Fussball
Sand im Goalie-Getriebe bei Yann Sommers Erben

Die Basler Talentschmiede stockt bei den Schlussmännern. Die Mannschaft spielt so überlegen, dass die Torhüter kaum getestet werden können.

Nicolas Luratiund Sebastian Brielmann
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Nur wenige Basler Torhüter schaffen es wie Yann Sommer bis in die Champions League.

Nur wenige Basler Torhüter schaffen es wie Yann Sommer bis in die Champions League.

Keystone

Das letzte Spiel im Kalenderjahr 2011 der U21 des FC Basel gegen den BSC Old Boys war eine klare Angelegenheit. Gleich mit 5:0 verabschiedeten sich die Basler Nachwuchstalente in die Winterpause – ein starker und versöhnlicher Abschluss. Die Dominanz, welche das Team von Trainer Carlos Bernegger an den Tag legte, war beeindruckend. Die Feldspieler empfahlen sich ein letztes Mal, um möglicherweise schon bald in die erste Mannschaft des FCB befördert zu werden.

Fehlende Herausforderung

Doch nicht alle können sich vor den Augen des Cheftrainers und zahlreicher Scouts in die Notizbücher spielen, denn die beim FC Basel im Jugendbereich vorhandene Überlegenheit fordert auch Opfer. In erster Linie sind das die Torhüter.

Durch die spielerischen Vorteile werden die Keeper kaum geprüft und deswegen nicht gefordert. Die Folge: In der Basler Talentschmiede ausgebildete Keeper haben es – bis auf wenige Ausnahmen – schwer, sich im Profifussball zu etablieren.

Ernüchternde Bilanz

Die Ausnahme schlechthin bildet natürlich Yann Sommer. Es ist aber klar, dass nicht alle Schlussmänner den gleichen Weg wie den des aktuellen FCB-Stammtorwarts einschlagen können. Trotzdem kann die Gesamtbilanz der in den letzten Jahren beim FCB ausgebildeten Goalies für manch einen Aussenstehenden doch leicht ernüchternd erscheinen: Nur gerade zwei Keeper – Sommer und Franck Grasseler vom SC Kriens – sind Stammkräfte in einer der beiden obersten Schweizer Spielklassen. Andere jedoch spielen bloss in der regionalen oder interregionalen 2. Liga.

Dies entspricht sicherlich nicht der Vorstellung eines Fussballers, der jahrelang die sich an hohen Zielen orientierende FCB-Schule durchlaufen hat. Für jene Akteure ist eine Profikarriere wohl in weite Ferne gerückt. Auch für einen Oliver Klaus (Vaduz) oder einen Ilja Kovacic (St.Gallen U21), ebenfalls zwei ex-Rotblaue, ist die aktuelle Situation nicht gerade befriedigend. Die Beiden spielen zwar in der Challenge League beziehungsweise in der 1. Liga, sind jedoch in ihren Vereinen nicht Stammkraft.

«Wir können nicht alle Torhüter in der Super League unterbringen»

In einer ebenfalls nicht ganz einfachen Lage befindet sich Jayson Leutwiler: In der Hinrunde war der 22-Jährige zwar beim Farmteam des FCB die Nummer eins, doch mit dem um fünf Jahre jüngeren und mindestens gleich talentierten Mirko Salvi hat Leutwiler massive Konkurrenz im Nacken. Für Leutwiler wird die Zeit langsam knapp. Tönt nun so, als hätte Rotblau bei der Förderung auf der Goalieposition versagt.

Carlos Bernegger relativiert jedoch: «Es ist unmöglich und absolut illusorisches Denken, alle Torhüter in der Super League unterbringen zu können.» Der argentinisch-schweizerische Doppelbürger fügt hinzu: «Zudem gibt es für einen Keeper keine Ausweichmöglichkeiten. Ein zentraler Mittelfeldspieler beispielsweise kann sich je nach Konkurrenz auf seiner Position offensiver, defensiver oder auf die Flügel orientieren. Ein Torhüter ist und bleibt jedoch fix Torhüter.»