Leichtathletik

Ruhig, lauter, Aline Kämpf - das ist Baslers beste Nachwuchssportlerin 2019

Die Leichtathletin Aline Kämpf ist fokussiert, egal welche Hürde noch kommen mag.

Die Leichtathletin Aline Kämpf ist fokussiert, egal welche Hürde noch kommen mag.

Ein Porträt der Mehrkämpferin, welche am 20. Januar zur Basler Nachwuchssportlerin des Jahres 2019 geehrt wurde.

Aline Kämpf hätte allen Grund, vor Selbstbewusstsein zu strotzen. Sie hält mehrere Vereinsrekorde beim Turnverein Riehen, gewann den 1. Platz bei den Mehrkampf- Schweizermeisterschaften U20 und ist jetzt auch noch Basler Nachwuchssportlerin des Jahres 2019. Doch Starallüren hat die 20-Jährige keine. Nach Abschluss des Wirtschaftsgymnasiums hat sie einen Praktikumsjob bei einer Treuhandfirma ergattert, gibt jeden Mittwoch Training für den Nachwuchs des TV Riehen und findet neben fünf bis sechs Trainingseinheiten pro Woche noch Zeit, an Familienfesten teilzunehmen und sich mit ihren Freunden zu treffen.

«Bescheiden» ist wohl das Wort, das Aline Kämpf am besten beschreibt. So meint auch Alines Mutter Dominique: «Sie kommt teilweise von Wettkämpfen nach Hause und erzählt gar nicht erst, dass sie den 1. Platz gemacht hat.» Auf die Frage, wie sie sich bei der Verleihung im Januar – nur einen Tag nach ihrem 20. Geburtstag - gefühlt hat, sagt Aline Kämpf leicht errötet: «Ich habe überhaupt nicht erwartet, dass ich gewinnen könnte. Die Anderen sind doch viel besser. Ich dachte nur, dass ich bisher doch gar keine wahnsinnige Leistung erbracht habe.» Doch ihre Bestleistungen sprechen für sich.

Von der Unschlüssigkeit zur EM Limite

Zum Mehrkampf kam Aline Kämpf damals eher zufällig. Sie konnte sich damals nämlich nicht entscheiden, auf welche Disziplin sie sich in der Leichtathletik spezialisieren soll. Ihr jetziger Trainer, Matthias Müller, riet ihr damals: «Mach doch Mehrkampf.» Und auch hier kommt die Bescheidenheit von Aline Kämpf wieder zum Vorschein: «Ich bin nirgends mega gut, aber ich mache alles sehr gerne. Deshalb hat Mehrkampf gut gepasst.» Obwohl bei den bisherigen Leistungen kaum die Rede von «nicht mega gut» sein kann. Mit einem Lachen fügt sie aber noch hinzu: «Es wäre  übertrieben zu sagen, dass ich den 800-Meter-Lauf sehr gerne mache.»

Auch neben dem Platz ist die Leichtathletin auf Kurs. Im Frühling wird die Riehemerin acht Wochen eine Sprachschule in San Diego besuchen, um mit verbesserten Englischkenntnissen im September mit dem Wirtschaftsstudium an der Universität Basel beginnen zu können. Aber nicht nur in der Ausbildung hat Aline Kämpf ganz klare Visionen vor Augen, sondern auch im Sport. Das nächste grosse Ziel: Die EM Limite im Mehrkampf zu erreichen. Falls mehrere Sportler die Limite erreichen, werden die besten zwei ausgewählt, um an der EM teilzunehmen. Auf die Frage, ob es denn ihr Wunsch wäre, an der Endrunde teilzunehmen, erwidert Aline: «Überhaupt die Limite zu erreichen, wäre schon super.»

Letzten Sommer war ein solcher Wunsch aber noch nicht denkbar. Aline Kämpf hatte mit starken Problemen an den Adduktoren zu kämpfen. Es war sogar von Saisonabbruch die Rede, doch sie schaffte es, nur wenige Monate danach, den U20 Schweizermeistertitel im Mehrkampf zu gewinnen. Sie konnte mit viel Ehrzeig und Wille auch diese Hürde überspringen und wurde dafür belohnt.

«Tröstiflasche – ja, das ist Aline»

Wenn es um den Charakter von Aline Kämpf geht, würde ihre Mutter Dominique sie als eher ruhig bezeichnen. Doch das erste Adjektiv, dass der Mehrkämpferin über sich selbst einfällt, ist «laut». Sie sei ständig am Reden und lacht sehr gerne - auch im Training. Beim Besuch auf der Grendelmatte in Riehen wird deutlich, dass Aline Kämpf tatsächlich ständig plaudert. Dies können auch ihre Trainingskameraden Fabian und Norina mit einem Lachen bestätigen.

Aline Kämpf mit ihren Trainingskollegen Fabian (links) und Norina (rechts) am Wettkampf in Tenero.

Aline Kämpf mit ihren Trainingskollegen Fabian (links) und Norina (rechts) am Wettkampf in Tenero.

Doch nebst dem Plappern ist Aline Kämpf auch dafür bekannt, immer ein offenes Ohr zu haben. Aber nicht nur sie selbst fungiert als Seelsorgerin ihrer Trainingskameraden. Braucht ein Trainingskollege an einem schlechten Tag eine Aufmunterung, wartet Aline Kämpf  bereits mit ihrer Trinkflasche und tröstenden Worten bei der Seitenlinie. «Tröstiflasche – ja, das ist Aline» meint ihr Trainer Matthias Müller. Dies ging soweit, bis irgendwann die Trinkflasche selbst bereits eine tröstende Heilung versprach. «Im Training heisst es nur, geh zur Tröstiflasche, dann geht es dir besser», erzählt Alines Freundin Norina.

Im Training mit den Nachwuchsathleten zeigt sich Aline Kämpf fröhlich, offen und geduldig. Und genau diese aufgestellte Art wird von ihrem Umfeld sehr geschätzt. Denn trotz der Ehrung zur Nachwuchssportlerin des Jahres sind die Siege für sie selber nicht das Wichtigste. «Mein grösster Wunsch für meine sportliche Zukunft ist es, weiterhin Spass am Sport zu haben und trotzdem auf einem hohen Niveau bleiben zu können. Und ohne Lachen geht das bei mir nicht.»

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