Ihr junger Schützling aus dem Kun-Tai-Ko, Enrico Raggini, bewies gleich zweimal gute Nerven und beeindruckte mit seiner reifen Haltung und mentaler Stärke.

Während der letzten Monate trainierte Raggini täglich seine neue Kata (Kampf gegen einen imaginären Gegner, synchron zu Musik, ähnlicher einer Kür im Eiskunstlauf) mit dem «Bo» (Lang-Stock) und brannte darauf, sich damit nun endlich auch international zu messen. Nur wenige Augenblicke vor Wettkampfbeginn wurde dem 11-jährigen mitgeteilt, dass er gemäss dem neuen Deutschen Formenreglement 3 Jahre zu jung für die Übung mit der Waffe ist. Eine herbe Enttäuschung für den jungen Rheinfelder, ist Deutschland doch das einzige Land mit dieser schwer verständlichen Regel.

Die «Reisegesellschaft». Rund 1’000km Weg haben sich gelohnt.

Schweizer-Formen-Team

Die «Reisegesellschaft». Rund 1’000km Weg haben sich gelohnt.

Nun musste er alles auf eine Karte setzen, behielt Nerven, zeigte mit seiner Schweizermeisterschaftsform eine hervorragende Leistung und konnte sowohl Publikum als auch Schiedsrichter für sich begeistern. Weniger begeistert waren die Zeitnehmer und so wurden ihm - ebenfalls gemäss neuem Deutschen Reglement - 3 Punkte abgezogen, da seine 90-sekundige Kür 3 Sekunden zu kurz war. Somit wurde er trotz klarer Bestleistung schlussendlich «nur» Dritter in seiner Kategorie und musste sich mit der Bronzemedaille begnügen.

Der Zürcher Athlet Amine Yacoubi liess mit seinen kraftvollen Schlägen und dynamisch gesprungenen Akrobatik-Kicks seine Gegner klar liegen und wurde verdient Erster.

Die verantwortliche Trainerin für das Nationalteam zeigt sich sehr zufrieden mit den Leistungen beider Athleten. Die Internationale Standortbestimmung für die kommende Europameisterschaft ist geglückt, auch wenn durch das spezielle Regelwerk das eine oder andere Resultat getrübt wurde.

Ebenfalls starke Nerven bewiesen die beiden mitgereisten kleinen Söhne der Nationaltrainerin. Die erst 7- und 8-jährigen gaben ihr Wettkampf-Debut gleich an einer Internationalen Grossveranstaltung mit über 1›000 Startern.

Debut-Kämpfer: Keanu Asal (links) gewann Silber und Alaneo Asal (rechts) Bronze.

Debut-Kämpfer: Keanu Asal (links) gewann Silber und Alaneo Asal (rechts) Bronze.

Alaneo Asal (7 Jahre) eröffnete den Wettkampf-Tag, kämpfte beherzt gegen einen Belgier und behielt auch in brenzligen Situationen die Nerven. Auch sein 8-jähriger Bruder Keanu Asal kämpfte gegen den jungen Belgier, der trotz der «Newcomer-Kategorie -125cm» den beiden Asals an Erfahrung einfach überlegen war. So wurde Keanu Asal Silber- und Alaneo Asal Bronzemedaillen-Gewinner.

Raggini kämpfte ebenfalls im Semikontakt (-37kg), verpasste nach tollem Vorkampf den Einzug ins Halbfinale um den Bruchteil einer Sekunde und musste sich mit dem 5. Rang zufrieden geben.

In der nächst höheren Kategorie -42kg war Raggini seinem Gegner körperlich zu stark unterlegen und schied im Vorkampf chancenlos aus.