Super League

So krallte sich der FC Basel Aldo Kalulu

Aldo Kalulu hat zwar eine geringe Körpergrösse, ist aber unglaublich explosiv.

Aldo Kalulu hat zwar eine geringe Körpergrösse, ist aber unglaublich explosiv.

Die Young Boys wollten ihn, genauso wie Klubs aus der Primera Division und der Ligue 1. Aldo Kalulu wählte den FC Basel. Warum?

Alien Aldo, das dachten etliche Fans, als sie das erste Bild von Aldo Kalulu im Dress seines neuen Arbeitgebers sahen. Via Social Media verbreitete der FCB ein Foto seines neuen Angreifers, doch auf diesem Bild scheint dessen Kopf irgendwie viel zu gross. Da sei aber nicht Photoshop schuld, sondern lediglich die ungünstige Perspektive.

Vielleicht liegt es auch daran, dass Kalulu tatsächlich sehr klein ist. 1,66 Meter und damit gar drei Zentimeter kleiner als Xherdan Shaqiri ist er. Dafür unglaublich explosiv, wendig und trickreich – das hat er im Trainingslager in Tegernsee schon mehrfach gezeigt.

Es sind diese Attribute, die Kalulu bei etlichen Mannschaften ins Gespräch brachten. Leganés, Levante und Getafe aus der Primera Division, Vereine aus der Ligue 1, aber auch Schweizer Meister YB waren an den Diensten des kleinen Wirbelwindes interessiert.

Doch er entschied sich für Basel. Warum? «Tu peux y aller les yeux fermés», hat ihm sein Trainer bei Sochaux gesagt, als Kalulu ihn nach seiner Meinung fragte. Denen kannst du blind vertrauen, so könnte man die Worte von Peter Zeidler frei übersetzen.

Genau, jenem Zeidler, der 2016/17 den vermutlich attraktivsten FC Sion des letzten Jahrzehnts formte, der seit diesem Sommer Trainer des FC St. Gallen ist, einem Mann also, der den Schweizer Fussball kennt.

Dank David Degen beim FCB

Dass er überhaupt in Berührung mit dem FC Basel kam, liegt vor allem an David Degen. Längst ist der einstige Profi, der sein Fusswerk im FCB-Nachwuchs lernte, ins Berater-Business gewechselt.

Das merkte die breite fussballinteressierte Öffentlichkeit erstmals, als der Deal von Raphael Dwamena vom FCZ in die Premier League letzten Sommer platzte. Schon im Frühling 2016 liessen David und sein minim jüngerer Zwillingsbruder Philipp Degen ihre gemeinsame Firma, die SBE Management AG, ins Handelsregister eintragen.

«Aldo hat enormes Potenzial, das haben wir sofort gemerkt. Darüber hinaus bringt er aber auch die mentalen Voraussetzungen mit, um es weit zu bringen», ist Degen überzeugt. Im Winter, irgendwann Ende Februar, Anfang März 2018 traf er den bei Olympique Lyon ausgebildeten Stürmer erstmals. Da ruhte der kleine Wirbelwind gerade, weil er sich die Bänder gerissen hatte.

«David hat mir vom speziellen Geist in Basel erzählt, vom guten Arbeitsklima, der Möglichkeit europäisch zu spielen, den tollen Fans», erinnert sich Kalulu. Dann traf er FCB-Geschäftsführer Roland Heri, ehe er mit Raphael Wicky telefonierte. Dieses Gespräch gab letztlich den Ausschlag. «Wickys Spielprinzipien erinnerten mich stark an Zeidler. Und er betonte, dass der FCB auf junge Spieler baue», sagt Kalulu.

Dass der junge Mann gewaltiges Potenzial hat, glaubt auch Zeidler selbst. «Aldo ist ungemein schnell und er hat bei Sochaux gezeigt, dass er Tore schiessen kann», sagt der deutsche Trainer St. Gallens zur «Schweiz am Wochenende». Allerdings tritt Kalulu bei Basel in grosse Fussstapfen, ersetzt er doch Mohamed Elyounoussi (13 Tore, 17 Assists in 44 Spielen).

«Natürlich wünschte ich mir, ähnlich oft zu skoren wie er. Aber es bringt mir nichts, wenn ich mich mit ihm vergleiche», sagt er. Die Fans aber werden das machen, der Druck ist gross. Dass er damit umgehen kann, muss der Franzose nun beweisen.

Debüt mit 19 Jahren

Denn das Potenzial hat er schon bei seinem Ausbildungsverein, Olympique Lyon, angedeutet: Mit 18 Jahren wurde er Profi, mit 19 debütierte er in der ersten Mannschaft, stürmte an der Seite von Alexandre Lacazette.

Warum liess er sich ausbremsen, während Lacazette durchstartete und heute bei Arsenal spielt? «Der Trainer wechselte, wir spielten nur noch mit einer Spitze, ich hatte keinen Platz mehr, also liess ich mich ausleihen», sagt Kalulu.

Bei Rennes kommt er noch nicht ins Rollen, wohl aber letzte Saison in der Ligue 2 bei Sochaux unter Zeidler. «Dort hat man mir Verantwortung gegeben und vertraute mir. Erstmals als Profi begann ich eine Saison in der Stammelf. Es war ein Neustart», so Kalulu. Jetzt will er mit dem FCB durchstarten.

Auch um seine Eltern stolz zu machen. Die wanderten einst aus Kongo ein, um ihren Kindern bessere Chancen zu bieten. Aldo jedoch kennt weder die Heimat seiner Eltern, noch seine Grosseltern.

Seinen Namen verdankt er dem italienischen Komödien-Schauspieler Aldo Maccione («Er brachte meine Eltern zum Lachen, das gefiel ihnen genauso gut wie der Name.»). Auch die geringe Körpergrösse hat er nicht gestohlen. Sein Vater ist ebenfalls kleiner als 1,70 Meter. Seine jüngere Schwester und die drei jüngeren Brüder, die allesamt im Nachwuchs von Lyon kicken, sind höchstens minim grösser. Aber schneller als Aldo ist niemand.

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