Als im Sommer der zwölfköpfige Kader des Birstaler Kombinats feststand, strahlte man bei den Verantwortlichen des Baselbieter Volleyballclubs viel Zuversicht aus. Und dies obwohl man aus finanziellen Überlegungen und Problemen in der Infrastruktur (zu wenig hohe Halle in Aesch) schweren Herzens auf die Champions League-Qualifikation und auf die Europa-Cup-Teilnahme verzichten musste. Da aber auch der überraschende Abgang von Capitaine Kerley Becker zu den Roten Raben Vilsbiburg in die deutsche Bundesliga mit dem Zuzug von Monika Smitalova personell kompensiert werden konnte, schien alles für eine gute Saison bereit zu sein. Doch es kam ganz anders.

An ein geordnetes Training mit einem sechs neue Spielerinnen umfassenden Team war nicht zu denken, da ausserdem mit Laura Künzler, Maja Storck, Thays Deprati, Samira Sulser und Madlaina Matter zusammen mit Head-Coach Timo Lippuner mit der Schweizer Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation engagiert waren. Weil auch Neuverpflichtung Smitalova mit der Slowakei ebenfalls um die EM-Teilnahme spielte, traf sich in der wichtigen Vorbereitungsphase gerade mal die Hälfte der Mannschaft zum Training. Doch mit einer ultraintensiven, rund vierwöchigen Schlussphase fand sich das Team sensationell schnell und spielte eine beeindruckende Meisterschafts-Qualifikation.

Nur vier Niederlagen

«Auf der einen Seite profitierten wir davon, das sich die Nationalspielerinnen auf dem Feld eh schon gut verstehen und auf der anderen Seite bringen unsere Ausländerinnen wie Barbara Duarte und Anu Ennok genug Routine mit, da sie ja auch schon in der letzten Saison bei uns spielten», sagt Lippuner.

Anu Ennok bringt viel Routine mit.

Anu Ennok bringt viel Routine mit.

So kam es, dass das Sm’Aesch Pfeffingen-Team von Sieg zu Sieg eilte und sich bis vor der letzten Doppelrunde vom vergangene Wochenende nur gerade von Volero Zürich (dreimal) und Edelline Köniz bezwingen lassen musste. Die beiden letzten verlorenen Spiele dienten vor allem taktischen Überlegungen. So sollten vor allem die jungen Reservistinnen mehr Einsatzzeit erhalten und bei der Niederlage gegen Hotel Cristal Franches Montagnes konnte ein möglicher Playoff-Halbfinalgegner resultatmässig gleich selber bestimmt werden.

Mentalität als Stärke

Doch wo liegen die Gründe für die Stärke von Sm’Aesch Pfeffingen Ausgabe 2016/17? Sicher ist die Mannschaft im Vergleich zu früher extrem nervenstark geworden. Selbst ein Rückstand von sechs oder sieben Punkten konnte niemanden mehr aus der Ruhe bringen und mit einem manchmal schier unglaublichen Effort konnten fast schon verlorene Spiele noch gedreht werden.

Der Trainer verfügt zwar über eine sogenannte Stammsechs mit Libera Deprati, doch dahinter stehen mit Nationalmannschafts-Mittelblockerin Matter, der Bulgarin Ralitsa Vasileva und der Liechtensteinerin Sulser Spielerinnen, die jederzeit einzeln nahtlos ins Teamgefüge eingebaut werden können. Auch Ersatzpasseuse Roxana Wenger und die erst 17-jährige Alexandra Lorenz konnten bei ihren Einsätzen jeweils überzeugen. «Wir Reservespielerinnen geben in den Trainings jeweils Vollgas, damit wir jederzeit zu 100 Prozent bereit für einen erfolgreichen Einsatz sind», sagt Zuspielerin Wenger.

Ab dem nächsten Wochenende gilt es im Playoff-Viertelfinale gegen Edelline Köniz (Best-of-Three) definitiv Ernst: «Wir sind bereit. Wir wollen ins Playoff-Final. Dass wir es absolut draufhaben, haben wir in der Quali bewiesen», sagt Youngster Maja Storck. Und wie Recht die 18-Jährige hat, bewiesen die letzten 27 Meisterschaftsspiele sowie drei Cupspiele.