Super League
Samuele Campo: Der FCB-Hoffnungsträger in der Warteschleife

Samuele Campo gehört die Zukunft beim FC Basel. Noch muss er aber hinten anstehen. Im Winter kehrte er von Lausanne zurück. Dass es beim FC Basel schwierig sein wird, hat ihm Lausanne-Trainer Celestini erklärt.

Céline Feller
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Samuele Campo

Samuele Campo

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Egal, wen man fragt: Geht es um Samuele Campo, dann sind alle voll des Lobes. Ob FC-Basel-Sportchef Marco Streller, sein Trainer Raphael Wicky, sein ehemaliger Coach Fabio Celestini oder gar Gegenspieler wie Marc Janko. Alle streichen sie sein unglaublich grosses Können, begründet in seiner herausragender Technik, seinem feinen linken Fuss sowie seinem Auge für Räume, die sonst keiner sieht, heraus.

Und doch: wirklich beweisen, was er drauf hat, durfte Samuele Campo beim FC Basel noch nicht. Im Winter kehrte er zu seinem Jugendklub zurück, nachdem er zwei Jahre in Lausanne gereift war. Ein Schritt, den er getan hatte, weil er damals keinen Weg von der U21 des FCB in die erste Mannschaft gesehen hatte.

Also zog es ihn in die Challenge League zu Lausanne und Celestini. Er wurde robuster, sammelte Spielpraxis auf höchster Ebene. Und machte damit jene entscheidende Entwicklung, die den FCB im Winter veranlasste zu sagen: Dieser Mann kann den zurückgetretenen Captain Matías Delgado ersetzen. Dereinst. Und genau das ist der Punkt.

Campo soll keine schnelle Lösung, sondern ein «langfristiges Projekt» sein, wie Wicky sagt. Die Folge: die Nicht-Nomination für die Champions League sowie magere Einsatzzeiten. Nur drei Starteinsätze für den FCB stehen in der Statistik des 22-Jährigen, zu einem davon kam er letzten Mittwoch so unverhofft wie unvorbereitet, weil Mohamed Elyounoussi kurz vor Spielbeginn passen musste.

Noch ein paar Schritte

Wicky begründet all dies damit, dass er Campo Zeit geben müsse, damit dieser sich an die Welt «FC Basel erste Mannschaft» mit dem dazugehörigen Druck, Publikum und Stadion gewöhnen könne. «Aber seine fussballerischen Qualitäten sind unbestritten. Ich bin sicher, wir werden noch viel Freude an ihm haben.»

Beides ebenfalls Sätze, die oft über Campo gesagt werden. Aber auch Vorschusslorbeeren, denen er – ausgenommen seine Massflanke zum 3:0 gegen Zürich – noch kaum gerecht wurde. Spielt er, wirkt er verunsichert und ausser Form. Logische Konsequenzen mangelnder Spielpraxis und mangelnden Vertrauens, deren Fehlen er nicht kaschieren kann.

Er ist noch nicht der Campo, der er in Lausanne war. Dort hatte er einen Lauf, erzielte vier Tore, war hinter Elyounoussi bester Passgeber der Liga. «Nur weil einer in der Hinrunde bei einem anderen Verein super war, heisst das nicht, dass ich ihn deshalb bringe», kontert Wicky. Die Konkurrenz im Mittelfeld sei gross.

Das zeigt auch die Tatsache, dass Campo oft ausweichen muss. Mal auf den rechten Flügel, mal auf die Sechs wie zuletzt gegen Lausanne. Und das, obwohl er sich als Zehner sieht, sich dort am wohlsten fühlt und für diese Position verpflichtete wurde. Aber vom Status, dort gesetzt zu sein, ist er noch weit entfernt.

Natürlich ist ein Grund dafür, dass in Wickys präferiertem 3-4-3 kein klassischer Zehner vonnöten ist. Aber auch sonst sind es für Campo noch ein paar Schritte bis zur festen Grösse. Noch stehen ihm Spieler wie Elyounoussi vor der Nase.

«Wissen Sie, was es braucht, damit ein Spieler im Ausland bestehen kann?», fragt Celestini in diesem Zusammenhang und liefert die Antwort gleich mit: «Drei Jahre à rund 30 Spiele in der Super League. Wer das nicht mitbringt, kehrt meist innert Kürze zurück. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen. Und der FCB oder auch YB sind für mich praktisch ein Auslandtransfer.» Campo kommt auf die Hälfte der Spielzeiten und mit 59 auf zwei Drittel der laut Celestini erforderlichen Einsätze.

Noch ein bisschen Geduld

Am Ende sind dies aber alles nur Zahlen. Weil Campo jung ist und ihm beim FCB die Zukunft gehöre, wie sie im Klub sagen. «Weil er etwas hat, was nicht viele haben», wie ihm Wicky attestiert. Er sei zufrieden mit Campos Leistungen, betont, dass der Spieler dabei sei, Rhythmus aufzunehmen.

Dass der Spieler selber aber noch nicht dort ist, wo er sein will, daran ändert das nichts. In Lausanne war er der Spieler – «zusammen mit Kololli und Margiotta» – wie Celestini einwirft. «Er machte den Unterschied.»

Dass dem beim FCB nicht so sein würde, habe Celestini ihm mitgegeben. Aber: «Was zählen die Worte eines Trainers, wenn es um den Traum eines Spielers geht? Als er mir sagte, es sei ein Traum für ihn, da wusste ich, dass ich ihn verloren habe.»

Bekommt Campo aber bald die nötigen Minuten – «60 bis 70 in jedem Spiel, das braucht ein Spieler wie er», so Celestini – dann werden auch die Fans bald voll des Lobes sein. Und dass sich mit Offensiv-Genies etwas Geduld lohnt, zeigte nicht zuletzt jener, den Campo dereinst ersetzen soll: Matías Delgado.