Franziska Rickenbacher aus Zunzgen ist mit 25 Jahren eine ehrgeizige Sportlerin mit klaren Zielen. Das war sie auch vor ihrer Zeit als Schwingerin, also vor 2018. So bei der Berufswahl, wo sie sich für den Beruf Zimmermann entschied. Sie sagt wohl bewusst nicht Zimmerin.

«Ich habe Zimmermann bei Hasler Holzbau in Gelterkinden gelernt», stellt sie klar, um zu ergänzen, dass sie im Anschluss an die Lehre noch gut ein Jahr auf dem Beruf gearbeitet habe. «Heute bin ich als Lastwagenfahrerin mit Schiffscontainern unterwegs, täglich von frühmorgens bis am späten Nachmittag.»

Dass Rickenbacher im Beruf, wo sie täglich ab 5 Uhr in der Früh im Einsatz ist, weiss, was sie will, ist auch im Schwingsport der Fall. «Diesem Steckenpferd ordne ich zurzeit alles unter,» stellt die Oberbaselbieterin klar, die mit einer Grösse von 1.80 Meter und idealem Gewicht «eine gute Figur» im Sägemehl macht.

Stammverein im Kanton Luzern

Und dieses sieht sie im Regelfall täglich, abends nach der Arbeit. Die Athletin vom Frauenschwingclub Steinhuserberg und Umgebung im Kanton Luzern trainiert am Montag bei ihrem Stammverein. Von Dienstag bis Freitag kann sie auf die Schwingkeller im Baselbiet zurückgreifen. So am Dienstag, wo sie in der Bärenmatte in Hölstein, im Trainingslokal des Bezirks-Schwingklubs Waldenburg, ihr Können verbessern kann.

«Die dortigen Einheiten sind für mich sehr positiv. Sie haben meinem Ehrgeiz noch mehr geweckt, » kommentiert die Sennenschwingerin. Ihr Coach und Trainer, Clemens Krebs aus Oberdorf, sagt, dass Rickenbacher vor allem ihre Technik verbessern kann, wenn sie mit Männern trainiert. Überhaupt, die Zunzgerin hat keine Berührungsängste, wenn sie mit Männern zusammengreift.

«Das macht mir echt Spass, zumal ich nur profitieren kann.» Die restlichen Tage der Woche ist Rickenbacher, die als zweifache Kranzerin eine vielversprechende Zukunft vor sich hat, in Liestal (SK Liestal), in Nunningen (SK Dorneck-Thierstein und Laufental) und in Arlesheim anzutreffen. Dort, im Unterbaselbiet, bestreitet sie ihre Einheiten, unter anderem im Rahmen der Kantonaltrainings der Männer.

Vielversprechende Zukunft

Dass die einzige Schwingerin im Kanton Basel-Landschaft dereinst den Durchbruch, auch national, schaffen wird, ist sehr wahrscheinlich. Ihre zwei Kränze von 2018 und 2019 sowie ihr Sieg am Regionalschwinget diesen Frühling in Brugg lassen dies erahnen. Wie erwähnt, überlässt sie, die 2015 die Rekrutenschule als Trainsoldat absolviert hat, nichts dem Zufall.

Auch in Bezug der Ernährung. «Ich bin in dieser Beziehung sehr diszipliniert. Alkohol ist für mich kein Thema. Im Vordergrund stehen bei mir auf dem Speiseplan unter anderem Teigwaren und Eier. Als Getränk bevorzuge ich Wasser.»

Kranzfestsieg als Ziel

Rickenbacher ist sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, ihre Endziele im Schwingsport zu nennen. «Ein Kranzfestsieg wäre schon sehr schön,» sagt sie. Schwingen übt sie nicht der Preise wegen aus. «Bei uns Frauen sind die Gaben im Vergleich zu den Männern sehr bescheiden. Ich habe noch nicht die grossen Gaben zu Hause, aber immerhin schon zwei Geissen. Diese sind auf dem Hof von Krebs in Oberdorf, wo ich sie regelmässig besuche.»

Den Weg von Zunzgen ins Waldenburgertal macht sie dann nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad, «um eine weitere Trainingseinheit zu haben.» So ist sie gut gerüstet auf die zweite Saisonhälfte mit dem Eidgenössischen vom 29. September in Menznau/LU als Höhepunkt.

Vorgängig stehen drei Kranzfeste am Programm: Am 3. August in Ricken/SG, am 10. August in Boveresse/NE und am 17. August in Uezwil/AG. Und wenns dort zur Siegerehrung gehen wird, tritt Franziska Rickenbacher standesgemäss auf, in der Baselbieter Festtagstracht, die sie in Oltingen gekauft hat. «Das gehört sich so, finde ich, stellt sie klar.» Man dürfe, ja man müsse sehen, woher ich komme, wenn ich vor die Ehrenmänner trete.