Eigentlich passen Yves Haussener und Florian Breer überhaupt nicht zusammen. Der eine misste 180 Zentimeter (Haussener), der andere gerade mal zwei mehr. «Das ist gar nicht gut», sagt Haussener, angesprochen darauf, dass die beiden fast identisch gross sind. «Wenigstens einer von uns müsste grösser sein. Zwei Meter wären perfekt.»

Wieso das so wichtig ist? Die beiden sind Beachvolleyballer. Noch keine Profis zwar, aber immerhin das stärkste nationale Nachwuchsduo. Sie sind mehrfache Junioren-Schweizermeister, holten an U18- und U20-EM Bronze, an der U19-WM Silber und vor drei Jahren an der U17-WM gar Gold. Aktuell versuchen sie, bei den Profis auf der World Tour Fuss zu fassen.

Keine schlechte Bilanz für ein Duo, das auf dem Papier nicht kompatibel ist. Im Gespräch wird aber schnell deutlich, wieso sich Haussener und Breer doch so gut ergänzen. Die beiden sind nicht nur im Sand ein Team, sondern auch ausserhalb. Nur sechs Monate Altersunterschied liegt zwischen ihnen. Haussener, der Ältere, feierte im Juni seinen 19. Geburtstag, bei Breer ist es im Dezember so weit.

Seit die beiden acht Jahre alt sind, bilden sie ein Team – und sind vor allem auch seither befreundet. «Im Beachvolleyball gibt es im Leistungsbereich oft Zweckgemeinschaften. Man sucht sich jenen Partner, der am besten passt. So eine Freundschaft wie wir sie haben, ist schon extrem selten», sagt Haussener.

Die Eltern als Inspiration

Das zeigt sich nicht nur darin, dass sie einen ziemlich deckungsgleichen Freundeskreis haben, sondern auch an der Art und Weise, wie sie kommunizieren. Ihre Wortwahl ist ähnlich, manchmal schon fast identisch. Sie sind sich im Gespräch immer einig. Ergänzen die Antworten des jeweils anderen. Als Haussener erzählt, dass er mit 12 Jahren zugunsten des Beachvolleyballs aufgehört hat, Fussball zu spielen, korrigiert Breer ihn. «Das war früher, mit 11 etwa.» Man kennt sich. «Seit eh und je», wie Breer sagt.

Angefangen hat alles, als sich die beiden beim Training des SC Gym Leonhard, den Hausseners Vaters gegründet hat, kennen lernten. Für Breer sind es die ersten Gehversuche in dieser Sportart, Haussener spielt «von dem Moment an, in dem es eben geht. So mit vier, fünf habe ich angefangen.»

Dass er so früh in Berührung mit dem Sport kommt, dem er fortan alles unterordnet, liegt an seinem familiären Hintergrund. Volleyball dominiert im Hause Haussener. Sein Vater war Schweizer Nationalspieler, auch die Mutter übte den Sport aus, genauso wie die Schwestern. «Eigentlich habe ich gar nichts anderes machen können, als auch anzufangen», sagt Haussener und lacht.

Volleyball im Blut

Auch Breers Eltern spielten beide Volleyball, aber nicht so leistungsorientiert wie jene seines Partners. Dennoch wäre er ohne sie kaum auf die Idee gekommen, diesen Sport auszuprobieren. «Wir haben am Strand jeweils gespielt und dann bat ich meinen Vater, mich in einem Verein anzumelden», erzählt Breer.

Dort traf er auf Haussener. Gemeinsam mit ihm und ein paar anderen hatten sie schnell eine «coole Gruppe» zusammen. Alle waren sie etwa gleich gross – oder besser klein – und wiesen dasselbe Niveau auf. Diese Komponenten seien mitentscheidend gewesen, als die beiden zwischen Fussball (Haussener) beziehungsweise Handball (Breer) und Volleyball auswählen mussten.

Beiden war klar: Es geht nur eine Sportart, will man diese intensiv und zielstrebig betreiben. Beiden war klar: Das wird das Volleyball sein. Weil beide merkten: Das mache ich schon länger, da bin ich besser, da kann ich vielleicht mal etwas reissen.

Spielart musste angepasst werden

Beide waren sich aber auch bewusst: Nur, weil man in ganz jungen Jahren zu den Talentiertesten gehört, heisst es nicht, dass man in dieser Karriere den Durchbruch schafft. «Weil man am Anfang eben nie weiss, wie gross man noch werden wird», sagt Breer.

Die Grösse, sie ist etwas, die das Duo Breer/Haussener fortwährend beschäftigt. Immer sind sie die Kleinen. So klein, dass sie ihre Spielart daran anpassen müssen. Breer: «Der Beachvolleyball-Sport entwickelt sich immer mehr hin zu noch höheren Sprüngen und noch härter geschlagenen Bällen.»

Punkte, in denen sie nicht mithalten können, weil es auf Spieler einer Grösse von zwei Metern ausgelegt ist. «Wir versuchen, das mit Spielübersicht und Spielwitz wett zu machen», sagt Haussener und wird von Breer ergänzt: «Wir spielen dann eher mal einen schnellen Ball nach aussen, damit der gegnerische Block nicht nachkommt.»

Eine Partnerschaft auf Zeit

Ihre ungewöhnliche Spielweise hat Erfolg. Diesem ist es auch zu verdanken, dass sie finanzielle Unterstützung von Kanton und Verband erhalten. Ohne diese wäre es kaum möglich. Haussener ist zwar seit einem Jahr Profi, leben kann er davon aber nicht. Das sei ohnehin nur möglich, wenn man wirklich zur Weltelite gehöre, erklärt Breer, der noch ein Jahr braucht, bis er sich ganz dem Sport widmen kann. Zuerst muss die Matura geschafft werden.

Die beiden Basler leben noch zu Hause, betonen, dass es ohne den zusätzlichen familiären Rückhalt nicht denkbar wäre. «Es ist nur ein ganz kleiner Teil, der am Ende der Saison von den Sponsoren- und Preisgeldern übrig bleibt. Der Grossteil wird in die Reisen an die Turniere investiert.» Eine ihrer grössten Stützen ist dabei ihr Trainer, Erwin Sebestyen, Hausseners Onkel. Er kümmert sich ehrenamtlich um sie.

Wäre dem nicht so, sie könnten sich keinen Trainer leisten. Dazu bräuchte man Sponsoren. Für diese braucht man Erfolg. Um diesen zu erreichen wiederum hilft Geld. Ein schier endloser Kreis. Und doch: Haussener und Breer machen immer wieder auf sich aufmerksam und sich zunehmend einen Namen. Die sechste Saison spielen sie schon zusammen. Vielleicht ihre letzte. «Schon vor dem Start dieser Saison haben wir die Überlegung gehabt, uns zu trennen und uns jeweils einen Blocker zu suchen», sagt Breer.

Heimspiel auf dem Barfi

Einen also, der ebendiese wichtigen 200 Zentimeter misst. In der Schweiz gäbe es aber zur Zeit ein Blocker-Problem. «Und uns zu trennen, um nicht besser zu sein, bringt nichts.» Ewig werden sie die Partnerschaft aber nicht mehr fortführen. «Das wäre schwierig, klein und klein, das gab’s auf Profi-Level noch nie. Das wäre mal etwas Neues.»

Da die perfekte Zukunftslösung noch nicht gefunden wurde, fokussieren sie sich nun auf die laufende Saison. Die Schweizermeisterschaften stehen an. Dann die U20-EM ihres Jahrgangs, «bei dem wir ganz vorne mitspielen wollen», deklariert Breer das Ziel.

Doch zu allererst gastiert ab diesem Samstag die Coop Beachtour auf dem Barfi. Ein Heimspiel. «Dass wir vor heimischem Publikum über uns hinaus wachsen, haben wir vor zwei Jahren gezeigt.» Damals erreichten sie den Halbfinal. Und das wollen sie auch dieses Mal wieder. Ein ambitioniertes Ziel für ein Duo, dass eigentlich nicht zusammen passt. Aber auch ein realistisches.