Fussball
Seydou Doumbia dreht im Trainingslager Runden anstatt am Afrika-Cup Tore zu schiessen

FCB-Star Doumbia ist nicht mehr, was er einst bei YB war. Bei der AS Roma und ZSKA Moskau geriet seine Karriere ins Stocken. Wo aber steht er und wie geht es weiter mit ihm?

Sébastian Lavoyer
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Seydou Doumbia will sich einen Stammplatz in Basel erarbeiten.

Seydou Doumbia will sich einen Stammplatz in Basel erarbeiten.

KEYSTONE

Während Trainer Urs Fischer seine Spieler im Trainingslager anheizt, joggt Seydou Doumbia mit vier Kollegen um den Platz. Sie sind nicht Teil der zwei Teams, die gestern zum Schluss des Trainings gegeneinander antreten. «Es geht nicht darum, dass wir ihnen eins auswischen wollten. Die Daten zeigten einfach, dass sie ziemlich am Limit sind», sagt Fischer.

Es geht um einen optimalen Aufbau, um Verletzungsprävention. Spezifisch auf Doumbia angesprochen, sagt Fischer: «Er arbeitet hart. Aber natürlich muss er jetzt ein bisschen beissen.» Seydou Doumbia schmunzelt, sagt: «Wenn man aus den Ferien zurückkommt, ist es immer schwierig.»

Über die Stränge geschlagen hat er in den drei Wochen Urlaub nicht. Das zeigen die Daten, die Leistungsdiagnostiker Michael Müller über Satellit und Pulsmesser erhält. Müller sagt: «So etwas gibt es im Profi-Fussball eigentlich nicht mehr.» Zu streng werden die Fussballer kontrolliert, zu genau wissen sie, was Ferien-Exzesse sie kosten können.

Auch Doumbia. Was also könnte der Grund dafür sein? «Bevor er zu uns kam, hat er ein halbes Jahr nicht gespielt. Das macht man nicht einfach so wett, es braucht unheimlich viel Zeit», sagt Trainer Urs Fischer.

Das Trainingslager des FC Basel in Marbella (Spanien):

Mauro Vivarelli ist beim FC Basel für Videoaufnahmen zuständig, die zur Taktikschulung dienen.
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Macht Michael Lang den Abflug auf die Insel?
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Cedric Itten wechselt per sofort von Basel zum FC St. Gallen
Dominik Schmid wechselt zu Lausanne, um Spielpraxis zu erlangen.
Der FCB weilt im spanischen Marbella im Trainingslager.
Stürmer Valentin Stocker wird 2014 vor dem Wechsel zu Hertha verabschiedet - jetzt kommt er zurück.
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Beim Trainingsauftakt im Leichtathletikstadion sind die Neuzugänge Fabian Frei und Samuele Campo das Zentrum des Interesses.
19. Spieltag: Zum Abschluss des Jahres gewinnt der FCB mit 2:0 bei GC. Renato Steffen und Albion Qoallaku kommen sich dabei in die Haare und sehen beide Gelb.
18. Spieltag: Beim 3:0 gegen St. Gallen trifft Albian Ajeti gegen seinen alten Verein gleich doppelt.
Champions League (5. Spieltag): Mit einem 2:0 in Lissabon macht der FC Basel den Achtelfinal klar.
17. Spieltag: Der Mann wird einem unheimlich. Beim 4:1 in Lausanne trifft Michael Lang schon wieder. Es ist sein siebter Treffer in den letzten fünf Spielen.
Schweizer Cup, Viertelfinal: Mit seinen Toren fünf und sechs in den letzten vier Spielen schiesst Michael Lang den FCB beim 2:1 gegen Luzern in der Halbfinal.
16. Spieltag: Wieder liegt der FC Basel hinten, wieder gewinnt er am Ende. Diesmal mit 4:1 gegen Luzern.
Champions League (5. Spieltag): Sensation gegen Manchester. Der FCB gewinnt durch ein spätes Tor gegen die Red Devils mit 1:0
15. Spieltag: Beim 5:1-Sieg gegen Sion dreht der FCB einen 0:1-Pausenrückstand am Ende in einen Kantersieg.
14. Spieltag: Auch gegen YB gibt der FC Basel eine Führung aus der Hand. Hier trifft Nsame per Hacke zum 1:1 ins Basler Tor.
Champions League (4. Spieltag): Der FC Basel verliert trotz Führung das Heimspiel gegen ZSKA Moskau und muss plötzlich wieder um den Achtelfinal bangen
13. Spieltag: Auch beim 0:0 gegen den FC Zürich gelingen dem FCB im Letzigrund keine Tore.
Schweizer Cup, 3. Runde: Rumpelfussball gegen Rapperswil. Am Ende reicht es zu einem 2:1-Sieg.
12. Spieltag: Der FC Basel spielt den FC Thun an die Wand, gewinnt aber nur mit 2:1. Hier scheiitert Elyounoussi gleich am Pfosten.
Champions League (3. Spieltag) Was für ein Schuss: Hier erzielt Taulant Xhaka gerade das 1:0 für Basel. Am Ende gewinnt der FCB mit 2:0 bei ZSKA.
11. Spieltag: Beim 4:0-Sieg in Lugano überzeugen Neuzugang Ajeti und seine Mitstreiter.
Albian Ajeti kehrt zurück und unterschreibt einen Fünfjahresvertrag beim FCB.
10. Spieltag: Der Champions League Glanz ist schnell verflogen. Keine Tore im Letzigrund: Der FC Basel und die Grasshoppers trennen sich 0:0.
Champions League (2. Spieltag): Hier trifft Dimitri Oberlin nach seinem 100-Meter-Sprint zum 2:0. Am Ende schiesst der FCB Benfica Lissabon in einem denkwürdigen Spiel mit 5:0 aus dem Stadion.
9. Spieltag: Durch einen umkämpften 1:0-Sieg im Derby gegen den FC Zürich macht der FCB einen ersten Schritt aus der Krise.
8. Spieltag: Der FCB steckt nach dem 1:2 in St. Gallen fest im Schlamassel. Hier trifft der Ex-FCB-Junior zum 1:0 für die Espen.
Schweizer Cup, 2. Runde: Basel zittert sich in Chiasso mit 1:0 eine Runde weiter.
Champions League (1. Spieltag): Der FCB verliert in Manchester mit 0:3. Gerade trifft Fellaini zur Führung. Kollege Lukaku sollte später nachdoppeln.
7. Spieltag: 1:2-Heimniederlage gegen Schlusslicht Lausanne: Der FC Basel ist in der Krise.
So sah es im Joggeli aus, bevor Ende August der neue Rasen gelegt wurde.
6. Spieltag: Weil der FC Basel in der ersten Hälfte massenhaft Chancen liegen lässt, reicht es am Ende gegen Sion nur für ein 1:1.
5. Spieltag: Durch ein spätes Tor von Calrinhos trennen sich Basel und Lugano 1:1-Unentschieden.
In der Champions League spielt der FC Basel in dieser Saison gegen Manchester United, ZSKA Moskau und Benfica Lissabon.
4. Spieltag: Beim 3:2 gegen GC wird es am Schluss nochmal unnötig spannend. Hier trifft Ricky van Wolfswinkel zum 2:0.
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1. Spieltag: Zum Auftakt gab es in Bern eine 0:2-Niederlage.
Raphael Wicky
Nach dem Ende des Sion-Mythos will der FCB seinen Titel in dieser Saison verteidigen.
In diesem Jahr soll die Meistertrophäe zum neunten Mal in Serie nach Basel kommen.

Mauro Vivarelli ist beim FC Basel für Videoaufnahmen zuständig, die zur Taktikschulung dienen.

Screenshot FC Basel TV

Das geht oft vergessen, wenn man von Doumbia spricht. Zu dominierend sind die Erinnerungen aus seinen YB-Zeiten, als er gegnerische Abwehrreihen durchbrach, als stünden ihm da Pappfiguren im Weg. Obwohl er nicht mehr so unwiderstehlich auftrat, hat er in der Vorrunde neun Tore erzielt, ist zusammen mit Captain Matías Delgado treffsicherster Angreifer der Basler. «Seine Torquote ist gut, aber er hat noch Luft nach oben», sagt Sportdirektor Georg Heitz. Und er betont, wie wichtig diese Vorbereitung für Doumbia ist.

Heiss auf Torschützen-Krone

Da kommt es dem Ivorer entgegen, dass er derzeit nicht mit der Elfenbeinküste am Samstag beginnenden Afrika-Cup weilt wie seine FCB-Landsgenossen Serey Die und Adama Traoré. Er hat sich mit Trainer Michel Dussuyer überworfen. Doumbia soll ihm vorgehalten haben, dass er zu wenig Autorität habe. «Ich will keine Polemik entfachen. Es gab mehrere Missverständnisse zwischen uns», sagt der FCB-Stürmer. Mit dem schlechteren Ende für ihn.

Denn nur zu gern würde er sich am Afrika-Cup für sein Land in die Zweikämpfe werfen, helfen, den Titel zu verteidigen, den er mit der Elfenbeinküste 2015 gewann. «Ich liebe es, für mein Land zu spielen», gesteht er. Fast täglich ist er mit seinen Freunden in Kontakt. Sie schicken sich Fotos via Snapchat, telefonieren. «Ich hoffe, dass sie den dritten Pokal für die Elfenbeinküste gewinnen.»

Seydou Doumbia möchte auch für die Elfenbeinküste Tore erzielen.

Seydou Doumbia möchte auch für die Elfenbeinküste Tore erzielen.

Keystone

Nun also schwitzt er in Spanien statt in Gabun, kämpft um einen Stammplatz statt um einen Pokal. Jammern würde er deswegen nicht. Er weiss selbst, dass ihm die Vorbereitung guttut, sagt über seine ersten Monate in Basel: «Ich bin nicht wirklich zufrieden. Vor allem mit meinen Champions-League-Auftritten.» Mit seiner Torausbeute in der Super League dagegen kann er leben.

Er sagt aber auch: «Ich will weitere Tore schiessen, mein Territorium verteidigen, so wie ich das in der Vergangenheit getan habe.» Anders gesagt: Doumbia ist heiss auf die Krone des Torschützenkönigs.

Der Wunsch, in Basel zu bleiben

Es würde ihm neuen Schub geben, dieses Erfolgserlebnis. Denn seit er im Januar 2015 bei der AS Roma unterschrieb, ist seine Karriere ins Stocken geraten. Nach einem halben Jahr in der italienischen Hauptstadt ging Doumbia leihweise zurück zu ZSKA Moskau, dann wieder zurück zur Roma, nach einem Monat weiter zu Newcastle United. Er spielte kaum noch, legte offensichtlich an Gewicht zu.

Seit Sommer nun ist er zurück in der Super League, will seine Karriere ein zweites Mal hier lancieren, wo er vor neun Jahren bei den Young Boys erstmals richtig Fahrt aufnahm. Obwohl er auch in Russland Torschützenkönig wurde, bezeichnet Doumbia selbst die Jahre in der Schweiz als seine wichtigsten: «Ich gewann hier vier Trophäen, war zweimal bester Spieler, wurde zweimal Torschützenkönig. Diese Epoche hat mich wirklich geprägt.»

Er will zurück auf die Erfolgswelle. Von einer Rückkehr nach Rom dagegen träumt er nicht wirklich. Auch wenn er dazu keinen Kommentar abgeben möchte. Er steht noch bis 2019 unter Vertrag in Italien. Ein hoch dotierter zudem. 3,5 Millionen Euro soll er pro Jahr kassieren.

Bis Juni spielt er sicher noch bei Basel. Der FCB hat eine Option, zieht er diese, verlängert sich Doumbias Vertrag um drei Jahre. Doumbia meint dazu: «Für mich persönlich wäre das wunderbar.» Sportdirektor Georg Heitz sagt: «Die Option ist so terminiert, dass wir genug Zeit haben, uns mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen.»

Das soll gegen Ende Saison geschehen. Gemeinsam mit Doumbia und dessen Berater. Um seine Chancen zu erhöhen, schwitzt Doumbia nun in Marbella. Und, wenn es sein muss, dreht er auch Runden. Ohne zu murren.