Andy Fleischacker, welche Schlagzeile möchten Sie nach der Heim-EM in der Zeitung lesen?

Die Schweiz schafft zum ersten Mal in der Geschichte die Qualifikation für die A-Level-EM. Das wäre meine Traumschlagzeile.

Wie gross sind die Chancen, dass dies eintrifft?

Es ist sicher möglich. Mit unserem Pitching und unserer Defensive können wir das Turnier gewinnen. Aber Baseball ist ein witziges Spiel. Manchmal spielst du grossartig und verlierst trotzdem. Wenn ich unsere Chancen auf den Titel in Zahlen ausdrücken müsste, würde ich sagen, dass wir den Titel zu 80 Prozent holen.

Das klingt sehr zuversichtlich.

Ja, denn ich glaube nicht, dass wir je ein Nationalteam hatten, das so stark war wie die aktuelle Mannschaft.

Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Unser Pitching ist unglaublich gut. Wir sind zudem sehr athletisch und haben eine gute Mischung aus alten und jungen Spielern. Trotzdem wird es in Zürich eine lange Woche mit fünf oder gar sechs Partien. Das sind sich meine Jungs nicht gewöhnt. Es geht also auch darum, gesund und motiviert zu bleiben. Um die hohe Intensität der EM zu simulieren, haben wir in jedem Training auf dem höchstmöglichen Level gespielt.

Sind Sie zufrieden mit der EM-Vorbereitung?

In den zwei Vorbereitungsturnieren haben wir gut abgeschnitten. In Zürich haben wir sogar gewonnen. Ich hätte gerne häufiger als einmal im Monat mit den Jungs trainiert, aber das war nicht möglich. Wir sind also unter den gegebenen Bedingungen so gut vorbereitet, wie nur irgendwie möglich. Die Heim-EM ist seit zwei Jahren unser grosses Ziel.

Heute spielt Ihr Team gegen Topfavorit Grossbritannien. Hätten Sie lieber einen einfacheren Gegner gehabt zum Auftakt?

Polen oder Bulgarien wären mir lieber gewesen, aber vielleicht unterschätzen uns die Briten. Sie konnten noch nicht gemeinsam trainieren, da ihre Spieler erst gestern von überall her nach Zürich geflogen sind. Ich hoffe daher, dass sie müde sind und mit Jetlag zu kämpfen haben.

Welche Partie wird die entscheidende sein?

Das morgige Spiel gegen die Ukraine. Wenn wir nach diesem Spiel zwei Mal verloren haben, müsste schon etwas sehr Komisches geschehen, dass wir noch in den Final kommen. Gegen die Ukraine müssen wir gewinnen.

Kann der Heimvorteil entscheidend sein?

Absolut. Die anderen Teams haben noch nie in Zürich gespielt. Vor allem am Abend ist es schwierig, denn die Sonne scheint unangenehm ins Stadion und auch das Flutlicht ist speziell. Wir konnten mehrmals unter diesen Bedingungen trainieren, das ist sicher ein Vorteil. Zudem hoffen wir auf viele Fans, die uns unterstützen und nach vorne peitschen.

Sie sind seit Februar auch Trainer bei den Therwil Flyers, die mit zehn Spielern das grösste Kontingent an Natispielern stellen. Zufall?

Es ist kein Zufall, dass die Flyers so viele Natispieler hervorbringen. Das war auch in der Vergangenheit so.

Es hat also nichts mit Ihrem Doppelengagement zu tun?

Nein, absolut nichts. Die nominierten Spieler sind die besten. Aber es ist für mich sicher ein Bonus, dass ich mit so vielen Spielern gleich doppelt arbeiten kann.

Ist es für die Flyers-Spieler dadurch einfacher geworden, in die Nati zu kommen?

Nein, aber es ist ein Vorteil für mich, denn ich kann zehn Natispieler drei Mal pro Woche coachen. Dadurch kennen diese Spieler meinen Stil und können helfen, diesen auch in die Nationalmannschaft zu integrieren. Meine Doppelrolle ist also ein Vorteil, aber nicht für die Spieler der Flyers.