Briefe für Tokio
Salome Lang: "Ich dachte zuerst noch an einen Fake-Account"

Drei Basler Sportler berichten von ihrem Weg an die Olympischen Spiele 2020. Lesen Sie den Brief von Hochspringerin Salome Lang, die trotz der Coronakrise eine diamentene Überraschung erlebte.

Salome Lang
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Salome Lang bestritt ihr erstes Diamond-League-Meeting im Ausland.

Salome Lang bestritt ihr erstes Diamond-League-Meeting im Ausland.

Kenneth Nars

Nach der Absage der Olympischen Spiele in Tokio und der Europameisterschaft in Paris waren wir uns am Anfang nicht sicher, ob überhaupt eine Saison stattfinden wird. Die Unsicherheiten waren sehr gross und dementsprechend in gewissen Phasen die Motivation eher klein. Für was den ganzen Aufwand, wenn wir schlussendlich doch keine Wettkämpfe bestreiten können?

Trotzdem haben wir, so gut wie es ging, trainiert. Ein wenig Hoffnung für ein paar Wettkämpfe in der Schweiz war noch da. Nach einer kurzen Pause auf Grund von Knieproblemen konnte ich mit meinem Team dann Mitte Mai wieder auf die Sportanlagen und auf einmal wurden die ersten Wettkämpfe angesagt. Für mich kamen die aber damals noch zu früh.

Das Ziel lautete zuerst: Form aufbauen und dann im August/September noch ein paar Wettkämpfe in der Schweiz absolvieren. In diesem Moment hätte ich nie daran gedacht, dass ich noch in diesem Sommer mein erstes Diamond League Meeting im Ausland bestreiten darf. Obwohl die ersten Wettkämpfe mehr schlecht als recht waren, bekam ich plötzlich eine Nachricht des offiziellen Instagram-Accounts des Diamond League Meetings von Monaco. In der Nachricht stand schlicht: «Hello Salome». Ich dachte noch zuerst an einen Fake-Account. Doch das war es nicht. Die offizielle Einladung folgte kurz darauf. Eine grosse Ehre, denn dort dürfen nur die Besten der Welt starten. Die Vorfreude war riesig.

Offiziell durften wir keine Trainer mitnehmen, doch es wurden Tickets verkauft. So habe ich alles organisiert, damit mein Trainer mitkommen kann. Doch ich realisierte: eine Übernachtung in Monaco ist sehr teuer. So schlief mein Trainer in Nizza reiste von dort mit dem Zug nach Monaco.

Ich war sehr nervös, da ich an den vorherigen Wettkämpfen nicht die erwünschten Leistungen erbrachte. Ich hoffte auf einen Exploit in Monaco. Leider stimmte auch hier das Timing bei den Sprüngen noch nicht ganz. So war die Höhe mit 1,84 Meter zwar etwas enttäuschend. Doch das reichte für den geteilten 4. Rang, mit dem ich sehr zufrieden bin. Und vor immerhin 5000 Zuschauern gab es wieder einmal ein richtiges Wettkampfgefühl.

Einen Tag nach dem Wettkampf wollte ich noch an einem Schweizer Anlass starten. Der Rückflug landete um 9 Uhr, es hätte zeitlich also gepasst. Doch nach dem Anlass in Monaco lag ich bis 2 Uhr morgens wach im Bett. Adrenalin? Nervosität? Freude, in Monaco zu sein? Ich weiss es nicht. Wir strichen jedenfalls den Wettkampf in der Schweiz.

Nun geht es nochmals darum in den nächsten vier Wochen bis zur Schweizer Meisterschaft möglichst gut an meiner Technik zu arbeiten, um dann hoffentlich nochmals eine gute Leistung zu zeigen.