Vor Saisonbeginn hatten die Starwings ein 14-Mann-Kader. Man glaubte, endlich nicht nur eine kompatible Spitze, sondern auch in der Breite konkurrenzfähig zu sein. Anfangs März muss man konstatieren, dass die beste Deutschschweizer Equipe der letzten 15 Jahre „ein Haufen Elend“ ist. Vier Akteure – die Junioren Augusto Carrara und Aleksa Pavlovic sowie die Zuzüge Patrik Hauri (ehemaliger U20-Internationale) und Anthony Thélémarque fallen seit Monaten aus – und wurden alle operiert.

Rückkehrer Robert Devcic konnte Be­ruf (Liftmon­teur) mit Spitzensport nicht vereinbaren – auch er hat heuer keine einzige Na­tionalliga-A-Minute (wie Carrara und Thélémarque) bestritten. Teamcaptain Joël Fuchs (26), in seiner 9. Saison in Birsfelden, erlitt vor Weihnachten einen Bänderriss – und kürz­lich eine Kniever­letzung. Er quält sich durch die Spiele. Alessandro Verga (21), ein Eigen­gewächs, der alle U-Nationalmannschaften durchlaufen hat, fällt mit ei­ner Daumenverlet­zung aus.

Top-Zuzug Alexis Herrmann (vom BC Boncourt) ist seit an­fangs dieses Jahres zuerst grippekrank gewesen – und fällt nun mit einer Augenentzün­dung aus. Björn Schoo, mit 213 Zentimetern der längste Spieler der gesamten Nationalliga A, schlägt sich mit chronischen Rückenschmerzen herum. Der 35-jährige Deutsche spielt stark handicapiert und kann seine Grösse unter den Körben nicht wirkungsvoll einsetzen. 

Verletzungen schwächen das Team

Und das letzte Malheur ist die Daumenverletzung von Spielmacher und Topskorer Chris Jones (USA). Der universalste Basketballer der gesamten Nationalliga A fehlte zwar nur ein Spiel, muss aber nun sozusagen „einarmig“ agieren, so dass er nicht mehr jener Len­ker und Denker ist, der die Basket-Schweiz entzückte und ihm vom europäischen Fach­portal „eurobasket.com“ viermal den Titel „Player of the week“ eintrug.

Bis auf Octavius Brown – der US-Profi ist in seinen Leistungen zu unbeständig, wobei vergessen geht, dass er ein Rookie ist – und Landsmann Darell Vinson, die einigermassen fit sind, sind alle Akteure out oder stark eingeschränkt. Von den Schweizer Spielern ist momentan nur der Aargauer Philippe Sager einigermassen verletzungsfrei. 

„Seit Monaten kann ich nie mit zehn Mann trainieren. Wir sind eine Handvoll Spieler. Ich muss dosieren, weil ich sonst am Spieltag nicht mal fünf einsatzfähige Akteure hätte“, er­klärt Cheftrainer Roland Pavloski. Darum will er die 20-Punkte-Niederlage beim abge­schlagenen Schlusslicht Winterthur und die letzte 30-Punkte-Abfuhr zuhause gegen den Tabellenvorletzten SAM Massagno nicht als Krise taxiert haben. „Wir sind nicht in einer Krise, aber wir durchleben eine ganz schwierige Phase“, so der Birsfelder. 

Und zurecht weist Pavloski darauf hin, dass „wir, als wir einigermassen in Vollbestand spielen konnten, zweimal gegen Lausanne, Boncourt, Central Luzern sowie in Massagno und zuhause gegen Winterthur gewonnen haben. Dazu noch gegen das grosse Lugano, das heuer um den Titel spielen wird“, so der Trainer. 

Nicht reaktionsfähig

Zu erwähnen ist noch, dass die Unterbaselbieter der einzige Klub sind, der auf Verletzun­gen und/oder ungenügenden Leistungen der Profispieler nicht reagieren kann. „Alle ander­en zehn Teams haben ihre Profis munter ausgewechselt, neue Schweizer verpflichtet und sich verstärkt“, so Pavloski. Hatten vor Saisonbeginn die beiden Deutschschweizer Rival­en Luzern und Winterthur ein kleineres Budget (zumindest auf dem Papier), so hat der Ak­tivismus (hier ist Winterthur ligaführend) dazu geführt, dass die Starwings am wenigsten Mittel aufwenden.

„Und dennoch sind wir Sechster und können uns bereits am Wochenen­de definitiv für die Playoffs qualifizieren. Boncourt oder Massagno wenden das Dop­pelte auf – und liegen hinter uns“, so Pavloski. Damit Platz 6 „zementiert“ wird, müss­ten die Starwings am Sonntagnachmittag gegen Les Lions de Genève siegen. Selbst in  Vollbe­setzung wäre dies ein Husarenstück. Als Lazarett ist es de facto unmög­lich. Die andere Option ist, dass Luzern (nach drei unerwarteten Erfolgen in Serie) in Monthey verliert. Da­mit hätte das Nervenflattern ein Ende und das Saisonziel wäre bereits im März übertroffen worden.