Während seine Volleyballerinnen immer noch jubeln, schüttelt Sm’Aesch-Trainer Andreas Vollmer wenige Minuten nach dem Spiel verwundert den Kopf. „Ich bin echt überrascht. Eigentlich ist Schaffhausen offensiv bockstark, aber das heute war gar nichts.“ Das Hinspiel beim Topfavoriten auf die Meisterschaft hatten die Baselbieterinnen nur hauchdünn mit 3:2 gewinnen können. Nicht nur deshalb hatte Vollmer ein engeres Spitzenspiel zwischen dem Zweiten und dem Dritten erwartet. „Die wissen ja auch, dass wir mit unserer Verletztensituation nicht in Höchstform spielen. Doch heute hat Schaffhausen ohne Power und Kampfgeist und viel zu fehleranfällig gespielt.“

Zwischen dem Exploit im Europacup gegen das belgische Spitzenteam aus Oudegem vom Mittwoch und dem Liga-Topspiel gegen Schaffhausen am Samstag lagen nur drei Tage und ein einziges Training. Nur sechs Spielerinnen standen Andreas Vollmer am Freitag zur Verfügung. Die beiden Leistungsträgerinnen Jessica Ventura und Dora Grozer fehlten mit kleineren Wehwehchen ebenso wie die vier Langzeitverletzten. „Das war kein Training, das war Bewegungstherapie“, sagt Vollmer.

Sm'Aesch gelingt das Umschalten

Doch sein Team schafft es am Samstagabend, auf Wettkampfmodus umzustellen. Auch der Gegner aus Schaffhausen war unter der Woche im Europacup unterwegs und gegen Zagreb siegreich. In der Startphase sind beide Teams noch nicht auf der Höhe. Sm’Aesch agiert zu diesem Zeitpunkt noch etwas fehlerhaft und lässt zu, dass Schaffhausen mit 9:7 in Führung geht.

Doch mit Livia Zaugg am Service machen die Baselbieterinnen fünf Punkte in Folge. Sm’Aesch schlägt immer wieder auf die am Samstag in der Annahme schwächelnde Gäste-Topskorerin Korina Perkovac auf. Zudem punktet das Heimteam jetzt auch immer öfter mit dem Block. Satz 1 ist eine klare Angelegenheit und geht nach 21 Minuten mit 25:16 an Sm’Aesch.

Kein Wechsel wegen ausgedünntem Kader

Wegen der personellen Not wechselt Andreas Vollmer während der gesamten Partie kein einziges Mal, er vertraut seinen sieben Starterinnen. Auch in Satz 2 kann Schaffhausen nur zu Beginn mithalten. Dann findet vor allem die überragende Jessica Ventura immer wieder Lücken in der Defensive und punktet so zuverlässig für Sm’Aesch.

Schon im Hinspiel war die sprunggewaltige Diagonalangreiferin aus Brasilien die Matchwinnerin. „Jessy mag Schaffhausen. Es gibt Gegner die liegen einem einfach“, erklärt Vollmer. Die Gäste kommen zwar beim Stand von 20:19 wieder auf einen Punkt heran, doch immer wenn es eng wird, legt Sm’Aesch einen Zahn zu und Schaffhausen macht Fehler. So beendet Topskorerin Dora Grozer kurz darauf mit einem gelungenen Angriff zum 25:20 Satz 2.

16-Jährige in der Verantwortung

Weil Sm’Aesch-Passeuse Tashima Taylor bis auf weiteres nicht zur Verfügung steht, übernimmt wie schon in den letzten beiden Spielen die 16-jährige Annalea Maeder diese wichtige Position. Sie macht ihre Sache gut, bekommt aber auch viel Unterstützung von aussen. „Sie kann noch nicht immer die richtige Entscheidung treffen, wo der Ball hingespielt werden muss. Aber ich schreie es rein. Das hat ganz gut funktioniert“, sagt Vollmer.

In Satz 3 machen es seine Ladies etwas spannender. Immer wieder wechselt die Führung.  Schaffhausen liegt mit 18:17 vorne, doch dann hat vor allem eine keine Lust auf einen weiteren Satz. Dora Grozer trifft im Angriff gleich dreimal die richtige Entscheidung, Sm’Aesch zieht wieder davon und gewinnt durch einen Servicewinner von Gabi Schottroff schliesslich mit 25:21.

Tabellenspitze ist der Lohn

Durch den Sieg übernimmt Sm’Aesch Pfeffingen 15 Tage nach der einzigen Liga-Pleite gegen Düdingen wieder die Tabellenführung in der NLA und kann trotz angespannter personeller Lage guten Mutes in die kommende Woche gehen.