Eishockey
Sharks-Trainer Stecher: «Wir müssen dorthin gehen, wo es wehtut»

Fünf Spiele, vier Niederlagen: Die Basel Sharks treten an Ort und Stelle. Weil sie viele, kleine und elementare Sachen nicht richtig machen. Für Trainer Dino Stecher müssen mehr blaue Flecken her.

Daniel Monnin
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Dino Stecher im Einsatz.Bieri

Dino Stecher im Einsatz.Bieri

Marcel Bieri

Die Erwartungen in Basel waren nach ihrer Verpflichtung und den Transfers von Michel Riesen und einer Reihe anderer Spieler gross. Die Realität sieht anders aus. Wo orten sie das Hauptübel für den schlechten Start?

Dino Stecher: Es ist die Summe einer Anzahl kleiner Dinge, die uns schadet. Wir haben die Tore nicht gemacht, obwohl wir immer unsere Chancen hatten. Im Gegenzug kassieren wir viel zu viele dumme Tore. Jede Niederlage hat die Spirale befeuert, wir sind ganz einfach noch nicht in Schwung gekommen.

Ihre Spieler leisten sich zu viele individuelle Fehler.

Ja, genau. Und das hat uns bisher in jedem Spiel aus der Balance gebracht.

Setzt die Mannschaft Ihre Vorgaben um?

Nein, noch nicht in jeder Beziehung. Ich habe das Gefühl, dass wir nicht dorthin gehen, wo es blaue Flecken gibt. Die unbequemen Zonen werden gemieden. Mir fehlt auch ein wenig das «dreckige Spiel» in der Defensive, das harte Rangehen.

Sind Ihre Spieler «zu lieb»?

Vielleicht. Wir sind in der Tat zu wenig hart im Geben, aber auch im Nehmen.

Sie verlangen ein körperbetontes Spiel, sie wollen krachende Checks sehen, sie wollen defensiv kompakter stehen. Richtig?

Richtig. Ein Teil der Mannschaft setzt das auch immer besser um, stemmt sich gegen Niederlagen und Widerstände, aber um zu gewinnen, braucht es jeden Einzelnen.

Andererseits nimmt Ihre Mannschaft zu viele Strafen, 10 der 21 Tore hat Basel in Unterzahl erhalten.

Auch das ist richtig, wir müssen smarter werden und nicht immer die gleichen dummen Strafen kassieren.

Trotz allem wirken Sie ruhig, ja gelassen, auch während der Spiele. Brodelt es innerlich?

Das mag gegen aussen so wirken, aber innerlich lodert das Feuer, es ist ein immerwährendes Brodeln, das sich nicht nur auf das Spiel beschränkt. Aber ich verstecke mich in der Gelassenheit, denn es bringt ja nichts, herumzutoben.

Fürchten Sie um Ihren Job?

Ich habe mit unserem VR-Präsidenten Matthias Preiswerk zu Mittag gegessen und die Situation analysiert. Er meinte, drei Punkte seien zu wenig, um mich bereits in die Ferien zu schicken. Spass beiseite. Ich kenne das Business und spüre den Druck, das gehört zum Sport.

Und der Druck wird nicht kleiner...

Nein, aber ich habe der Mannschaft gesagt, sie soll das Wort «Druck» aus dem Wortschatz streichen. Die Mannschaft hat keinen Druck mehr, es kann nicht schlechter werden, der ganze Druck liegt jetzt bei mir. Wir können nur noch einen Schritt vorwärts machen.

Welchen Einfluss hat ein Routinier wie Michel Riesen auf das Team?

Einen sehr grossen und speziellen. «Mitch» hat eine hohe Akzeptanz in der Mannschaft. Er bringt uns sehr viel mit seiner Erfahrung, er setzt Akzente, kann für Ruhe sorgen, gibt Tipps. Er ist ein echtes Vorbild.

Und die Ausländer? Sind Sie zufrieden mit ihren Leistungen?

Ich bin überzeugt, dass da noch mehr kommt. Vielleicht haben sie die Liga etwas unterschätzt, aber jetzt sind sie definitiv in der NLB angekommen. Und mit durchschnittlich einem Punkt pro Spiel kann man durchaus zufrieden sein. Ich bin auch überzeugt, dass sich unsere erfahrenen Spieler, aber auch die «jungen Wilden» steigern werden.

Wie gehts weiter? Was steht bis zum Spiel gegen Olten vom Samstag auf dem Programm?

Ein Sieg spiegelt sich nicht nur im Resultat wider. Das «Gewinnen» beginnt mit der Vorbereitung, dem mentalen Fokus, es geht über gewonnene Zweikämpfe, richtige Entscheide, fertiggemachte Checks, schnelle, öffnende Pässe und anderes – je mehr wir richtig machen, je mehr Win-Situationen wir kreieren, desto höher ist die Chance auf einen Sieg. Wir arbeiten jeden Tag an den elementaren Dingen, die ein erfolgreiches Eishockeyteam ausmachen.