Leichtathletik
Rückkehr nach langer Verletzungspause: Noemi Zbärens neu schätzen gelerntes Hürdensprinten

Nach einjähriger Verletzungspause ist Hürdensprinterin Noemi Zbären auf den Wettkampfplatz zurückgekehrt. Am Samstag startet sie am traditionellen Hürden- und Sprintmeeting auf der Schützenmatte in Basel – und sieht sich einer besonderen Herausforderung gegenübergestellt.

Jörg Greb
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Noemi Zbären freut sich auf das Meeting auf der Schützenmatte in Basel.

Noemi Zbären freut sich auf das Meeting auf der Schützenmatte in Basel.

KEYSTONE

Die Freude der 23-Jährigen war greifbar. «Unglaublich schön, ich darf wieder rennen und ich renne auf einem Niveau, wie ich es mir nicht besser gewünscht hätte», erzählte Noemi Zbären letzten Samstagnachmittag. Zwei Mal war die U23-Europameisterin und WM-Finalistin von 2015 angetreten beim Saisoneröffnungsmeeting ihres Heimklubs SK Langnau. Mit einem Paukenschlag schloss sie den Vorlauf über Mittag ab: 13,17 Sekunden. «Ich kanns kaum fassen», sagte sie dazu. Noch nie ist ihr eine solch starke Zeit gleich im ersten Rennen geglückt.

Und das, obwohl Zbären mit deutlich grösseren Fragezeichen ins Rennen gestiegen war als auch schon. Die einschneidende Verletzung – das gerissene Kreuzband am linken Knie vor etwas mehr als einem Jahr beim Basketballspielen – liess sich nicht einfach negieren. «Zwar konnte ich in den letzten Monaten sehr erfreulich und zielgerichtet arbeiten, aber wie es unter Vollbelastung über die gesamte Renndistanz herauskommt, konnte mir bisher noch niemand sagen», umschreibt Zbären ihre Gefühle vor dem Start.

Nervosität und Ungewissheit

Angetreten war sie entsprechend ergebnisoffen. «Ich hatte keine fixe Zeit im Kopf», sagt sie bezüglich ihrer Erwartungen. Ihre Bestzeit aus dem vorletzten Sommer steht bei 12,71 Sekunden. Nicht weniger als 15 Mal blieb sie in jener Saison unter 13 Sekunden. Trotzdem: Beim Saisondebüt wurde sie damals mit 13,55 Sekunden gemessen. Und sie benötigte auch noch drei weitere Rennen, bis sie mit 13,14 Sekunden bei der aktuellen Zeit angelangt war. Offenbar förderlich gewirkt hat die «riesige Vorfreude». Und ebenso die ungewöhnliche Nervosität, Anspannung und Ungewissheit, die Zbären verspürte. Entsprechend überrascht war die Biochemie-Studentin der Universität in Bern nach ihrem Einstand. Und vor allem: Nach dem Rennen verspürte sie keine Schmerzen.

Rund drei Stunden später trat Zbären nochmals an. Nicht mehr ganz so gut schnitt sie ab, die 13,32 Sekunden entsprachen aber noch immer sehr hoher Qualität. Für die weiteren Rennen und die nun begonnene Saison verspricht dieser Auftakt aber einiges, zumal sie sich «sofort wieder im Wettkampfmodus bewegte und ich meinen Rhythmus sogleich wieder gefunden habe.» Das nächste Rennen plant sie für den Hürdencup von diesem Samstag auf der Basler Schützenmatte.

Lea Sprunger als Gradmesser

Gute Erinnerungen und eine besondere Vorfreude nimmt Zbären mit nach Basel. «Ich brauche jetzt Rennen», sagt sie, «und auch Basel bietet mir die Möglichkeit zu einem Doppelstart.» Über ihre Paradedistanz von 100 Meter Hürden tritt sie an und sodann für das zweite Zählresultat des Cups über 200 Meter Hürden. Der ungewohnten Disziplin schreibt sie dies zu wie der besonderen Konkurrenz. Der doppelte Abstand zwischen den zehn Hindernissen findet sie «spannend und eigentlich auf meinen Schritt zugeschnitten». Nicht zuletzt in den drei Gewinnen (letztmals 2015) des Gesamtwertung widerspiegelt sich dies. Spannung verspricht das Rennen aber auch aufgrund der Konkurrenz in Basel. Mit Lea Sprunger trifft sie auf die Schweizer 200-Meter-Rekordhalterin und 400-Meter-Hürden-EM-Dritte. Ebenfalls mit von der Partie ist mit Petra Fontanive eine weitere Olympiateilnehmerin.

Erstklassig besetzt ist das Meeting auf der Schützenmatte – das um 11 Uhr beginnt und um 17.30 Uhr endet – aber auch noch in andern Disziplinen. So stechen aus dem grossen Teilnehmerfeld die beiden Basler Topsprinter Alex Wilson (erstes Rennen nach Auslandaufenthalt) und Silvan Wicki heraus. Klasse versprechen zudem die Olympia-Staffelsprinterinnen Sarah Atcho und Salomé Kora, die Top-Siebenkämpferinnen Ellen Sprunger und Caroline Agnou, die Langhürden-Spezialisten Dany Brand und Alain-Hervé Mfomkpa wie auch Bastien Mouthon.