Boxen
Sandra Brügger dominiert in Frenkendorf die schwedische Weltnummer 8

Die Basler Boxerin Sandra Brügger gewinnt im Hauptkampf des ersten Frauenturniers des Noble Art Boxing Centers in Frenkendorf gegen Patricia Berghult. Ein Kampf, der Mut mit Blick auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele macht.

Patrick Pensa
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Sandra Brügger (rot) setzt der Schwedin Patricia Berghult, die knapp fünf Kilo mehr auf die Waage bringt, mit platzierten Schlägen zu. Smith/ZVG

Sandra Brügger (rot) setzt der Schwedin Patricia Berghult, die knapp fünf Kilo mehr auf die Waage bringt, mit platzierten Schlägen zu. Smith/ZVG

Stephen G Smith Photography

Draussen deutet nichts auf einen Mädchenabend hin. Eine Gruppe junger Männer steht in der Dunkelheit. Es ist bitterkalt, gerade wird ein Grill in Betrieb genommen. Von drinnen dröhnt laute Musik das Treppenhaus hinauf zur Eingangstüre des Noble Art Boxing Center in Frenkendorf. «Girls only» steht in dicken Lettern auf dem Plakat. Dies gilt aber nur für den Boxring, im Publikum haben Männer leicht die Oberhand.

Starkes Teilnehmerfeld im Boxkeller

Das erste Frauenturnier in Frenkendorf ist stark besetzt. Die Schweizer Nationalkader-Athletinnen stellen sich ausländischer Konkurrenz, darunter technisch versierte Italienerinnen, die deutsche Vize-Meisterin sowie die tschechische Meisterin. Hauptkampf des Abends ist aber das Duell zwischen der Schwedin Patricia Berghult, WM-Achte, und Sandra Brügger vom Boxring Basel.

Ziel Olympia

Die 32-jährige Brügger will 2016 die Schweiz in Rio de Janeiro an den Olympischen Spielen vertreten. Dort wird Frauenboxen erst zum zweiten Mal olympisch sein. Die Selektion für London hatte Brügger verpasst. Um in Rio dabei zu sein, muss sie an der WM den achten Rang erreichen. Drei Jahre vor dem Grossanlass kommt die Schwedin als aktuelle Nummer 8 als Gradmesser gelegen. Wobei Berghult im Weltergewicht (-64 kg), also eine Kategorie über Brügger, boxt.

Publikum wurde überrascht

Währenddessen das Publikum skeptisch gespannt war, ob Brügger, die viermal wöchentlich in Frenkendorf bei Frauen-Nationaltrainer Michael Sommer trainiert, überhaupt eine Chance haben wird, gab sich diese zuversichtlich: «Ich konzentriere mich auf meine eigenen Stärken und weniger auf die Gegnerin.»

Richtige Taktik gefunden

Tatsächlich fanden Trainer und Athletin die richtige Taktik. Immer wieder konnte Brügger mit schnellen Angriffen die Deckung der 19-jährigen Schwedin durchbrechen. Die Baslerin hat den Kampf regelrecht dominiert. «Ich habe erwartet, dass ich meine Dynamik ausspielen kann», sagte Brügger nach ihrem Sieg. Was dieser Triumph auf dem Weg zu Olympia bedeutet, ist noch nicht absehbar. «Ich konnte sicher schon einiges umsetzen. Gerade gegen starke Gegnerinnen ist es aber schwierig, nicht in alte Muster zurückzufallen», sagte die gebürtige Meiringerin, die sich über Weihnachten ein paar Tage Auszeit bei ihrer Familie gönnt und mit dem Snowboard unterwegs sein wird. Bereits im Januar geht es dann zu einem Turnier nach Schweden.

Vorbild in Sachen Engagement

Michael Sommer war zufrieden mit dem Kampf und blickt optimistisch in die Zukunft. «Es ist toll, wie motiviert Sandra mit ihren 32 Jahren ist. Zudem hat sie ihre Möglichkeiten noch nicht annähernd ausgeschöpft.»

Frauenboxen wird gefördert

Gleichzeitig haben auch andere Länder das Frauenboxen für sich entdeckt und wollen 2016 Athletinnen nach Rio schicken. Entsprechend schwierig sind zu diesem Zeitpunkt Prognosen hinsichtlich einer möglichen Selektion. Ein nächster Gradmesser wird die EM im nächsten April sein.

Nach dem letzten Kampf gab es für alle Fleisch vom Grill. Währenddessen die Männer eher zu Entrecôtes griffen, zogen die Boxerinnen mageres Poulet vor und liessen einen ungewöhnlichen Mädchenabend ausklingen.

Evelyne Ziegler tritt zurück

Die Hersbergerin Evelyne Ziegler vom Noble Art Boxing Center hatte gestern ihren letzten Kampf. Sie gab beim Heimturnier ihren Rücktritt bekannt. Als grössten Erfolg bezeichnet sie den Sieg an einem grossen Turnier in Schweden vor knapp einem Jahr. Ihr grosses Ziel, einmal den Schweizer-Meister-Titel zu gewinnen, hat die 25-Jährige verpasst. An der SM vor drei Wochen waren zu wenige Kämpferinnen am Start. Ziegler wird nächstes Jahr heiraten.