Corona-Virus

So reagieren Basels Sportvereine auf die plötzliche Arbeitslosigkeit

Wie alle Sportanlagen in der Region bleibt auch der Rankhof bis auf weiteres geschlossen.

Wie alle Sportanlagen in der Region bleibt auch der Rankhof bis auf weiteres geschlossen.

Wegen dem Corona-Virus dürfen die Basler Sportvereine weder spielen noch trainieren und das meist auf unbestimmte Zeit. So gehen die verschiedenen Vereine mit der ungewohnten Situation um.

Wie gehen die sportlichen Aushängeschilder der Region mit den Saisonab- oder unterbrüchen um? Welche Massnahmen wurden innerhalb der Teams ergriffen, um die Verbreitung des Virus zu bekämpfen? Haben die Vereine Anrecht auf staatliche Subventionen? Wie halten sich Sportler im Home-Office fit? Die bz hat bei den jeweiligen Verantwortlichen telefonisch nachgefragt.

«Insbesondere ausländische Spieler werden unterstützt»

FC Basel Manchmal hat man ja das Gefühl, dass er FCB in gewissen Dingen privilegiert ist. Er hat Wissensvorsprung und ihm werden Steine aus dem Weg gerollt, wo andere sie in Sisyphos-Arbeit nicht weg bekommen. Aber für einmal ist dem nicht so. Der FCB lässt am Montag ausrichten, dass es ihm ausnahmsweise wie allen anderen geht. Auch im Joggeli könne man nur stündlich oder täglich planen. Man warte jeweils die neusten Meldungen des Bundesamtes für Gesundheit ab. Klar ist Stand Dienstag nur, dass aktuell keine Interviews gegeben werden, auch nicht am Telefon. Da Situationen sich so schnell ändern, würden Zitate nichtig.

Ausserdem ist auch der grösste Klub der Region angehalten, seinen Betrieb herunterzufahren. Nicht nur auf der Geschäftsstelle, sondern auch auf dem Rasen. Bei sämtlichen Equipen ruht der Ball – vom Nachwuchs über die Frauenabteilung bis zur 1. Mannschaft. Vorerst bis und mit 31. März. «Die Spieler werden in dieser Zeit eng begleitet – eine Betreuung hinsichtlich Informationen oder Hilfen im Alltag ist durch das Trainer- und Betreuerteam sichergestellt. Insbesondere ausländische Spieler, die unserer Sprache noch nicht mächtig sind, werden besonders solidarisch unterstützt», vermeldet der Verein gestern. Die Profis bekommen einen auf jeden Spieler angepassten Trainings- und Ernährungsplan. So soll gewährleistet werden, dass die Spieler in diesen Zwangsferien fit bleiben für den noch unterminierten Zeitpunkt der Wiederaufnahme des normalen Alltags und des Spielbetriebs. Wann dieser sein könnte, weiss niemand. Beim FCB wie in der restlichen Fussballwelt wird abgewartet mit Prognosen.

Andreas Vollmer

Andreas Vollmer

«Wir streben keinen Titel am Grünen Tisch an»

Sm’Aesch Pfeffingen Trainer Andreas Vollmer lernt in diesen Tagen, wie Home-Schooling funktioniert. Gestern musste er die Unterrichtsmaterialien für seine Tochter in der Schule abholen. Ab heute wird im Hause Vollmer gepaukt. Der ausgeprägte Bewegungsdrang der Familie wird in Zukunft dann grösstenteils im «Kellergym» ausgelebt. «Auch wenn man sich gut fühlt, kann man Leute anstecken. Deswegen wollen wir uns an das Versammlungsverbot halten», sagt Vollmer.

Seine Volleyballerinnen hat er am Freitag beim Training ein letztes Mal gesehen, einige zum vorerst letzten Mal. Die Ausländerinnen fliegen in diesen Tagen heim. Dora Grozer und Monika Christianska müssen vorerst in der Schweiz bleiben, da die Grenzen nach Ungarn oder Österreich zu sind. Die Spielerinnen, die noch da sind, zeigen sich solidarisch. Mit der Aktion «Mir hälfe» bieten die jetzt arbeitslosen Volleyballerinnen ihre Hilfe an. Auf Lohn müssen sie nicht verzichten. In einer Verwaltungsratssitzung hat Sm’Aesch entschieden, die Löhne ganz normal bis Ende April weiterzuzahlen.

«Wir wollen kulant und solidarisch sein», sagt Geschäftsführer Fabio Back. Auch zur sportlichen Situation sind äusserst faire Worte zu hören. «Wir streben keine Titel am Grünen Tisch an. Das wäre wertlos und emotional tod», sagt Vollmer. Der Verband hat noch nicht entschieden, wie die Saison gewertet wird. Sm’Aesch war Qualifikationssieger und stand im Cupfinal.

Dragan Andrejevic

Dragan Andrejevic

«Wir müssen die Massnahmen der Behörden befolgen»

Starwings Für Dragan Andrejevic steht ausser Frage, dass der Sport zurzeit nur eine untergeordnete Rolle spielt. Seine Frau kämpft als Ärztin an vorderster Front gegen die Ausbreitung des Corona-Virus. Auch der Trainer der Starwings ist damit einer höheren Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Deswegen appelliert er: «Wir müssen nun alle die Massnahmen der Behörden befolgen.» Zu Beginn des Ausbruchs hoffte er noch, die Saison zu verschieben oder die Spiele vor leeren Rängen durchzuführen. Doch als die Situation schlimmer wurde, realisierte Andrejevic sofort, dass weitere Trainings und Spiele aufgrund der Mobilität und dem Körperkontakt unverantwortlich wären.

Trotzdem schmerzt der Abbruch der Saison. Die amerikanischen Spieler reisten bereits in die Heimat. Das obligate Abschlussessen mit der Mannschaft fiel aus. Als Neunter der NLA waren die Playoff-Chancen der Starwings intakt. «Es macht mich traurig, keine Trainingszeit mehr mit meiner Mannschaft zu verbringen», sagt Andrejevic. An die Zukunft hat der Serbe noch nicht gross gedacht. «Es geht in dieser Situation nicht um Basketball.»

Meinrad Stöcklin

Meinrad Stöcklin

«Noch ausstehende Gelder werden nicht mehr eintreffen»

RTV Basel Die Handballer waren am letzten Donnerstag im vorgezogenen Liga-Spiel in Bern noch ein letztes Mal im Einsatz. Einen Tag nach der 29:34-Niederlage erklärte der Verband die Saison für beendet. Kurz darauf schloss der Kanton sämtliche Sportanlagen. Am Montagabend versammelte sich die 1. Mannschaft ein letztes Mal. Es war eine skurrile Szene. Um die Vorgaben des Bundes einzuhalten, fand die Abschlusssitzung draussen statt. Die Spieler mussten dabei den vorgeschriebenen Zweimeter-Abstand einhalten.

Der RTV empfahl seinen Ausländern, die Schweiz zu verlassen, da der RTV sie hier in den nächsten Wochen nicht beschäftigen kann. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Srđan Predragović müsste nach der Einreise in seiner Heimat Bosnien zunächst einmal 28 Tage in Quarantäne. Die Verträge der Profis im Kader laufen noch bis Ende Mai. Aktuell prüft der Vereinsanwalt, ob der RTV diese Spieler weiter voll entschädigen muss oder ob auch Sportvereine Anspruch auf staatliche Subventionen wie Kurzarbeit haben.

Obwohl der RTV durch den Abbruch der Saison dem drohenden Abstieg von der Schippe sprang, mag RTV-Sprecher Meinrad Stöcklin nicht positiv über das Corona-Virus sprechen. Er sagt: «Wir hätten den Ligaerhalt auch sportlich geschafft. Davon waren alle im Verein überzeugt.» Noch hat der Verband nicht entschieden, wie die Saison gewertet wird. Doch Stöcklin ist sich sicher: «Es wird zu 99,9 Prozent keinen Absteiger geben.» Sorgen bereiten beim RTV in diesen Tagen eher die Finanzen. «Noch ausstehende Gelder dürften nicht mehr eintreffen, wenn nicht mehr gespielt wird», sagt Stöcklin. Das ist ein harter Schlag für den RTV.

Daniel Rocamora Blazquez

Daniel Rocamora Blazquez

«Fit zu bleiben ist aktuell nicht so wichtig.»

Traktor Basel Die Volleyballer haben den Betrieb bereits am Freitag für alle Teams komplett eingestellt. «Wir machen, was der Bundesrat sagt», erklärt der Trainer des NLA-Teams Daniel Rocamora Blazquez. Durch den Abbruch der Saison entfällt für den Aufsteiger lediglich die Platzierungsrunde um die Ränge fünf bis acht. «Die Saison abzubrechen ist zwar schade, aber das ist eine gute Massnahme des Verbands», sagt Rocamora Blazquez.

Der Trainer macht aktuell eine Lehre zum Fachmann Betriebsunterhalt. Die Lektionen finden alle online statt. «Das ist komisch, aber man gewöhnt sich dran», so Rocamora Blazquez. Einen Trainingsplan hat er seinen Spielern bislang noch nicht erstellt: «Wir wissen ja nicht, was kommt. Fit zu bleiben, ist aktuell nicht so wichtig.» Stattdessen will sich Traktor Basel lieber um die Zukunft kümmern. Die Fragen lauten: Wie geht es mit den Sponsoren weiter? Was für ein Budget haben wir für die kommende Saison? Die soll im Herbst ganz normal starten.

Robert Othmann

Interview mit dem neuen EHC Basel Trainer Robert Othmann

«Die Gesundheit der Menschen steht über dem Sport»

EHC Basel Erstmals seit 2005 stand der EHC Basel wieder in einem Final - und dann wird dieser abgesagt und die Saison abgebrochen. Natürlich sind sowohl Spieler als auch die Verantwortlichen enttäuscht. «Es ist sehr schade. Das Team war bereit und die Jungs waren sehr motiviert», sagt Robert Othmann, Trainer beim EHC. Trotzdem ist für ihn eines ganz klar: «Die Gesundheit der Menschen steht über allem. Auch über dem Sport. Es ist halt ein bisschen scheisse, aber wir müssen es akzeptieren.» Ähnlich sieht das auch der Sportchef Olivier Schäublin: «Es ist, wie es ist und es geht allen gleich.»
Aktuell haben die Spieler frei. Die Gespräche zur nächsten Saison werden verschoben oder finden telefonisch statt. «Am Ende des Tages war es eine erfolgreiche Saison und ein grosser Schritt nach vorne. Nun ist es unser Ziel, im nächsten Jahr einen weiteren Schritt Richtung Aufstieg zu machen», sagt Sportchef Schäublin. Nach der Analyse der vergangenen Saison beginnt jetzt bereits die Planung der nächsten. Der Start des Sommertrainings ist auf Anfang Mai angesetzt. Ob individuell zu Hause oder bereits als Team gestartet werden kann, hängt vom weiteren Verlauf der Epidemie und den Massnahmen ab.

Patrick Mendelin

Patrick Mendelin

«Der Aufstiegstraum ist noch nicht begraben»

Unihockey Basel Regio Der Aufstieg in die höchste Spielklasse wäre zum Greifen nah. Die NLB-Unihockeyaner würden eigentlich zurzeit im Aufstiegs-Playoff gegen einen NLA-Vertreter antreten. Doch die Unihockey-Saison wurde abgebrochen. «Der Traum vom Aufstieg ist vorerst noch nicht begraben, aber die Chancen sind nicht riesig», sagt Sportchef Patrick Mendelin. Dass die Basler zumindest noch träumen dürfen, liegt daran, dass die Nationalliga noch nicht entschieden hat, wie die Saison gewertet wird. Zurzeit werden verschiedene Szenarien durchgespielt. Ob es für Basel zu einem Aufstieg am Grünen Tisch kommt, ist laut Mendelin aktuell noch nicht abzuschätzen.

Peter Schädler

Peter Schädler

«Jeder von uns kennt einen aus der Risikogruppe»

Regiofussball Zwar ruht auch der Ball in den unteren Fussballligen, doch abgebrochen hat der Schweizerische Fussballverband die Meisterschaften noch nicht. «Ich glaube aber nicht, dass diese Saison noch zu Ende gespielt wird», sagt Samir Tabakovic. Der Trainer der Black Stars beschäftigt sich in diesen Tagen bereits mit der Planung der kommenden Saison.

Auch für Muttenz-Trainer Peter Schädler ist die Wiederaufnahme wenig realistisch. Er hat der Mannschaft ein sportliches Home-Office auferlegt: Statt Fussballeinheiten auf dem grünen Rasen stehen individuelle Rumpfkraftübungen und Intervalltrainings auf dem Programm. Sportlich wäre ein Abbruch für beide Mannschaften bitter, in der Vorrunde überzeugten sie. Doch der Sport rückt für beide Trainer aktuell in den Hintergrund. Schädler ist als Sportlehrer in erster Linie damit beschäftigt, den Schulunterricht digital auszurichten. «Jeder von uns kennt jemanden aus der Risikogruppe», sagt er. Seine Gedanken kreisen für einmal nicht um den rollenden Ball.

Meistgesehen

Artboard 1