Das Labor im Parterre des Instituts für Organische Chemie der Universität Basel sieht genauso aus, wie man sich als Laie einen solchen Raum vorstellt: Die beiden Labortische, die in der Mitte des Raumes platziert wurden, sind überstellt mit Reagenzgläsern in verschiedenen Grössen und Formen. Einige sind gefüllt, andere leer. Zwischen den Tischen befindet sich ein schmales Regal, das mit verschiedenen Chemikalien, Behältern und Werkzeugen gefüllt ist. Links neben der Eingangstür stehen in einem Laborabzug, auf dessen Glastür mit einem schwarzen Stift chemische Formeln notiert wurden, mehrere Apparaturen, die für die Synthese neuer Moleküle eingesetzt werden.

Dies ist der Arbeitsplatz von Manuel Hellstern. Der 29-Jährige Füllinsdorfer, der seit einigen Jahren im Kleinbasel lebt, forscht für seine Doktorarbeit in diesem Labor. Er versucht, ein Molekül zu erschaffen. Eines, das vor ihm noch kein anderer Forscher kreiert hat und das für neuartige OLED-Leuchten eingesetzt werden kann. Dafür experimentiert er täglich im Labor, feilt an Details und passt die Parameter der Reaktionen an, die nötig sind, um das Molekül herzustellen. «Es reizt mich, dass ich hier mein eigenes Projekt habe und an etwas forschen kann, das zuvor noch niemand gemacht hat», sagt der gelernte Chemielaborant, der nach seiner Lehre via Fachhochschule an die Universität wechselte und seit mittlerweile fast drei Jahren am Doktorieren ist. Den Doktortitel sollte er in gut einem Jahr in der Tasche haben.

Zwei Welten

Manuel Hellstern, der angehende Doktor in organischer Chemie. Das ist die eine Seite des gebürtigen Baselbieters. Manuel Hellstern, der knallharte Verteidiger im American-Football-Team der Gladiators beider Basel. Das ist die andere Seite des 29-Jährigen. Zwei Seiten, die auf den ersten Blick nicht richtig zusammen passen wollen. Einerseits die Arbeit im Labor, die viel Geschick, Geduld und viel Denkleistung beansprucht, und andererseits sein Job als Verteidiger auf dem Football-Feld, wo viel Durchsetzungsvermögen, Kraft und Schnelligkeit gefordert sind.

Der Meistertitel soll her

«Beim Footballspielen kann ich mich sehr gut abreagieren nach der Arbeit im Labor», sagt Hellstern. «Aber viele unterschätzen auch, wie viel Denkarbeit im Footballsport steckt. Ich kenne keine andere Sportart, bei der man ein 20-seitiges Manual auswendig lernen muss, um spielen zu können.» Verteidigungsschemen, verschiedene Arten der Deckung, Spielzüge und Aufgabenverteilungen muss Hellstern im Kopf haben und diese je nach Spielsituation innert Sekunden abrufen können. Dafür sind seine intellektuellen Fähigkeiten sicherlich kein Nachteil.

Gemeinsam mit seinen Teamkollegen strebt Manuel Hellstern, der im Alter von 17 Jahren wegen seines älteren Bruders zum Footballsport und den Gladiators beider Basel gefunden hat, in dieser Saison den Gewinn der Schweizer Meisterschaft an. «Das muss unser Ziel sein, schliesslich standen wir in den letzten sechs Jahren fünf Mal im Final und haben vor zwei Jahren den Titel gewonnen», so Hellstern, der Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft ist und im September an der EM-Qualifikation teilnehmen wird.

Davor gilt es aber, sich mit den Gladiators beider Basel eine möglichst gute Ausgangslage für die Playoffs zu erarbeiten. «Rang 1 oder 2 sollte es schon sein. Dann haben wir einen etwas schwächeren Gegner im Halbfinal und zusätzlich auch noch Heimrecht», sagt Hellstern. Einen ersten Schritt in diese Richtung wollen die Gladiators am Sonntag machen: Zum Saisonauftakt im Heimspiel (14 Uhr, Pratteln) gegen die Winterthur Warriors.