Von seiner Aggressivität hat Geoffroy Serey Die nichts eingebüsst. Als die Elfenbeinküste gestern beim ersten Auftritt am Afrika-Cup den Faden zu verlieren droht, rüttelt Serey Die seine Teamkollegen mit einer kernigen Grätsche gegen Guineas Kevin Constant wach. 

Mit Erfolg: Der bis dahin enttäuschende Turnierfavorit trifft zehn Minuten später durch den früheren YB-Stürmer Seydou Doumbia zum 1:1 und ist in der Folge klar spielbestimmend. Der Siegtreffer gegen den krassen Aussenseiter gelingt zwar nicht mehr, trotzdem dürfte Serey Die das Stadion mit positiven Gefühlen verlassen haben.

Endlich wird er wieder gebraucht! Ein Gefühl, das er im Herbst in Diensten des FC Basel nur vereinzelt erlebte und das er in Zukunft nie mehr erleben wird. Schon bis dahin war es für Serey Die eine sportlich wenig berauschende Vorrunde, als sie am 23. November im totalen Fiasko endet.

Unterschriftensammlung für den Ivorer

Rund um das Heimspiel gegen den FC Aarau geraten der Ivorer und Trainer Paulo Sousa aneinander, wobei die Gründe dafür weiterhin nebulös sind. In der Folge darf Serey Die auf Befehl Sousas nicht mehr mit der Mannschaft trainieren, sogar die Mitreise ans entscheidende Champions-League-Spiel nach Liverpool wird ihm untersagt.

Schnell sickert durch, dass sich nach zwei Jahren die Wege von Serey Die und dem FCB trennen. Was wiederum den Unmut bei einem Teil des Publikums weckt: Im Dezember gibt es vor dem St. Jakob-Park eine Unterschriftensammlung, mit der die Initianten ihre Solidarität mit Serey Die zum Ausdruck bringen und die Basler Klubführung zum Verbleib ihres Lieblings überreden wollen.

An der Situation hat sich dadurch nichts verändert. Es würde schon an ein Wunder grenzen, sollte Serey Die noch einmal in einem Pflichtspiel das rot-blaue Trikot tragen. Vielmehr mahlen im Hintergrund die Mühlen für einen möglichst schnellen Klubwechsel, um die unschöne Angelegenheit ein für alle Mal zu beenden.

Zu alt? Zu teuer? Zu spät?

Doch so einfach, wie es scheint, einen Spieler seiner Klasse irgendwo unterzubringen, ist es nicht. Zuerst einmal ist da das fortgeschrittene Alter: In einer Zeit, in der auf dem Transfermarkt das Motto «Jugend statt Routine» grossgeschrieben wird, wirken die 30 Lenze von Serey Die fast schon abschreckend.

Kommt dazu, dass der zweifache Familienvater beim FC Basel ein stattliches Gehalt bezieht. Und nicht zuletzt ist der Zeitpunkt der Klubsuche ungünstig: Im Winter möchten Trainer ihre Mannschaft – wenn überhaupt – meist nur in der Breite ergänzt haben.

Das Gerüst, insbesondere das zentrale Mittelfeld, wo Serey Die zu Hause ist, steht, und an ihm soll bis Saisonende nicht gerüttelt werden. Je länger Serey Die keinen neuen Arbeitgeber findet, umso mehr akzentuiert sich letztgenanntes Problem.

Früheste Rückkehr Ende Januar

Nur logisch, dass beide Parteien – der FCB und Serey Die – ihre ganze Hoffnung auf den Afrika-Cup setzen. Daumen drücken für den Suspendierten. Denn gehört Serey Die am Turnier in Äquatorial-Guinea weiterhin zur Stammformation der Elfenbeinküste und mag er wie gestern zu überzeugen, könnte sich bis Ende Januar doch noch ein passender Verein zu einem Transfer entschliessen.

Wenn nicht, taucht Serey Die frühestens am 29. Januar, spätestens am 10. Februar wieder in Basel auf. Trainieren würde er wohl wieder abseits seiner Teamkollegen – statt ein Abschied des Publikumslieblings aus der Hintertür droht dann ein Drama.