Handball
RTV-Präsident Ebi: «Stauber soll mein Nachfolger werden»

Mit einem Sieg im Derby gegen Birsfelden kehrt der RTV Basel in die höchste Spielklasse zurück. RTV-Präsident Alex Ebi im Interview vor dem heutigen Spiel, in dem Goalie Pascal Stauber verabschiedet wird.

Andreas Fretz
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RTV-Basel-Präsident Alex Ebi.

RTV-Basel-Präsident Alex Ebi.

Juri Junkov

Alex Ebi, alles ist angerichtet für den direkten Aufstieg in die NLA. Haben Sie noch Zweifel?

Alex Ebi: In einem normalen Spiel muss der Leader gegen ein Team aus dem Mittelfeld gewinnen. Aber was ist heute normal? Es ist ein Derby. Es ist das Abschiedsspiel von Goalie Pascal Stauber. Die Nerven werden eine entscheidende Rolle spielen. Diese müssen wir im Griff haben, sonst wird es mühsam. Birsfelden hat eine tolle Rückrunde gespielt, hat den Ligaerhalt auf sicher und kann ohne Druck aufspielen.

Angst, dass der RTV Basel in den letzten beiden Partien sein Glück aufgebraucht hat?

Wir haben erst zwei Drittel von unserem Glück aufgebraucht.

Wie das?

Wir hatten Anfang Saison dreimal Pech. Jetzt hatten wir zweimal Glück. Also hoffe ich, dass für heute noch etwas Glück übrig geblieben ist.

Ist es der richtige Zeitpunkt, um aufzusteigen? Ist der RTV bereit für die Rückkehr in die NLA?

Ob der Augenblick nun gut oder schlecht ist, kann ich weder beurteilen noch beeinflussen. Klar ist: Ein Sportler, der auf dem Spielfeld steht, will immer gewinnen und aufsteigen. Die Frage, ob der RTV Basel bereit für die höchste Liga ist, ist eigentlich obsolet: Der Beste steigt am Ende der Saison auf, so steht es im Reglement. Aber natürlich liegen die Top-Teams der NLA für uns ausser Reichweite.

Die letzten Beispiele haben gezeigt: Der Aufsteiger isst hartes Brot.

Das Problem ist doch: Weil EU-Spieler das Ausländerkontingent nicht belasten, spielt Geld eine viel zu grosse Rolle. Wenn wir in der Schweiz so fortfahren, wird unsere Nationalmannschaft nie mehr zu alter Stärke finden. Und wenn die Nationalmannschaft nicht reüssiert, fehlt auch das Interesse der Öffentlichkeit an dieser Randsportart.

Der RTV ist schuldenfrei, hat ein Budget von 200 000 Franken. Für die NLA braucht es das Dreifache.

Oder noch besser: Das Fünffache (lacht). Natürlich möchten wir mehr Geld. Das brauchen wir auch. Wir sind aber auch stolz, neun eigene oder frühere Junioren im Team zu haben. Wir müssen das Potenzial der Region nutzen. Die Equipe soll für die nächste Saison nicht komplett umgekrempelt werden. Die Aufstiegsmannschaft soll im Grossen und Ganzen zusammenbleiben.

Einen müssen Sie ersetzen: den 116-fachen Nationaltorhüter Pascal Stauber.

Pascal Stauber ist nicht ersetzbar. Er wird uns enorm fehlen. Als Spieler, als Motivator, als «glatte Siech», als Mensch. Leider ist es so, dass sein Körper nicht mehr mitmacht. Der Aufstieg in die NLA wäre ein schöner Abschluss seiner Karriere. Um das zu realisieren, geben im Verein alle alles.

Ein gleichwertiger Torhüter wird viel Geld kosten.

Einfach ist die Suche nach einem neuen Torhüter nicht. Da müssen wir wohl tatsächlich Geld in die Hand nehmen. Wir sind seit Monaten daran, unsere Fühler auszustrecken. Wir suchen zuerst regional, dann national und zum Schluss international.

Einen allerletzten Auftritt wird Stauber allerdings noch haben. Der RTV hat sich als einziger B-Ligist für das Final-4-Turnier im Mai qualifiziert. Was ist im Cup möglich?

Falls wir den Aufstieg in die NLA schaffen, setzt das Energien frei. Unser Halbfinalgegner, der BSV Bern Muri, hinterlässt nicht den stabilsten Eindruck. Wenn die Berner einen schlechten Tag einziehen, wir mit der Aufstiegs-Euphorie im Rücken einen guten, dann liegt eine Überraschung drin. Pascal Stauber und unser Topskorer Florian Goepfert fürchten keinen Gegner. Wenn wir den Aufstieg aber nicht schaffen, dann sind wir emotional und körperlich am Boden. Dann geht nichts mehr.

Wird Pascal Stauber nach dem
Ende seiner Karriere dem Verein
erhalten bleiben?

Er sagt, er mache nichts. Ich sage, er muss mein Nachfolger werden. Ich habe auch schon einen Plan, nur weiss Stauber noch nichts von seinem Glück. Er soll zuerst einmal eine Pause machen. Nach einer Weile wird er den Handball extrem vermissen. Dann wird er von mir hören (lacht).