Wenn man am Strand von Marbella die Füsse in den Sand gräbt, die Augen zusammenkneift und in die Weite späht, erahnt man am Horizont einen Landstrich. Der Norden Afrikas. Nur knapp 80 Kilometer trennt Europa an dieser Stelle vom schwarzen Kontinent. Die Strasse von Gibraltar liegt ganz in der Nähe, sie ist einer der bevorzugten Wege, um Haschisch aus Marokko nach Spanien zu schmuggeln.

Mit Schnellbooten überqueren die Schmuggler die Meerenge. So regelmässig die Guardia Civil mit ihren Booten auch die Gegend abfährt, hier werden in rauen Mengen Drogen auf den Kontinent geschifft. Die Polizei schätzt, dass so jährlich 1500 Tonnen auf europäisches Festland gelangen, 75 Prozent des in Europa konsumierten Haschischs.

Davon kriegt die gehobene Klientel, die üblicherweise in Marbella und Umgebung residiert, freilich wenig mit. Sie kommt in der Regel auch nicht der Drogen wegen, sondern, um die wärmenden Sonnenstrahlen zu geniessen. Während 320 Tagen im Jahr scheint hier an der Costa del Sol die Sonne. Auch jetzt im Winter ist der Himmel wolkenfrei, der Strand präsentiert sich dieser Tage fast menschenleer, derweil die Berge hinter dem einst von den Phöniziern als Handelsplatz gegründeten Ort die Wanderer anziehen.

Über 50 Klubs allein im Januar

Aus dem Fischerdorf ist längst eine mittelgrosse Stadt von rund 140 000 Bewohnern geworden. Zudem hat sich Marbella im Verlauf der letzten Jahre einen exzellenten Ruf als Winterlager für Fussballklubs erarbeitet.

Quelle: FC Basel

Die erste FCB-Trainingseinheit in Marbella

Über 50 Mannschaften pilgern alleine im Januar ins Marbella Football Center. Sie entfliehen Schnee, Eis oder schlicht dem Alltag in ihren Heimatländern. Aus 14 Ländern – von B wie Bulgarien bis U wie Ukraine – fliegen sie heran. Top-Klubs wie Borussia Dortmund, Inter Mailand, Schachtar Donezk oder Rubin Kasan stimmen sich hier auf die Schlussphase der Meisterschaft ein.

Das kommt nicht von ungefähr. Die Spanier haben in den letzten Jahren viel in die Infrastruktur ihres Fussballzentrums investiert. Auf vier grossen (105×60 Meter) und vier kleinen Plätzen (60×40 Meter) rennen die Profis hier dem Ball hinterher – Zaun an Zaun. 56 000 Quadratmeter perfekt geschnittener Naturrasen, ein Drainage-System der Premium-Sorte sowie dazugehörige Kabinen, ein Fitnesscenter, Sauna, Whirlpool und Dampfbad runden das Angebot ab.

Das ist mit ein Grund dafür, dass der FCB 2017 zum achten Mal in Serie nach Marbella reist, um sich auf die zweite Hälfte der Saison vorzubereiten. Sportdirektor Georg Heitz sagt: «Die Trainingsplätze hier sind in einem hervorragenden Zustand, bis jetzt haben wir gute und stabile Wetterbedingungen, es gibt hier gute Testgegner und die Destination ist einfach zu erreichen – was insbesondere bei Transfers oder verletzten Spielern von Vorteil ist.»

Der kalte Start der FCB-Winter-Vorbereitung ...

Der kalte Start der FCB-Winter-Vorbereitung ...

Wie viel sich der FCB die luxuriösen Trainingsbedingungen kosten lässt, will Heitz nicht verraten. Allerdings wird kolportiert, dass GC und Luzern, die ein Basis-Paket gebucht haben, rund 100 000 Franken hinblättern. Beim FCB dürfte es noch ein bisschen mehr sein. Heitz: «Dem FCB ist es etwas wert, dass die Spieler und der Trainer im Training top Bedingungen haben.»

Dazu gehört auch, dass auf Wunsch Freundschaftsspiele organisiert werden. Rund 160 solcher Spiele werden im Marbella Football Center jährlich ausgetragen. Pauschalurlaub für Fussballklubs. Damit die Spieler bei der Heimkehr für Rauschzustände bei den Fans sorgen. Ganz legal.