«Ja, Weihnachten in der Schweiz ist auch ganz nett», sagt Anders Holmberg höflich, «aber für einen Schweden gehört nun einmal das traditionelle Essen zu einem richtigen Fest: Schinken, Lachs, Hering und Fleischbällchen.» Bei der Aufzählung all der skandinavischen Köstlichkeiten beginnen die Augen des 26-Jährigen richtig zu leuchten.

Seit drei Jahren ist Holmberg nicht mehr in den Genuss eines schwedischen Weihnachtsfests gekommen, denn seit 2008 ist der Orientierungsläufer in der Schweiz. Dass es ihn nach Mitteleuropa verschlagen hat, ist Zufall. Ursprünglich wollte Holmberg nämlich in Australien seine Masterarbeit machen.

«Vor allem, weil ich dort im Winter gute Trainingsbedingungen gehabt hätte», erklärt Holmberg. Doch jene Firma, bei der er sich beworben hatte, verwies ihn an ihre Schweizer Niederlassung in Solothurn – zu Holmbergs Glück. Denn in seiner ersten Zeit in der Schweiz verliebte er sich in die Hölsteinerin Anina Hirzel. Deshalb musste er nach Abschluss seines Studiums – er war inzwischen nach Stockholm zurückgekehrt – nicht lange überlegen, als ihm dieselbe Firma eine feste Anstellung anbot. «Irgendwie hat alles zusammengepasst», erzählt Holmberg.

Sissach als ideale OL-Basis

Heute arbeitet der Wirtschaftsingenieur zwar in Kaiseraugst statt in Solothurn, seinem Wohnort Sissach ist er aber treu geblieben. Im Oberbaselbiet ist Holmberg sehr glücklich. «In jede Richtung finde ich Wald und Hügel – das sind optimale Trainingsbedingungen», so der Orientierungsläufer. In der OLV Baselland hat der Schwede zudem eine starke Trainingsgruppe um Europameister Fabian Hertner. Die braucht Holmberg auch, will er seine Ziele verwirklichen: «Ich träume von einer WM-Medaille.»

Diese hat der Stockholmer bisher erst auf Juniorenstufe erreicht. Doch dieses Jahr hat Holmberg den Anschluss an die Weltspitze wieder gefunden. Nach einem verletzungsreichen 2009 qualifizierte er sich für die EM in Bulgarien, wo es ihm allerdings nicht ganz nach Wunsch lief. Ein undankbarer vierter Platz mit der Mannschaft war das beste Resultat. Trotzdem geht Holmbergs Karriere weiter bergauf, denn 2011 gehört er wieder fix zum schwedischen Nationalkader. «Das gibt mir zusätzliche Motivation fürs Training», sagt der 26-Jährige. Der Fokus für das nächste Jahr liegt auf der WM im August in Frankreich. «Dafür möchte ich mich qualifizieren», so Holmberg.

Doch zunächst darf der viel beschäftigte Schwede seine Beine hochlagern. Die Weihnachtstage verbringt er mit seiner Freundin bei seiner Familie in Stockholm. Und kommt endlich wieder in Genuss des geliebten schwedischen Essens.