Briefe für Tokio

Salome Lang: «Ich bin in Quarantäne»

Salome Lang steht vor ungewissen Zeiten.

Salome Lang steht vor ungewissen Zeiten.

Drei Basler Sportler berichten von ihrem Weg an die Olympischen Spiele 2020. Lesen Sie den vierten Brief von Hochspringerin Salome Lang, die aufgrund des Corona-Virus ihr Training komplett umgestalten muss.

Nach meiner Hallensaison war ich sehr zuversichtlich, dass die Qualifikation für die Olympischen Spiele in diesem Sommer im Bereich des Möglichen liegt und dass – wenn ich gesund bleibe – auch die Sommersaison ein Erfolg wird. Nun sind die Umstände wegen des Corona-Virus und den Massnahmen etwas schwieriger. Da meine Wettkämpfe nicht vor Mitte Mai beginnen, verpasse ich zwar keine Qualifikationsmöglichkeiten. Die Vorbereitung verläuft zurzeit aber stark beeinträchtigt. Ohne Sportanlagen und das benötigte Material ist ein zielgerichtetes und optimales Training nicht einfach.

Wir machen aber das Beste aus der Situation, da wir sie nicht ändern können. Es wird improvisiert: Anstatt auf der Rundbahn renne ich auf der Strasse, anstatt über Hürden springe ich irgendwelche Treppen hinauf. Mit ein bisschen Kreativität kann man mehr machen, als man denkt. Das Wichtigste aktuell sind aber die Gesundheit und die Rücksicht auf die anderen Menschen, weshalb wir das Training anpassen. Seit gestern bin ich in Quarantäne, damit ich am kommenden Dienstag nach Magglingen darf, wo die besten Schweizer Athleten trainieren dürfen.

Die grösste Hürde ist die mentale Einstellung. Die Ungewissheit, ob die Spiele und die Saison überhaupt stattfinden, erschwert es, die Disziplin und die Motivation aufrechtzuerhalten. Ich habe Angst, dass der Traum platzt. Gleichzeitig habe ich aber auch volles Verständnis für jegliche Massnahmen, da die Situation für alle Beteiligten unglaublich schwierig ist.

Ich bin überzeugt, dass das Internationale Olympische Komitee und alle Verantwortlichen die richtige Entscheidung im Wohle aller treffen und vertraue auf ihre Einschätzung der Lage. Und solange wir nichts Konkretes wissen, bleibt die Einstellung – auch wenn vielleicht etwas schwerfälliger – die gleiche: Ich will im Sommer in Tokio dabei sein und mache dafür alles, was im Bereich des Möglichen liegt.

Es bleibt uns derzeit nichts anderes übrig als zu warten, die bestmögliche Trainingssituation zu kreieren und uns gegenseitig mit der nötigen Distanz zu unterstützen.

Meistgesehen

Artboard 1