Alex Wilson war fix und fertig. Noch Minuten nach dem Zieleinlauf schnaufte der Basler wie ein Walross, konnte sich kaum auf den Beinen halten. Lange sass er ausgepumpt auf seiner Sporttasche, dann half ihm der neue Schweizer Hallenmeister Marc Schneeberger auf die Beine. In der schweren Stunde reichte der Konkurrent die helfende Hand. Später sagte Schneeberger: «Mit der Konkurrenzsituation kann man über sich hinauswachsen. Das macht mich heiss, so macht es Spass.»

Silbermedaille ist eine Niederlage

Schneeberger (TV Länggasse) lief in 21,37 neue Saisonbestzeit. Wilson holte in 21,57 Silber und blieb deutlich hinter dem angestrebten U23-Rekord von 21,33. Diesen hatte er vor drei Wochen nur um 0,08 Sekunden verpasst. «Ich bin überhaupt nicht zufrieden mit meinem Rennen, weder mit der Zeit noch mit dem Rang», sagte ein enttäuschter Wilson kurz vor der Siegerzeremonie.

Auch wenn er auf dem Podest wieder lächeln konnte – der Sprinter der Old Boys Basel fühlte sich als Verlierer. «Die Silbermedaille ist eine Niederlage. Aber damit muss ich als Sportler leben können.» Wie viele andere beklagte sich auch Wilson über die Bahn im Athletik-Zentrum St.Gallen. Wilson kannte die Bahn nicht, bekundete Mühe in den Kurven und mit der Unterlage.

Wilson sinnt auf Revanche

«Schneeberger ist vor einer Woche in dieser Halle gelaufen. Das war sicher ein Vorteil. Aber ein guter Sprinter sollte überall schnell sein», sagte Wilson. Seine Anspannung vor dem 200-m-Final, der vom Veranstalter als Duell «jugendlicher Elan gegen Routine» angekündigt wurde, war gross. «Ich hatte mir viel vorgenommen, wollte einen anständigen Final zeigen», sagte Wilson. «Wäre das Rennen 50m weiter gegangen, hättest du gewonnen», tröstete ihn ein Sprinterkollege. Zum Verhältnis zu Sieger Schneeberger sagte Wilson: «In der Schweizer 4-mal-100-m-Staffel müssen wir Kollegen sein. Über 200 m sind wir Gegner.»

Nun sinnt Wilson auf Revanche in der Freiluft-Saison. «Im Sommer komme ich wieder», kündigte er an. Die Schweizer Meisterschaften finden in Basel statt. «Diese Bahn kenne ich, dort liegt der Vorteil bei mir. In Basel will ich Gold holen.»