Es war eine Premiere für Raphael Wicky, eine, auf die er getrost hätte verzichten können. Nachdem Lugano kurz vor Schluss zum 1:1 ausgleicht und der FCB die Tabellenführung leichtfertig verschenkt, gibt es Pfiffe von den Rängen. Darauf angesprochen, meint der FCB-Trainer: «Die Fans wollen, dass wir all unsere Spiele gewinnen. Darum verstehe ich auch, dass sie am Ende unzufrieden waren.» Damit verkennt er wohl eines: Es ging nicht ums Resultat allein, sondern um den Auftritt seines Teams. Pomadig, uninspiriert und ziemlich passiv wirkt der FCB am Sonntag.

Da schrillen bei vielen FCB-Fans die Alarmglocken. In den sozialen Medien schlugen nach dem Spiel die Wellen hoch. Viele sehen nicht nur die Meisterschaft in Gefahr, sondern insbesondere auch die Champions League, die in einem knappen Monat beginnt. Aber sind diese Befürchtungen berechtigt nach einem Saisonstart mit drei Siegen, einer Niederlage und einem Unentschieden?

Bewusst mehr Risiko genommen

Die Erwartungen in Basel sind sehr hoch. Nicht nur sorgte der FCB in den letzten Jahren immer wieder für Glanzlichter in der Königsklasse, er sicherte sich zudem sieben Mal in Serie den Meistertitel. Immer überlegener war Rot-Blau. Letzte Saison unter Urs Fischer sicherten sich die Rot-Blauen den Titel schon Ende April. Logisch freute man sich darüber, aber viel eher sah man es als Selbstverständlichkeit an, monierte, dass der FCB zu wenig Unterhaltung biete, zu viele Legionäre beschäftige. Auch das führte zum Wechsel in der Teppichetage. Frischer Wind sollte ins Joggeli kommen. Und die Neuen rund um Präsident Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller versprachen Besserung. Mehr Eigengewächse, mehr Spannung, bessere Unterhaltung.

Super League, 2017/18, 5. Runde, FC Basel - FC Lugano, Alle Highlights

Alle Highlights vom Spiel gegen Lugano.

Diese Strategie birgt Risiken. Risiken, die Burgener und Co. bewusst in Kauf genommen haben. Auch der Spannung wegen. Und während Fischer zuletzt jeweils mit 15 Punkten aus den ersten fünf Runden startete und sein Team letzte Saison zu diesem Zeitpunkt bereits 18 Tore geschossen hatte, steht Wicky mit 10 Punkten und ebenso vielen Toren deutlich dahinter. Aber: Kein Grund zur Panik! Betrachtet man die Saisonstarts des FC Basel seit Beginn der Super League, stellt man fest, dass Wicky einen durchschnittlichen Start hingelegt hat. Nur drei Mal reichte es für den FCB nicht zum Titel (2005/06, 2006/07, 2008/09). Und selbst nach dem schlechtesten Start 2011/12 unter Heiko Vogel schafften es die Basler am Schluss noch.

Nach fünf Runden war noch nie eine Meisterschaft entschieden. Und Wicky hat vieles bewegt: etliche neue Spieler, ein neues System, eine neue Philosophie. Dass es da Rückschläge geben kann, versteht sich von selbst. Sicher ist: Der FCB hat immer wieder zu überzeugen gewusst. Also jetzt nicht gleich den Kopf hängen lassen und Ruhe bewahren, liebe FCB-Fans.