Keine 48 Stunden nach dem erfolgreichen Finaleinzug von Sm’Aesch Pfeffingen sitzt Captain Madlaina Matter wieder im Vorlesungssaal. Im Zentrum für Lehre und Forschung beim Universitätsspital Basel blickt die Medizinstudentin auf ein erfolgreiches Wochenende zurück: «Wir wollten die Serie bereits im zweiten Spiel entscheiden und hatten die Partie von Anfang an im Griff.» Am Montagabend steht Matter wieder in der Halle, schliesslich steht bereits morgen Donnerstag die erste Playoff-Finalpartie an.

Matters Volleyballkarriere nimmt im zarten Alter von neun Jahren ihren Anfang. Von einer Freundin ins Training der Sm’Aesch-Juniorinnen eigentlich zum Zuschauen mitgenommen, spielt sie gleich mit. Und bleibt. Gleichzeitig feiert sie im Orientierungslauf erste Erfolge und schafft den Sprung ins regionale Nachwuchskader.

Als sich Trainings und Wettkämpfe immer mehr überschneiden und sie das Auswahltraining für die Talentschule Basel erfolgreich übersteht, muss ein Entscheid her. «Meine Geschwister schafften den Sprung ins regionale OL-Nachwuchskader vor mir auch. Die Möglichkeit, ähnliche Erfolge in einer anderen Sportart zu erreichen, wollte ich mir nicht entgehen lassen.»

Von Verletzungen verschont

Der Entscheid für den Volleyball stellt sich rückblickend als richtig heraus: Bereits im Alter von 15 Jahren trainiert sie in der ersten Mannschaft mit, ein halbes Jahr später kommt sie aufgrund der Erkrankung einer Mitspielerin zu ersten Einsätzen in der Meisterschaft. Zwei Jahre später flattert bereits das erste Aufgebot für die Nationalmannschaft ins Haus. «Mir kam sicher entgegen, dass es dazumal nicht viele Mittelblockspielerinnen gab.»

Entgegen kommt Matter auch, dass sie in über 10 Jahren Volleyballsport weitgehend von Verletzungen verschont bleibt. Ein Bänderriss im Sprunggelenk im Sommer 2017 während der Sommerpause bleibt der einzige Eintrag in ihrer Krankenakte.

Der definitive Durchbruch gelingt Matter in der vergangenen Saison. Sie reift endgültig zur Stammspielerin und wird als «Youngster of the Year» ausgezeichnet. «Ich betrachte meine Leistungen in der Regel sehr selbstkritisch. Die Auszeichnung hat gezeigt, dass diese Saison sicher nicht allzu schlecht war.»

Madlaina Matter wird in der letzten Saison zum «Youngster of the Year» ausgezeichnet.

Madlaina Matter wird in der letzten Saison zum «Youngster of the Year» ausgezeichnet.

Rolle der Identifikationsfigur

In der aktuellen Spielzeit wird die 22-Jährige zum Captain ernannt, eine Rolle, die sonst eher von erfahrenen Spielerinnen eingenommen wird. Die Studentin, die bei Sm’Aesch gross geworden ist und nie für ein anderes Team auf dem Feld stand, übernimmt dabei auch die Rolle der Identifikationsfigur, die jüngeren Spielerinnen hilft, sich zurechtzufinden.

Beeindruckend ist, wie Matter Studium und Spitzensport unter einen Hut bringt. Zweimal täglich steht bei Sm’Aesch ein Training an. Hinzu kommen Videoanalysen, individuelles Krafttraining und Meisterschaftsspiele.

Alles in allem kommt sie so auf bis zu 25 Stunden Aufwand. Pro Woche. Wie geht das an einem nicht ganz anspruchslosen Studium vorbei? «Ich plane die Woche jeweils sehr genau, damit alles aneinander vorbeigeht.» Das Positive an einem vollen Zeitplan: «Wenn man sich des Zeitmangels bewusst ist, verschwendet man auch automatisch weniger Zeit.»

Erfolge im Nationalteam

Im Nationalteam nimmt Matter trotz ihres jungen Alters ebenfalls bereits eine Führungsrolle ein. Blickt man auf die Kaderliste, ist das aber nicht weiter erstaunlich: Matter gehört zu den Ältesten im Nationaldress und übernimmt bereits viel Verantwortung. «Mir kommt entgegen, dass ich selber sehr jung zum Nationalteam gestossen bin. So kenne ich die Situation von jüngeren Spielerinnen bestens und kann sie entsprechend unterstützen.»

Mit dem Nationalteam feierte Matter auch ihr bisheriges Karriere-Highlight: Die erstmalige Qualifikation für die Europameisterschaft Ende August ist für die junge Mannschaft bereits ein grosser Erfolg. «Das wird sicher ein spezielles Erlebnis. Wir erhalten die Möglichkeit, uns mit den besten Spielerinnen Europas zu messen.»

Mit diesen möchte sich Matter in Zukunft täglich duellieren. Sie träumt von einer Karriere im Ausland. Einem Engagement in der italienischen Profiliga, die zu den Besten der Welt gehört, wäre sie nicht abgeneigt. «Ich weiss, dass ich bis zu diesem Wechsel noch viel arbeiten muss und nehme Schritt für Schritt.» Denn noch liegt der Fokus bei Sm’Aesch.

«Gegen NUC haben wir noch eine Rechnung offen»

Diesen gilt es nun vollends auf Donnerstag zu richten, wo das erste Playoff-Finalspiel gegen Neuchâtel UC ansteht. Matter kann auf viel Finalerfahrung zurückgreifen. Die letzten drei Saisons stand sie mit Sm’Aesch bereits im Playoff-Final, unterlag dort aber stets Voléro Zürich. Nach dem Abgang der Übermannschaft nach Frankreich auf diese Saison hin wurde Sm’Aesch zum Titelfavoriten Nummer 1.

«Wir mussten die Erwartungshaltung etwas dämpfen. Unser Ziel war Anfang Saison eine Medaille, aber wir stiegen eigentlich ohne Titelavancen in die neue Spielzeit.» Mit der Finalqualifikation hat sich dies selbstredend geändert: «Wenn man im Final steht, will man natürlich gewinnen, das ist klar.»

Die Vorfreude ist deutlich spürbar, auch wenn oder eben gerade weil im Final der Spielverderber der Saison wartet. «Durch die zwei Finalniederlagen in Cup und Supercup haben wir gegen NUC noch eine Rechnung offen und sind umso heisser auf dieses Duell.»

Nach dem verlorenen Cupfinal haben die Baselbieterinnen eine Rechnung offen.

Nach dem verlorenen Cupfinal haben die Baselbieterinnen eine Rechnung offen.