, einen Rekord für die Ewigkeit aufzustellen.

Denn im Final des Wettkampfs erreichte er mit seinen 15 Pfeilen das Maximum von 150 Punkten. «Den Rekord kann mir eigentlich niemand mehr wegnehmen. Das ist ein Rekord für die Ewigkeit», sagt der 31-Jährige nicht ohne Stolz.

Weltmeisterschaften 2015

An den Weltmeisterschaften vor zwei Jahren musste Häfelfinger gegen die damalige Weltnummer drei ran und gewann. In der folgenden Runde musste er gegen die damalige Weltnummer zwei ran. Zuerst sah es gut für ihn aus, lange Zeit lag er in Führung.

Danach war lange Gleichstand. Dann, der entscheidende Moment, der ihn rückblickend betrachtet den Sieg kostete: Beim letzten Pfeil versagten seine Nerven, er traf statt die Zehner- nur die Acht-Punkte-Marke und verlor das Duell.

«Alleine dass er wegen mir ins Schwitzen kam, bleibt mir in Erinnerung», schwärmt er durchaus positiv über die Erfahrungen von damals, auch wenn es nicht zum Sieg reichte.

Hartes Training

Doch Erfolge fallen bekanntlich nicht vom Himmel, dafür ist hartes Training angesagt. Praktisch jeden Tag steht Häfelfinger auf seinem Trainingsplatz, auf dem er nach der Arbeit als Schreiner in Läufelfingen vorbeischaut.

Den Bogen lagert er im Auto. Wenn er zwischen fünf und sechs Uhr Feierabend hat, macht er auf dem Heimweg nach Frenkendorf einen Schlenker über Diegten und schiesst dort auf der Trainingsanlage drei Stunden lang seine Pfeile auf die Zielscheiben.

Hinzu kommen die Trainings mit dem Nationalkader im Tessin, die etwa einmal im Monat stattfinden. Daneben bleibt für Privates nicht wirklich viel Zeit. «Das Bogenschiessen gehört mit meiner Familie und meiner Freundin schon auf den ersten Platz, was meine Prioritäten betrifft.»

Teures Equipment

Wirklich kostspielig sind Äste von Haselnusssträuchern und ein wenig Schnur ja nicht. Dagegen ist die heutige Ausrüstung von Häfelfinger ein Vermögen wert. Zwei Bogen hat er, dazu kommen rund vier duzend Pfeile. Ein Bogen alleine kostet um die 5000 Franken, ein einzelner Pfeil kostet 65 Franken.

Dazu kommen die Bogentasche, ein Fernrohr und ein Feldstecher. Der ganze finanzielle Aufwand lohnt sich für Häfelfinger. «Es zahlt sich alles aus, wenn man dafür an eine WM in Mexiko darf.»

Die Finanzierung lastet aber nicht nur auf den Schultern des Athleten selber. Die Weltmeisterschaft beispielsweise finanziert ihm der Verband. Für andere Events wie Schweizermeisterschaften oder Weltcup-Wettkämpfe muss er zum grössten Teil selber aufkommen.

Sein Verein unterstützt ihn finanziell, auch wenn es nicht viel ist. Daneben bekommt Häfelfinger noch einen Zustupf aus dem Sportfonds des Kantons Baselland. «Natürlich ist der Aufwand sehr gross, aber es lohnt sich», so Häfelfinger.

Vorbereitung für Mexiko

Die Qualifikation für die WM absolvierte Häfelfinger ohne Probleme. Bei einer Maximalpunktzahl von 720 Punkten, benötigten die Schützen als Qualifikationslimite deren 690.

Mit 699 Punkten sicherte sich Häfelfinger das WM-Ticket als drittbester Schütze der fünf angetretenen Schützen. Nun gilt es für ihn, an der Weltmeisterschaft sein Können zu beweisen. Seine primären Ziele liegen aber darin, seine Technik präzise umzusetzen.

Die Voraussetzungen dazu stimmen: Der neue Trainer des Nationalkaders, Tiziano Xotti, ist genau wie Häfelfinger ein Spezialist im Compound-Schiessen. Zwar verstand sich der Baselbieter auch bestens mit Xottis Vorgänger Juan Carlos Holgado, doch hatte dieser andere Spezialgebiete.

Durch die Zusammenarbeit mit dem Italiener Xotti konnte Häfelfinger seine Technik zuletzt noch einmal verfeinern. Die Zeichen für ein gutes Resultat an der WM stehen also sehr gut. «Wenn ich sauber schiesse, sieht es auch resultatmässig gut aus», sagt Häfelfinger mit Blick auf seine Chancen in Mexiko.