«Morgen, 17 Uhr, Rankhofhalle», so lautete die Nachricht, die Silvio Wernle vor einem Jahr kurz vor Meisterschaftsstart von RTV-Basel-Präsident Alex Ebi erhielt. Wernle hatte Ebi angeboten, falls es Personalmangel oder -probleme geben würde, an der Seitenlinie einzuspringen.

Die SMS läutete Plan B ein, wie der ehemalige Verteidiger sagt. In der Retrospektive war Wernle, der die ganze Saison über als Assistenztrainer fungierte, eine der wenigen Konstanten im Betreuerstab der Basler Handballer. Die Aufgabenteilung unter Interimstrainer Alex Ebi den anderen Assistenten und ihm sah vor, dass er sich um die Defensive der Realturner kümmerte.

Bekommt etwas zurück

Kam die Ernennung zum Assistenten überraschend, war nun schon länger klar, dass der 36-Jährige in dieser Saison das Amt des Cheftrainers bekleiden würde. Dabei ist Wernle, der schon zu Spielerzeiten auf Spesen verzichtete, der wohl günstigste Trainer der höchsten Spielklasse. Er kostet nicht nur nichts und verursacht keine Spesen, bei ihm bekommt man sogar noch etwas zurück.

In den letzten Jahren spendete er dem Verein, für den er zwölf Jahre spielte und den er als sein Zuhause bezeichnet, nämlich noch jeweils einen kleinen Beitrag. «Ich bin aus Überzeugung bei dem Verein und nicht wegen des Geldes. Wir investieren lieber in einen guten Spieler», sagt der Basler, der für eine Finanzberatungsfirma arbeitet und Filialen in Aarau, Baden und Solothurn leitet. Ob er in diesem Jahr wieder eine höhere Summe als den Mitgliederbeitrag auf den Einzahlungsschein schreibe, wisse er noch nicht. Schon im letzten Jahr wäre er bei einem Heimspiel zum Gönnerapéro eingeladen gewesen, hätte aber unten auf der Trainerbank Platz nehmen müssen.

Da Wernle, der während zehn Saisons die Captainbinde des RTV trug, kein Trainerdiplom besitzt, vertraut er auf seine Erfahrung und die Inputs seines Assistenten Joachim Spross. Zwei Wochen vor Meisterschaftsbeginn ist der Neo-Trainer zufrieden mit der Vorbereitung: «Der Einsatz ist super. Ich habe ein extrem gutes Gefühl», sagt Wernle, der die hohe Trainingspräsenz der Spieler lobt, die allesamt einem Beruf nachgehen. Um den eigenen Zeitaufwand zu reduzieren, zieht der Basler von der Limmat zurück ans Rheinknie. «Nach fünf Jahren ZH-Kontrollschild freue ich mich auf die Heimat», sagt der 36-Jährige lachend.

Grosse Erfahrung im Strichkampf

Als Spieler hat Wernle Auf- und Abstiege mit dem RTV erlebt. Entsprechend weiss er nicht nur wegen der vergangenen Saison, wie der Kampf am Strich funktioniert. Dass der Klub in die NLA gehöre, auch nach der Ligareduktion, daran bestehe kein Zweifel. «Unser Kader hat definitiv NLA-Format», sagt Wernle bestimmt, der auch junge Spieler in die Mannschaft integrieren will.

Nach dem Vorbereitungsturnier in Karlsruhe, das resultatmässig nicht zufriedenstellte, steht an diesem Wochenende der Mepha-Cup in Reinach an. «Bis jetzt konnten wir experimentieren, nun müssen wir die Mechanismen festigen», so Wernle. Noch immer fehlt mit den verletzten Mark Kuppelwieser und Mischa Hofstetter der Innenblock. Angesprochen auf das Starensemble von PSG Handball Paris mit drei französischen Olympiasiegern und dem eben verpflichteten Welthandballer Mikkel Hansen, sagt Wernle, dass es sicher ein Erlebnis und der RTV tendenziell nicht zu einem Kantersieg kommen werde.