Man stelle sich folgende Situation vor: eine Mannschaft der obersten Handballliga führt in einem wichtigen, richtungsweisenden Auswärtsspiel nach einer einigermassen soliden ersten Halbzeit mit 14:11. Elf dieser 14 Tore erzielten drei Spieler. Und dann geschieht Unglaubliches: Der Trainer dieser Mannschaft verbannt genau diese drei Spieler, welche zuvor den Unterschied gemacht und elf von 14 Toren erzielt hatten, zusammen auf die Ersatzbank und beordert an deren Stelle mit einer Art Blockwechsel die zweite Garnitur auf den Platz.

Die Konsequenz: Der Gegner, der eigentlich schon halbwegs bezwungen oder zumindest in die Schranken gewiesen war, findet ins Spiel zurück, wird stärker und stärker, schafft den Ausgleich, in der Folge sogar die totale Wende und kommt am Ende zu einem Sieg, von dem er zur Pause höchstens noch zu träumen gewagt hatte. Dies dank der gütigen Mithilfe des Gäste-Trainers, der mit der Verbannung seiner drei besten Spieler den Gegner zu Beginn der zweiten Halbzeit zentral aufgebaut hatte.

RTV plötzlich verunsichert

Zu den Fakten des Spiels an sich: nach einem harzigen Beginn übernahm der RTV in Stäfa nach knapp einer Viertelstunde das Diktat, führte mehrmals mit vier Toren Vorsprung und zur Pause mit 14:11, ehe das geschilderte Coaching-Desaster seinen Anfang nahm. Florian Goepfert (fünf Tore in der Halbzeit), Bruno Kozina und Severin Kaiser (je drei Tore) mussten in der Folge von der Ersatzbank aus tatenlos zusehen, wie Stäfa Treffer und Treffer aufholte (vom 11:16 nach 35 Minuten zum 16:16 in der 43.). Wernle schaute tatenlos zu, reagierte erst nach viel zu langen 12 Minuten und beorderte per dann Goepfert und Kozina aufs Spielfeld zurück. Kaiser durfte sogar erst fünf Minuten vor Schluss wieder "ran".

Fortan agierte der RTV stark verunsichert. Ab der 45. Minute stand die Partie auf Messers Schneide, zunächst mit leichten Vorteilen für den RTV. Auch mit den "Rückkehrern" konnte sich der RTV nie entscheidend absetzen und verschoss zudem gleich mehrfach alleine vor dem Stäfa-Tor. So kam es wie es kommen musste: Stäfa zwang auch das Glück auf seine Seite und kam zu seinem zweiten Sieg in Serie - wohlverstanden nach zuvor 19 Niederlagen in Serie.

Baldige Chance zur Rehabilitation 

Der RTV schien in der Schlussphase von allen guten Geistern verlassen und verlor die zweite Halbzeit gegen die schlechteste Mannschaft der Liga mit 7:12. Solche Niederlagen sind schlicht Gift und man darf gespannt sein, was nun passiert.

Nächster Fixpunkt für den RTV bildet das Heimspiel gegen GC Amicitia Zürich am Samstag, 27. Februar 2016, um 18.00 Uhr in der Sporthalle Rankhof in Basel.

Telegramm: 

Stäfa - RTV 1879 Basel 23:21 (11:14)

Sporthalle Frohberg, Stäfa. - 485 Zuschauer. - SR: Baumann/Cristallo. - Torfolge: 0:1, 1:2, 3:2, 3:4 (6.), 6:4 (8.), 7:6 (11.), 7:9 (14.), 9:11, 9:13 (24.), 10:14, 11:14; 11:16 (35.), 16:16 (43.), 16:17, 18:19 (48.), 20:19 (50.), 20:20 (52.), 22:20 (59.), 22:21 (60.), 23:21. - Strafen: dreimal 2 Minuten gegen Stäfa, fünfmal 2 Minuten (inkl. Disqualifikation wegen dreimal 2 Minuten gegen Hylken/59./21:20) gegen den RTV 1879 Basel.

Stäfa: Aleksejev/Schelling (ab 11.); Lepp (3), Stocker (1), Jaeger (2), Guignet (2), Brunner (3), Milosevic (4), Bleuler (3), Barth, Senta (5/3).

RTV 1879 Basel: Ullrich/Steiner; Hylken, Goepfert (8), Ebi (1), Langhein, Wessner (1), Basler (1), Kozina (4), Dannmeyer, Kaiser (3), Jurca (2), Schröder (1).

Bemerkungen: RTV 1879 Basel ohne Stamenov (verletzt) und Vukelic (krank), setzt Steiner nicht ein. - Ullrich hält Penalties von Milosevic (25./9:13) und Brunner (34./11:15). - 11. (7:6) Jurca schiesst Penalty an die Latte. - 37. (12:16) Schelling hält Penalty von Kaiser. - 58. (21:20) Senta schiesst Penalty übers Tor. - Time-Outs: Stäfa: 14. (7:8), 54. (20:20) und 59. (21:20). - RTV 1879 Basel: 20. (8:10) und 41. (15:16).