Pro und Kontra
Soll Embolo schon im Sommer zum VfL Wolfsburg wechseln?

FCB-Stürmerjuwel Breel Embolo verzückt derzeit nicht nur die Schweiz mit seinen Toren, sondern erregt auch die Aufmerksamkeit und Begehrlichkeiten ausländischer Klubs. Der VfL Wolfsburg hat die Fühler nach Embolo bereits ausgestreckt.

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Embolo jubelt nach seinem Champions-League-Tor gegen Ludogoret Rasgrad.

Embolo jubelt nach seinem Champions-League-Tor gegen Ludogoret Rasgrad.

Keystone
Pro: Georges Küng

Pro: Georges Küng

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Pro von Georges Küng:

Selbstverständlich ist Breel Embolo sehr jung. Natürlich hat er in der Raiffeisen Super League kaum Fuss gefasst. Und doch hat er gezeigt, dass er alle fussballerischen Voraussetzungen mitbringt, um eine internationale Grösse zu werden. Um dies auch zu erreichen, muss ein Schweizer Berufsfussballer ins Ausland gehen. In eine Liga, welche ein weltweites Ansehen und Prestige geniesst. Mit allem Respekt vor dem nationalen Championat – die Schweiz hat im letzten Jahrzehnt über 80 (!) Fussballer exportiert. Selbstverständlich haben einige überstürzt den Schritt ins Ausland gewagt – bei vielen waren es jedoch bloss finanzielle Gründe, warum sie in die Fremde gegangen sind.

Bei Embolo ist der Fall anders. Dieser Vollblutstürmer ist Kameruner. Er besticht, wie die meisten schwarzafrikanischen Jünglinge, durch eine beeindruckende Physis, die gen-bedingt ist. Menschen aus zwei Kulturkreisen, und Breel ist ein typisches Beispiel hiefür, sind reifer, flexibler und in ihrer Entwicklung voraus. Wer als Siebenjähriger von Kamerun ins „Glaibasel“ kommt und sich sofort im multi-kulturellen FC Nordstern (das war nämlich sein erster Fussballverein) zurecht findet, beweist Anpassungsfähigkeit.

Ein allfälliger Wechsel zum VfL Wolfsburg wäre «nur» ein Transfer «ennet des Rheines». Breel Embolo würde in ein Land gehen, dessen Sprache er beherrscht. Zu einem Klub, der weniger im medial-boulevardesken Fokus – wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Schalke 04 – steht. Wo bereits eine «Schweizer» Kolonie, in den Personen von Diego Benaglio, Timm Klose und Ricardo Rodriguez, unter Vertrag stehen. Alle sind auch multi-kulturell und haben italienische (Benaglio), deutsche (Klose) und spanisch-chilenisch (Rodriguez) Wurzeln. Und zwei davon, ex-Nationaltorhüter Benaglio und Rodriguez, haben in sehr jungen Jahren den Gang ins Ausland gewagt. Und dabei nur gewonnen!

Selbstverständlich kann bis Sommer 2015 noch viel, auch Negatives (Verletzungen), passieren. Aber vor Breel Donald Embolo haben bereits sehr viele junge Afrikaner den Sprung von ihrer Heimat nach Europa gewagt. Das ist mitunter ein Kulturschock in Länder, deren Sprache man nicht oft nicht spricht und Mentalität nicht kennt. Von Basel nach Wolfsburg ist es ein Alltags-Katzensprung – ligamässig jedoch ein Quantensprung!

Kontra: Jeremy Weill

Kontra: Jeremy Weill

ZVG

Kontra von Jeremy Weill:

Jedes Jahr stellt sich immer wieder dieselbe Frage bei den Talenten des FCB und in der Restschweiz: Wann gehen sie ins Ausland? Am krassesten war diese Debatte bei den damaligen U17-Weltmeistern 2009: Haris Seferovic und Nassim Ben Khalifa verliessen die Schweiz umgehend, während Ricardo Rodriguez und Granit Xhaka vorübergehend in der Super League blieben. Die Geschichten sind bekannt, Rodriguez hat sich vollends durchgesetzt, Seferovic und Xhaka haben nach Startschwierigkeiten auch Stammplätze in der Bundesliga (mit Vorteil Xhaka), während Nassim Ben Khalifa kaum Fortschritte gemacht hat.

Spricht also eher für einen Verbleib. Der jetzige Fall mit dem scheinbaren Wolfsburg-Angebot für Breel Embolo ist vor allem für FCB-Verhältnisse ein Novum: Noch keine 18 Jahre alt und erst 25 Pflichteinsätze für Basel, davon meistens Kurzeinsätze – so schnell war in den letzten Jahren keiner im Gespräch fürs Ausland. Sogar bei Xherdan Shaqiri wurde erst nach zwei Jahren im Fanionteam des FCB erstmals über einen Wechsel gesprochen, doch auch er entschied sich erst nach seiner dritten Saison für den Schritt zu Bayern. Dass er nun eine schwierige Zeit hat, liegt wohl eher am überragenden Bayern-Kader als an ihm.

Embolo ist seit kurzer Zeit in blendender Form, insbesondere die Auftritte in der Champions League haben das Interesse des VFL Wolfsburg sicherlich verstärkt. Doch Spielpraxis ist in diesem Alter das absolut Wichtigste und ein Rohdiamant wie Embolo würde mit einem jetzigen Wechsel zu viel riskieren. Vor allem zu einem Verein wie Wolfsburg. Zwar haben sich die Transferorgien seit dem Abgang von Felix Magath etwas beruhigt, doch insbesondere nun, mit einer realistischen Chance das erste Mal seit 2009 wieder in die Champions League zu kommen, könnten die vom VW-Konzern getragenen Wölfe auf dem Transfermarkt ordentlich für Wirbel sorgen – was Embolo sicher nicht entgegenkommen würde. Der 17-Jährige Offensivspieler muss sich zuerst bei Basel als Führungsspieler etablieren. Wenn ein Wechsel dann «erst» mit 19 stattfinden sollte, wäre ein rasanter Aufstieg im Weltfussball nicht minder, ja vielleicht sogar realistischer.