Eishockey

Sharks-Captain Stefan Voegele: «Ich will gehen, bevor ich zur Last werde»

Interview mit Stefan Voegele, dem Captain der EHC Basel Sharks

Interview mit Stefan Voegele, dem Captain der EHC Basel Sharks

Die Mitteilung schlug ein wie ein Blitz. Auch die Mitspieler erfuhren erst heute Morgen vom Rücktritt ihres Captains. Bereits morgen nach dem Lausanne-Spiel ist definitiv Schluss. Die Bandscheibe hindert den 30-Jährigen an weiteren Einsätzen.

Gewusst hats niemand, damit gerechnet haben die meisten. Das Basler Urgestein Stefan Voegele tritt nach dem heutigen NLB-Heimspiel gegen Lausanne zurück – per sofort, für immer. Am Dienstag hat der 30-jährige Reinacher gegen Olten seine 400. Partie im Basler Dress gemacht – auf dieses Jubiläum folgt jetzt der Abschied. Nicht ganz freiwillig. Denn am Ende war es die Bandscheibe, die den Captain zu diesem Schritt zwang.

Stefan Voegele, Ihr Rücktritt kommt trotz allem überraschend. Wann haben Ihre Mitspieler davon erfahren?

Stefan Voegele: Auch erst gestern, als mein Rücktritt öffentlich gemacht wurde. Einige Mitspieler wissen bis jetzt nicht, dass ich heute aufhören werde. (lacht)

Böse Zungen könnten nun behaupten, dass Sie die Mannschaft über Nacht im Stich lassen.

Natürlich gab es auch Kollegen, die ein wenig enttäuscht und überrascht sind. Aber sie alle verstehen meine Beweggründe, viele klopften mir auf die Schulter und bedankten sich für die schöne Zeit.

Heute geht Ihre 12-jährige Profikarriere definitiv zu Ende. Ein emotionaler Moment?

Noch halten sich die Emotionen in Grenzen, vieles werde ich wohl erst nach einiger Zeit realisieren. Momentan blicke ich mit viel Demut und Dankbarkeit auf all die Jahre zurück, es war mir eine Ehre diese Leidenschaft so lange als Beruf ausüben zu dürfen.

Bereits im Sommer haben Sie offen über einen Rücktritt nachgedacht. Ist heute der bessere Zeitpunkt?

Ich denke schon. Es war ja nicht so, dass mich meine Bandscheibe über Monate ausser Gefecht gesetzt hätte. Auch in der aktuellen Saison stand ich ausser bei drei Partien immer auf dem Eis. Aber das alles bringt am Ende nichts, wenn man nach den Spielen immer wieder Schmerzen hat und die Freizeit damit verbringt, irgendwie wieder fit zu werden.

Ihre Skorerpunkte haben sich im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert. Ein Indiz der Verletzung?

Nein, die ganzen Skorerpunkte sind sowieso überbewertet. Ausserdem bin ich mit meinen Leistungen in dieser Saison auch grösstenteils zufrieden. Am Ende muss ich auf meinen Körper hören. Man kann kein Leader mehr sein, wenn man zu viel mit sich selber beschäftigt ist. Genau das ist mir in der aktuellen Saison zu oft passiert, und vor allem in entscheidenden Momenten. Jetzt will ich gehen, bevor ich zur Last werde.

Die Sharks verlieren ihren Captain und im April kommt ein neuer Trainer. Umbruch total?

Ich bin nur ein kleiner Teil vom Ganzen. Jetzt wird einfach ein anderer die Captain-Binde tragen.

Und damit hat sichs?

Das Team muss nun eine neue Hierarchie aufbauen, das wird die Jungs noch mehr zusammenschweissen. Deswegen denke ich, dass mit meinem Rücktritt ein positiver Ruck durch die Mannschaft gehen wird.

Sie haben 400 Spiele für Basel gemacht, kamen nach Engagements in Zug und Rapperswil immer wieder ans Rheinknie zurück. Was macht den Verein so besonders?

Der Klub ist meine Heimat. Hier hat alles angefangen und hier endet alles. Es ist schwer zu beschreiben, was den Verein ausmacht. Ich spüre das absolute Vertrauen, die Sympathie und den Ehrgeiz, die Sharks in eine neue Ära zu führen.

Welcher Moment mit den Sharks hat sie am meisten geprägt?

Das gibt es natürlich tonnenweise unvergessliche Erlebnisse. All die Carfahrten nach Auswärtssiegen waren immer ein Highlight. Sportlich gesehen bleibt sicherlich das NLB-Playoff-Final gegen Lausanne im Jahre 2004 unvergesslich. Wir setzten uns im siebten und entscheidenden Spiel durch und stiegen in die NLA auf.

Trotz ihres Rücktritts bleiben Sie den Sharks erhalten. Bereits am Montag übernehmen Sie die Verantwortung für den Bereich Marketing und Sponsoring. Der definitive Schritt in ein neues Leben?

Sieht so aus. Aber auch dort habe ich ambitionierte Ziele. Basel soll als Hockeystadt wahrgenommen werden, dafür müssen wir uns ausserhalb der Eishalle auffälliger präsentieren. Das wird einer meiner Kernpunkte sein.

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