Basketball
Rückzug in die Drittklassigkeit

Wie länger vermutet, verschwinden die Frauen von Uni Basel von der NLA-Landkarte. Freiwillig. Trainerin Ina Nicosia Schelker erklärt die Gründe.

Georges Küng
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Cincia Ferrari (rechts) und Uni Basel konnten sich nicht aus der Schräglage befreien.uwe zinke/sportives.ch

Cincia Ferrari (rechts) und Uni Basel konnten sich nicht aus der Schräglage befreien.uwe zinke/sportives.ch

«Um in der Nationalliga A spielen zu können, braucht es Schweizer Spielerinnen, die gewillt sind, den zeitlichen Trainings- und Reiseaufwand auf sich zu nehmen, sagt Nicosia Schelker, Trainerin von Uni Basel. Und die selbstverständlich auch über das Niveau verfügen, um in der höchsten Liga bestehen zu können. Und weil dies derzeit in der Region Basel nicht der Fall ist, haben wir die Mannschaft zurückgezogen».

Ohne die charismatische, wenn auch sehr ambitionierte und fordernde (oder gar überfordernde) Amerikanerin hätte der SC Uni Basel gar nie in der NLA gespielt. Es war Nicosia, die die Mittel sicherstellte respektive aus ihrer Berufstätigkeit generierte. Sie leitet mit ihrer Partnerin Bettina Schelker eine Kindertagesstätte mit Primarschule in Oberwil. Im kleinen Kreis soll die frühere Spitzen-Spielerin schon gesagt haben, dass sie die vier Jahre bei Uni Basel – ein Jahr in der NLB, drei Jahre in der NLA – einen sechsstelligen Betrag gekostet hätten. Das verletzungsbedingte Karrierenende von Marisa Heckendorn infolge chronischer Kniebeschwerden sowie der Wegzug anderer Spielerinnen führten dazu, dass keine konkurrenzfähige Equipe zur Verfügung gestanden wäre.

Der Verein, mit Präsident Emanuel Kuhn an der Spitze, wollte eigentlich in der NLB weitermachen. Doch hiefür liess sich kein Trainer finden. Anfragen bei Roland Pavloski (Starwings) oder die Besetzung des Postens mit einer Spielertrainerin namens Szandra McCrory – die Gattin von Ex-Starwings-Profi Anthony McCrory – liessen sich nicht realisieren. So geht Uni Basel in die Anonymität der 1. Liga. In einer Klasse, in der bis anhin bereits die zweite Mannschaft spielte.

Auch die Anfrage bei Trainer Raphael Schoene fruchtete nicht. Der «Mister Basketball» aus Riehen wird sich mit seinem Frauenteam aus der NLB zurückziehen und in der 1. Liga einen Neuaufbau wagen. Riehen verlor in der abgelaufenen Spielzeit 23 von 24 Meisterschaftsspielen. «Ein Indiz, dass wir in der Nationalliga B überfordert waren», erklärt Klubpräsident und Trainer Schoene. Seit Jahrzehnten in der Szene aktiv, schliesst er sich der Meinung von Ina Nicosia an und sagt: «Im Frauen-Basketball ist der regionale Nachwuchs ins Hintertreffen geraten. Es braucht bessere Ausbildner an der Basis. Riehen verfügt über viele Nachwuchsspielerinnen, die wir nicht verheizen, sondern sachte auf die höchstmögliche Ebene bringen wollen», sagt Schoene.

Der Rückzug von Uni Basel bringt mit sich, dass in der höchsten Liga die Deutschschweiz nicht mehr vertreten ist, da Luzern sich ebenfalls zurückgezogen hat. In der Nationalliga B verbleiben mit Frauenfeld und Regensdorf noch zwei Teams aus dem grössten Landesteil. Die Zeiten, in denen die Region mit dem Serienmeister Birsfelden, Arlesheim und Pratteln drei Klubs in der Nationalliga A stellte, gehören endgültig der Vergangenheit an.

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