Findet der FC Basel die richtige Einstellung, um auch in Lugano, im ersten Spiel nach dem vorzeitig errungenen Meistertitel, die Spannung hochzuhalten? Das war die zentrale Frage der Woche in Basel. Auch im Hinblick darauf, dass der FCB in knapp zwanzig Tagen noch einen Cupfinal zu bestreiten hat, in dem eine Blamage wie vor zwei Jahren (die Basler verloren damals zu Hause 0:3 gegen Sion) dringlichst vermieden werden will.

Wie schwierig das werden würde, war auch dem scheidenden Cheftrainer Urs Fischer bewusst. Und dennoch wusste er seine Mannschaft richtig vorzubereiten: Denn was der FC Basel in den ersten Minuten auf dem Rasen des Cornaredo zeigte, war stark, dominant und keineswegs geprägt von einem allfälligen Spannungsabfall. Vor allem Michael Lang und Taulant Xhaka verkörperten die Tatsache, dass man auch nach dem erreichten Ziel in der Meisterschaft weiter machen kann, als wäre noch gar nichts entschieden.

Treffer aberkannt

Unermüdlich liefen sie, kämpften um jeden Zentimeter und peitschten ihre Teamkollegen an. So war es nur die logische Folge, dass es Lang und Xhaka waren, welche die Führung des FCB herbeiführten. Mit einem starken Pass in die Tiefe des Strafraums fand Lang Xhaka, dieser legte mustergültig auf den herbeieilenden Alexander Fransson zurück, der mit einem satten Schuss in das rechte untere Eck zum 1:0 traf. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade mal zwölf Minuten gespielt, und der FCB zeigte seine meisterliche Seite.

«Ich will die SchiedsrichterEntscheide nicht kommentieren.»

Urs Fischer, Trainer FC Basel

«Ich will die SchiedsrichterEntscheide nicht kommentieren.» 

Es folgte ein Treffer Renato Steffens, den Schiedsrichter Sandro Schärer absolut zu Unrecht aberkannte. Er sah den FCB-Flügelspieler im Offside – und irrte sich damit. Ein Entscheid, der Folgen haben sollte. Denn danach liess der FCB nach, gestand Lugano mehr Raum zu, und schien froh, dass es in die Pause ging.

Kaum war diese aber zu Ende, netzte Luca Zuffi aus dem Nichts zum 2:0 ein. Spannungsabfall? Offenbar ein Fremdwort beim FCB. Und Lugano? «Die waren bis zum 2:0 für uns nicht auf dem Platz», sagte Fischer. Und hatte Recht. Aber dann passierte eben genau das, was alle befürchtet hatten: Der FCB liess doch nach. Merklich. «Wir haben uns nach dem zweiten Tor nicht gut verhalten und nicht mehr die selbe Konsequenz an den Tag gelegt», bilanziere Fischer. «Wir haben es nicht zu Ende gespielt», sagte auch Zuffi.

Was danach passierte, war aber nicht nur ein Nachlassen der Basler, die offenbar mit der 2:0-Führung leben konnten. Viel mehr war es eine Kombination dessen mit einem weiteren Irrtum Schärers: Nach einem Zweikampf im Strafraum der Basler entschied der Unparteiische auf Penalty. Ein harter Entscheid. Daniel Hoegh – für den gesperrten Marek Suchy an die Seite Manuel Akanjis gerückt - duellierte sich mit Davide Mariani. Dieser ging zu Boden.

Es folgte der Pfiff. «Ich stand daneben. Das war nie im Leben ein Penalty», sagte Akanji ohne zu zögern. Und auch Hauptakteur Hoegh sah sich im Unrecht. «Ich habe die Szene noch nicht gesehen, aber mein Gefühl sagt mir, dass es Schulter an Schulter war. Und kein Foul.» Aber der Entscheid war gefallen. Und veränderte das Spiel. Denn ab diesem Zeitpunkt kam Lugano vor heimischen Publikum in Fahrt und der FCB aus dem Rhythmus.

Es war der Knackpunkt. Zeigte der FCB bis zu diesem Zeitpunkt sein meisterliches Gesicht, war es ab dann das Gesicht einer Mannschaft, die eben bereits Meister ist, und für die es um nichts mehr geht. «So kurz nach dem Spiel ist es schwierig, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das müssen wir uns in Ruhe anschauen und analysieren», sagte Zuffi.

Die ganze Bandbreite des Fussballs

Genau so wie den Ausgleichstreffer, den die Basler zehn Minuten vor Schluss kassierten. Einer Mannschaft auf dem Endspurt zum Titel wäre das kaum passiert. Dass sich der FCB aber auch nach dem zweiten Gegentreffer und dem Platzverweis gegen Armando Sadiku nicht mehr wirklich wehren konnte und mochte, demonstrierte, wie schwer es ist, in einem unwichtigen Spiel alles zu geben. Der FC Basel zeigte an diesem Nachmittag eben so die ganze Bandbreite, die der Fussball zu bieten hat, wie dies das Spiel an sich tat.

Auch, weil Schärer nicht auf der Höhe war. «Ich will die Schiedsrichter-Entscheide nicht kommentieren», sagte Fischer und fügte an: «Wir müssen uns am Schluss an der eigenen Nase nehmen. Denn: Ein Spiel geht 90 Minuten, und nicht nur bis zur 2:0-Führung», schloss Fischer zu Recht ab. Dass die Spannung nicht komplett abgefallen war, zeigten die Basler zwar. Oder zumindest teilweise.

Aber: Die Frage, ob der FCB die die Spannung durchgehend aufrecht behalten kann, bleibt unbeantwortet.

Das Spiel zum Nachlesen im Liveticker von Julian Förnbacher: