Volleyball

Sm'Aesch Pfeffingen ist auf der Jagd nach dem ersten Meistertitel

Sm’Aesch-Trainer Andreas Vollmer in seinem Element. Jetzt will er mit seinem Team das grosse Volero stürzen.

Sm’Aesch-Trainer Andreas Vollmer in seinem Element. Jetzt will er mit seinem Team das grosse Volero stürzen.

Andreas Vollmer hat als Headcoach von Sm’Aesch Pfeffingen praktisch ein komplett neues Team zusammenstellen müssen. Troztdem steht er nun im Final gegen Volero und kann die Saison mit dem Titel krönen.

Da sitzt er mir, dem Journalisten gegenüber und freut sich nicht nur auf das Gespräch, sondern auch auf das morgen Samstag beginnende Playoff-Finale gegen Serienmeister Volero Zürich. Doch wer ist dieser 51-jährige Volleyball-Trainer eigentlich? Eines ist sicher. Volleyball spielt in der Familie Vollmer, die in Büsingen (D) wohnt, die Hauptrolle.

Frau Jana, ehemalige deutsche Volleyball- und Beachvolleyball-Nationalspielerin ist Geschäftsführerin beim Nationalliga A-Verein Kanti Schaffhausen und Tochter Matilda spielt als grosses Talent (wen wunderts?) in der U13 und U15 des Clubs aus der Munotstadt.

Doch Volleyball spielte beim 1,83 Meter grossen Tübinger während seiner Jugend gar keine sonderlich grosse Rolle: «Ich habe zwar im Schulsport immer Volleyball gespielt, doch meine geheime Liebe gehörte dem Tischtennis.

Dort spielte ich schon als 18-jähriger Teenager bei der Herren-Elite in Pfullingen. Doch so ganz allein an der Platte gegen einen Gegner spielen, hatte für mich auf Dauer keinen Reiz mehr. Ich war wohl schon damals eher der Mannschaftssportler.»

Also spielte der Junior in der Folge als Aussenangreifer beim Volleyballclub TV Rottenburg und übernahm dort schon bald das Amt des Spielertrainers. Nach Engagements bei Bayer Lohhof und der TSG Tübingen fand der waschechte Schwabe den Weg in die Schweiz, wo er mit grossem Erfolg die Frauen von Kanti Schaffhausen (2 Cupsiege) und Franches-Montagnes trainierte.

Gestählt durch die Bundesliga

Wenn ein Deutscher im Ausland erfolgreich arbeitet, weckt er natürlich Begehrlichkeiten im Heimatland. So trainierte Vollmer von 2011 bis 2015 den 1. VC Wiesbaden und danach den USC Münster und wurde gleichzeitig zum Assistenten der deutschen Damen-Nationalmannschaft berufen. Dieses Amt übt er auch während seines Vertrages bei Sm’Aesch Pfeffingen aus.

Der aufstrebende Baselbieter Verein war vor fast einem Jahr auch genau das Richtige für ihn: «Ich wollte nach vielen Jahren der weiten Distanzen zur Familie zurück und suchte einen Job. Da bei Sm’Aesch der Posten von Timo Lippuner frei wurde, hats genau gepasst.»

Auf den Unterschied zwischen Schweizer NLA und der Bundesliga angesprochen sagt der Volleyball-Lehrer: «In der Bundesliga sind vor allem die Zuschauerzahlen viel höher (1500 bis 3000 pro Spiel; Anm. d. Red.) und alle Spielerinnen, ob Profi, Studentin oder Schülerin leben 100 Prozent Volleyball.»

In 25 Jahren Trainerdasein hat der immer alles für seine Spielerinnen gebende Vollmer Höhen und Tiefen durchlebt. «Das wohl prägendste Erlebnis für meine Trainerkarriere war der Gewinn des Europameisterschafts-Vizemeister-Titels mit der deutschen Junioren-Nationalmannschaft in Salzburg im Jahre 1990 als Assistenztrainer. Es war ein wahnsinnig emotionaler Moment, als wir die Silbermedaillen um den Hals gehängt bekamen.»

Ebenfalls tief im Gedächtnis hängengeblieben sind zwei sogenannte Tiefschläge: «Da war einmal der Konkurs der TSG Tübingen, als ich Mitte Saison plötzlich ohne Mannschaft und Job dastand. Und dann der Cupfinal mit Kanti Schaffhausen gegen Köniz.

Wochenlang habe ich das Team von Donnerstag bis Samstag auf dieses Endspiel fokussiert und Spielzüge einstudiert. Da knickte im Abschlusstraining unsere damalige Topangreiferin Petra Scherrer um und riss sich sämtliche Bänder im Fuss. Die ganze Vorbereitung war für die Katz und wir verloren mit 0:3-Sätzen.»

Volero vom Sockel stossen

Doch das alles zählt in den kommenden Tagen nicht. Vollmer’s Mini-Team will das grosse Volero vom Sockel stossen. Es soll am Ende der Saison «der Lohn für harte Arbeit, die aber immer auch Spass machen muss» sein, wie der Coach sagt.

Und ändern müssen die Baselbieterinnen nichts, denn was sie in den beiden Heimspielen gegen Düdingen gezeigt haben, war Volleyballsport vom Feinsten. Und wenn dann auch die Fans für die nötige Unterstützung sorgen und Göttin Fortuna sich etwas gnädig zeigt, dann könnten der im Jahr 2000 gegründete Verein und sein 1966 geborener Trainer ihren ersten Meistertitel feiern. Alles ist angerichtet.

Doch halt, am Ende des Gesprächs fällt es mir plötzlich auf. Etwas ist anders als sonst beim Head-Coach. Genau, der doch schon recht üppige Playoff-Bart, welcher gemäss Aussage Vollmers schon in der Bundesliga beim ganzen Trainerstaff Usus war. Und dieser soll, wenn es nach den Wünschen von Trainer und Mannschaft geht, erst nach dem Titelgewinn dem Rasiermesser zum Opfer fallen.

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