Er war enttäuscht, als er erfuhr, dass Präsident Bernhard Heusler und Sportchef Georg Heitz zurücktreten. Sehr sogar. Und das nur wenige Tage, nachdem er, Matías Delgado, seinen Vertrag mit dem FC Basel im Alter von 34 Jahren um ein weiteres Jahr verlängert hatte. Im Unwissen der bevorstehenden Veränderungen. «Ihr Rücktritt macht mich sehr traurig. Langsam verlassen alle, die mich damals überzeugt und zurückgeholt haben, den Klub. Sie lassen mich alleine», sagte er damals der «bz».

Fünf Monate später der Bruch. Es ist gerade das erste Spiel der Saison gespielt, der FCB verliert zum Saisonauftakt auswärts gegen YB mit 0:2 – und Delgado erklärt wenige Tage später, dass er genug vom Fussball habe. Völlig überraschend, wie Remo Gaugler, Kaderplaner der Basler, auch heute noch betont: «Wir hatten nicht das geringste Anzeichen für so etwas.»

Er war fest eingeplant

Dabei hatte FCB-Trainer Raphael Wicky eine sehr zentrale Rolle für den Argentinier vorgesehen. Das zeigte sich bei dem einen Spiel, das er machte. Basels Nummer 10 liess sich immer wieder hinter die zwei defensiven Mittelfeldspieler zurückfallen. Wickys Idee: Delgado soll so das Spiel aus der Defensive ankurbeln.

Mit seinem Auge, seinen Pässen in die Tiefe, seiner Technik, den FCB noch schneller, noch unberechenbarer machen. Der FCB hat in der Vorbereitung Zeit darauf verwendet, sein Spiel unter anderem auf ihn auszurichten. Und dann ist er plötzlich weg. Wie sehr schadete Delgado dem FCB? «Er hat uns nicht geschadet, das haben die Resultate, die wir danach erspielten, ja gezeigt», sagt Gaugler.

Delgados Qualitäten fehlen

Basel gewann die Spiele nach Delgados Rücktritt, fiel darauf kurz in ein Herbstloch, brillierte dann in der Königsklasse und kämpfte sich in der Folge mit jedem Spiel näher an die Berner heran. Denn die hatten die Basler Baisse genutzt, um sich vorne abzusetzen. Die vielen Wechsel im Winter, eine neuerliche Krise später und plötzlich fragt man sich, ob Delgado nicht doch fehlt. Gaugler sagt: «Wir treffen oft auf Gegner, die sich hinten reinstellen. Umso wichtiger sind Bälle in die Schnittstellen, öffnende Pässe.

Diese Qualität hat Matí und die fehlt uns derzeit sicherlich. Genau diese Qualität hat aber auch ein Samuele Campo.» Gaugler hadert nicht mit dem Schicksal. Delgado wollte nicht mehr, da hätte er auch auf dem Platz nichts gebracht. Böses Blut aber gab es nie. Nur wenige Tage nach dem Rücktritt kam die Mitteilung, dass Matías Delgado künftig im Trainerstab des FC Basel mittue und Botschafter des Klubs werde.

Die geplante Zukunft in Spanien

Sportchef Marco Streller handelte damals einen neuen Vertrag mit ihm aus. Zu welchen Konditionen ist unbekannt. Mit Sicherheit verdient Delgado weniger, als er für seine Dienste als Spieler kassierte. In welcher Funktion er genau im Trainerstab tätig ist, erschliesst sich von aussen nicht wirklich. Delgado spielt mal im Team mit, wie zuletzt während der Länderspielpause, um dann wieder zu fehlen, ohne dass genau klar wäre, wo er ist. «Matí gehört dem Staff an. Ich arbeite sehr gerne mit ihm zusammen und bin auch offen, das über diese Saison hinweg zu tun», sagt Wicky, angesprochen auf den Argentinier.

Doch wie geht es weiter mit Delgado? Sicher ist, dass er einer der Jubiläumsbotschafter des Klubs ist. Nächste Saison feiert der FCB sein 125-jähriges Bestehen. Darüber hinaus ist vieles unklar. Ausser, dass Sportchef Streller nach Ostern das Gespräch mit ihm suchen wird. Es wird darum gehen, was Delgado will. Trainerdiplome machen oder im Management einsteigen? Hier bleiben oder gehen? «Es ist wichtig, dass sie miteinander reden und dass Matí ausdrückt, was er in Zukunft für sich und seine Familie will», sagt Wicky.

Die «Schweiz am Wochenende» weiss, dass Delgado vorhat, das Land zu verlassen – in Richtung Spanien. Wohin genau, ist noch unklar. Zuoberst auf der Liste steht Barcelona, wo seine Freunde Christian Gimenéz und Schwager Julio Hernán Rossi sowie seine Schwester Soledad leben. Delgado will sich dazu nicht öffentlich äussern. Seit seinem Rücktritt bevorzugt er es, das Rampenlicht seinen Ex-Kollegen zu überlassen.