Skeleton

Sotschi im Visier: Startrakete Lukas Kummer hofft auf eine Sensation

Lukas Kummer unterwegs an der letztjährigen WM in St. Moritz. Foto: Keystone

Lukas Kummer unterwegs an der letztjährigen WM in St. Moritz. Foto: Keystone

Der Laufner Lukas Kummer unternimmt alles, um sich für die Winterspiele zu qualifizieren. Auch wenn der 28-Jährige dafür über sich selbst hinauswachsen muss.

Graues Herbstwetter hängt über der Schützenmatte. Zwei Joggerinnen drehen langsam ihre Runden. Ansonsten ist keine Menschenseele auf dem Areal. Noch stiller ist es ein Stockwerk tiefer, in der Sprinthalle. Gerade will ich wieder hochsteigen, als ein blauer Strich an mir vorbeirauscht. Es ist Lukas Kummer, der ehemalige OB-Sprinter und heutige Skeleton-Schweizer-Meister, der sich den letzten Schliff vor den Rennen in Übersee holt.

In Andermatt erfolgreich

Nachdem der Laufner schon fast traditionsgemäss die Starter-Meisterschaft auf der Rampe in Andermatt gewonnen hat, qualifizierte er sich bei den internen Selektionsrennen in La Plagne und Igls mit zwei Siegen diskussionslos für den Weltcup. Der Einstieg in den Olympiawinter ist dem 28-Jährigen geglückt, noch fehlt aber der Vergleich mit der internationalen Konkurrenz. Noch ist unklar, ob das intensivierte Training und die getroffenen Massnahmen den gewünschten Sprung nach vorne bringen. Die Ausgangslage ist klar: Will Lukas Kummer an den Olympischen Spielen teilnehmen, muss er besser sein als jemals zuvor. Die A-Limite fordert eine Top-8- und eine Top-12-Platzierung, die B-Limite drei Top-12-Ränge im Weltcup. Bislang sind ein 13. Weltcup-Platz in Igls sowie ein 17. Rang an der Heim-WM in St. Moritz die herausragenden Resultate des Baselbieters. Die Olympiaselektion ist also kein Selbstläufer, sondern käme einer kleinen Sensation gleich.

Vor einer Olympiasaison steigern viele Sportler ihren Aufwand, Lukas Kummer ist da keine Ausnahme. Trotzdem beeindruckt das Engagement des Laufners und er könnte die entscheidenden Massnahmen getroffen haben, um die nötigen Zehntel aufzuholen. Erstmals musste Kummer in diesem Jahr nicht studieren oder arbeiten, sondern konnte sich als Profi ganz dem Sport widmen. Dies wegen seiner treuen Sponsoren und dank den Geldern, die er als Mitglied des «Baselbieter Olympia-Teams» erhält.

Einer der Sorte «Holzfäller»

Dieser Status erlaubt ihm eine stärkere Fokussierung. «Ich musste den ganzen Sommer an nichts anderes als an den Sport denken», sagt der studierte Jurist. Den zu seinem Fahrstil («mein Trainer nennt mich den Typ Holzfäller») passenden Schlitten hat der Pilot Ende letzter Saison gefunden. Um das Gefühl zu verbessern, begab er sich im Sommer regelmässig in den Keller, legte sich auf sein Renngefährt und visualisierte die Bahnen. Dies soll Automatismen festigen und ruckartige Korrekturbewegungen verhindern. Tatsächlich fühlte sich Kummer im Herbst bei den ersten Fahrten im Eiskanal direkt wohl. Ein neues Gefühl für ihn. Dies ist auch nötig. In Absprache mit Nationalcoach Michael Grünberger fährt Kummer neue Kufen. «Sie sind kompetitiver», sagt er. Das heisst, runder, dadurch weniger tief im Eis und schneller. Bei einem Fehler steht der Schlitten dadurch aber auch schneller quer.

Im Sommer traf sich Kummer zudem nicht nur mit einem Mentaltrainer, sondern auch mit einem Optometristen. Dieser zeigte Kummer Übungen, um die Sehgenauigkeit bei hoher Geschwindigkeit und schwierigen Lichtverhältnissen zu verbessern.

Calgary statt Sotschi

Während sich die Top-Athleten vor dem Weltcup-Start in Russland an die Olympiastrecke gewöhnen, sind die Schweizer Skeletonfahrer nach Calgary geflogen. Dort starten sie ab heute am North America’s Cup, gehen dann für eine Trainingswoche nach Lake Placid und wieder zurück nach Calgary zum Weltcup-Start. Der Plan ist klar: Der Fokus gilt (vorerst) nicht Olympia, sondern der Olympiaqualifikation. Calgary ist die erste, Lake Placid die dritte Weltcupstation. Die Schweizer können sich auf den Weltcupstrecken einfahren, eine erste Standortbestimmung machen und sparen sich gleichzeitig die Reisekosten nach Russland. Nach Nordamerika hätten sie für den Weltcup sowieso reisen müssen. «Im Idealfall kann ich in den ersten Rennen bereits alles klarmachen», sagt Kummer halb im Scherz, halb ernst.

Bestzeit verbessert

In Andermatt, La Plagne und Igls hat Kummer seine persönliche Startzeit verbessert, und in einem Trainingslager mit den Dukurs-Brüdern, die wie er im Sika Racing Team sind und in Sotschi zu den Medaillenanwärtern zählen, hat sich gezeigt, dass Kummer aufholen konnte. Beim Start und beim Top-Speed. Wenn Kummer alle Anstrengungen des Sommers auf die Bahn bringen kann, könnte die Sensation tatsächlich möglich sein.

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