So wirklich daran glauben mag keiner in diesem Moment. Sie sind alle noch so jung. Noch weit entfernt davon, dereinst vor 30 000 Menschen ins Joggeli einzulaufen und bejubelt zu werden.
Jahre später sitzt Samuele Campo in der Hotel-Lobby in Marbella. Während er dort über seine Vergangenheit im Nachwuchs des FC Basel sinniert, laufen ebendiese Jungs vorbei, mit denen er diese Spässchen gemacht hatte: Raoul Petretta, Albian Ajeti, Cedric Itten. Auch Taulant Xhaka und Dominik Schmid zählt er zu diesem Kreis. «Wenn wir heute daran zurückdenken, ist es schon lustig. Du redest immer davon, und dann passiert es plötzlich. Das ist etwas Schönes.»

Das entscheidende Telefonat

Dass Samuele Campo an diesem Januarabend als Spieler des FC Basel in Südspanien weilen würde, hatte sich abgezeichnet. Sein Transfer galt lange als fix, am 27. Dezember wurde der Zuzug dann auch kommuniziert. Trotzdem gibt er zu: «Erwartet habe ich nicht, dass es so schnell gehen würde.» Vor zwei Jahren verliess er seinen Jugendverein, dem er 15 Jahre lang angehört hatte. Er hatte sich in einer Sackgasse gesehen, ohne Möglichkeit, den Durchbruch in die erste Mannschaft zu schaffen. Ein solcher Abend in Marbella, mit dem FCB-Logo auf der Brust, das war in weite Ferne gerückt.

Campo hatte eingesehen, dass einzig ein Wechsel ihn weiter bringen würde. Also ging er zu Lausanne. Zu Fabio Celestini. Unter ihm ist er gereift, weil «er immer an mich geglaubt und mir immer das Vertrauen geschenkt hat. Das schätze ich mega.» Umso schwerer war dann auch der Abschied. Dass dieser Tatsache werde würde, merkte Campo, als Mitte der Hinrunde sein Handy klingelte. Für einmal waren am anderen Ende aber nicht Thomas Häberli oder Massimo Ceccaroni, mit denen er auch in seinen Jahren weg vom FCB stets in Kontakt geblieben war. Sondern es war Marco Streller, der neue Basler Sportchef, der die Nummer des 22-jährigen offensiven Mittelfeldakteurs gewählt hatte.

Er offenbarte ihm den Wunsch, ihn zurück zu holen. Schon im Winter. «Ich musste gar nicht überlegen, es war sofort klar, dass ich zurückkommen, wenn ich das kann.» Wenn er das sagt, wirkt der sonst so schüchterne und zurückhaltende Campo richtig stolz. Und gleichzeitig lächelt er etwas verlegen, zupft fast hilfesuchend am Jäckchen herum. Es sei eben einfach ein Traum, dass sein Plan aufgegangen ist, bei Lausanne zu reifen um wieder zum FCB zurückkehren zu können. Der Wechsel ist für ihn schon jetzt das Karriere-Highlight, ohne dass er bislang auch nur ein Spiel mit seinen neuen Kollegen bestritten hat. Aber er kann es kaum erwarten: «Nicht nur das erste Champions-League-Spiel oder das erste in der Liga, ich freue mich schon nur auf die Testspiele.» Schon nur in diesem Trainingslager sein zu dürfen, mache ihn glücklich.

Der druckresistente Spieler

Samuele Campo fühlt sich sichtlich wohl. Wohl auch, weil Raphael Wicky eine ähnliche Spielphilosophie wie Celestini hat und damit eine, die auch Campo behagt. «Ich habe Raphi ja schon aus dem Nachwuchs gespielt und daher gewusst, wie er ist.» Viele lange Gespräche konnten die beiden noch nicht führen. Daher könne er auch noch nicht detailliert sagen, was Wickys Plan mit ihm sei. «Er sieht mich im offensiven Mittelfeld, also da, wo ich mich auch sehe.»

Als Ersatz von Matías Delgado also, zu dem er nicht nur aufgrund der Nummer 10 auf dem Rücken gemacht wird? «Ich sehe mich nicht als Ersatz, sondern als zusätzlichen Spieler.» Den mit der Nummer 10 und der Position auf dem Feld verbundenen Druck spürt er nicht. «Und auch wenn mir jemand den machen will, dann lasse ich ihn einfach beiseite.» So simpel sei es. Nervös? Nicht Samuele Campo. «Ich blende solche Dinge aus, versuche, mein Spiel zu machen.»

Basels Samuele Campo beim Trainingsstart der Rueckrunde 2017/2018 des FC Basel im Leichtathletikstadion St. Jakob in Basel am Montag, 8. Januar 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Samuele Campo ist zurück beim FC Basel.

Basels Samuele Campo beim Trainingsstart der Rueckrunde 2017/2018 des FC Basel im Leichtathletikstadion St. Jakob in Basel am Montag, 8. Januar 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Dazu brauche er keine speziellen Methoden. Auch Rituale vor den Spielen sind ihm fern. Er habe keinen grossen Kopfhörer auf oder sonst etwas. «Ich muss einfach locker mit den Kollegen reden können, das ist alles.» Mit jenen Kollegen, mit denen er schon vor Jahren genau diese Szenerie ausgemalt hatte. Denn heute gehören sie tatsächlich alle der ersten Mannschaft an. Petretta, Itten, Schmid, Ajeti, Xhaka. Und Campo. «Dass das geklappt hat, ist einfach perfekt.»