Marcel Koller kriegt das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Siegestrunken taumelt er nach Abpfiff über den Rasen und fällt jedem um den Hals, der seinen Weg kreuzt. Beim Klatschen vor der Muttenzerkurve bekundet der Trainer koordinative Probleme mit dem Rhythmus, doch das sei ihm verziehen.

«Es ist ein fantastischer Abend», sagt Marcel Koller später. Durch den 2:1-Sieg steht der FCB in der nächsten Runde der Champions-League-Qualifikation und ist auch bei einem Ausscheiden sicher in der Europa League. Dieser Exploit ist zu grossen Teilen der Verdienst von Marcel Koller. Er ignorierte die Diskussionen um seine Person im Sommer gekonnt und erschien gestärkt zum Trainingsauftakt. Er griff innerhalb der Mannschaft durch. Durch die Ernennung von Valentin Stocker zum Captain zeigte Koller seinen internen Kritikern, wer hier das Sagen hat.

Seine internen Kritiker haben sich arrangiert

Mittlerweile scheint sich die Mannschaft gut mit den neuen Machtverhältnissen arrangiert zu haben. Gegen Eindhoven wurde deutlich, dass alle Spieler am selben Strang ziehen. Auf dem Feld und auf der Ersatzbank, von wo aus die Reservisten jede gelungene Aktion beklatschten.
Fabian Frei resümiert treffen: «Man hat gesehen, zu was wir fähig sind, wenn alle alles geben.» Zwischen den Zeilen lässt er durchblicken, dass das in letzter Zeit nicht immer der Fall war.

Doch wie hat es der FCB geschafft, plötzlich auf den Punkt eine Leistung zu zeigen, die man im Joggeli lange nicht mehr gesehen hat? «Wir haben die Emotionen aus der Kabine auf den Platz gebracht», erklärt Ricky van Wolfswinkel. «Wir wollten von Anfang an kämpfen, bis es nicht mehr geht und so die Fans mitnehmen», sagt Eray Cömert.

Eray Cömert nach der Partie:

Eray Cömert nach der Partie

   

Ein Feuer zünden und die Fans mitnehmen. Genau das war die Vorgabe von Marcel Koller. Schon nach dem Hinspiel forderte er die FCB-Fans auf, im Rückspiel für eine gute Stimmung zu sorgen. Für seinen zweiten Schachzug erhielt Koller am vergangenen Wochenende dann massiv Kritik. Sieben Wechsel gegen St. Gallen. Zu einem so frühen Zeitpunkt in der Saison sah so mancher Experte keinen Sinn hinter der Rotation. Auch Koller dachte, dass seine Reservisten «schon weiter sind».

Dass der FCB gegen St. Gallen 1:2 verlor, war zwar nicht Teil des Plans. Doch diese Niederlage nimmt Marcel Koller nach dem Ausrufezeichen drei Tage später gegen Eindhoven wohl gerne in Kauf: «Es war ein Gefühl von mir und absolut notwendig, da so zu rotieren. Wir liefen am Ende auf dem Zahnfleisch und brauchten die Unterstützung der Fans.» Dass die Spieler trotz Erschöpfungssymptomen den Sieg über die Zeit retteten, zeigt, dass auch der zweite Teil von Kollers Plan perfekt aufgegangen ist.