Schwingen
Schon als Bub vom Sägemehlring fasziniert

Michael Gschwind aus Hofstetten ist 24-facher Kranzgewinner, misst 186 Zentimeter, wiegt muskelbepackte 121 Kilos und ist der «Böseste» unter den Baselbietern. Der Mann ist beim 104. Nordwestschweizerischen Fest der Baselbieter Hoffnungsträger.

Geroges küng
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Michael Gschwind räumt zurzeit gross ab. niz Michael Gschwind räumt zurzeit gross ab. niz

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Solothurner Zeitung

Am letzten Wochenende hat der 27-jährige Elektromonteur innert 20 Stunden gleich zwei Schwingfeste gewonnen. Zuerst triumphierte er in überlegener Manier beim dritten Fraumatt-Schwinget in Oberwil, sonntags entschied er ebenso souverän das 21. Steinegg-Schwinget in Himmelried. Im Schlussgang bodigte er Willi Schillig aus Adligenswil bereits in der ersten Minute.

«Mein Vater hat mich schon als Kind zu den Schwingfesten mitgenommen. Seitdem bin ich vom Schwingen fasziniert», erklärt der Solothurner aus dem Hinteren Leimental. Dass er sich schon im Primarschulalter dem SC Binningen anschloss, war Zufall. «Ich hätte auch zum Schwingklub Oberwil oder nach Dornach gehen können», so Gschwind. Dennoch verlief seine Karriere bei Weitem nicht linear. «Zwischen dem 15. und 19. Altersjahr hatte ich Wachstumsstörungen und Knieprobleme, so dass ich aussetzen musste», erklärt die Nummer 1 der Baselbieter diese schwierige Phase.

Fernziel: Kranz 2013 in Burgdorf

Raymond Stalder, der Technische Leiter des Baselbieter Schwingverbandes und ein steter Wegbegleiter von Gschwind, kann den selbstbewussten Schwinger wohl am besten charakterisieren und einstufen. «Michi ist sehr ehrgeizig und diszipliniert. Als er während seiner verletzungsbedingten Absenz sah, dass Kameraden, die er einst im Jugendalter bezwungen hatte, weiterhin triumphierten, hat es ihn wieder gepackt. Gschwind ist ein offensiv kämpfender Schwinger. Er sucht die Entscheidung, das Taktieren um gestellte Gänge ist nicht unbedingt seine Sache oder gar Stärke», so der Binninger. Als Mensch «ist Michael offen und ehrlich und zollt seinen Rivalen, egal ob es ein inferiorer Widersacher oder ein Eidgenosse ist, grössten Respekt», ergänzt Stalder.

Michael Gschwind hat sich schon mit den «Bösesten» des Landes wie dem «Berner Bär» Christian Stucki, den Gebrüdern Adi, Ivo und Philipp Laimbacher (Schwyz) oder dem Bündner Stefan Fausch gemessen. Auf die Frage, wo denn der Unterschied zwischen ihm und der absoluten Elite ist, meint der Hofstetter: «Sie sind erfahrener, technisch noch ausgereifter und vielseitiger und erfassen Kampfsituationen umgehend.»

Sein Ziel beim (kantonalen) Saisonhöhepunkt, dem Nordwestschweizerischen am Sonntag in Arlesheim, ist ein Kranzgewinn. «Wenn ich mein Potenzial abrufen kann, ist dies – unbeachtet der Einteilung der Gänge – realistisch und möglich», so Michael Gschwind, der als Fernziel den Gewinn eines Kranzes am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest im Jahre 2013 in Burgdorf angibt. Es muss ja nicht gerade der Königstitel sein. Aber den momentanen König Kilian Wenger am nächsten Sonntag ins Sägemehl zu betten – dagegen hätte das Flaggschiff der Baselbieter nichts einzuwenden.