Wenn am Mittwochabend die ganze Fussball-Welt nach Barcelona blickte, so schaut zu­mindest in der nächsten Woche der Grossteil der Asiaten nach Basel. Weniger zum FC Basel als zum Swiss Open, denn Badminton ist in fast allen asiatischen Ländern der Volkssport schlechthin.

Lin Dan als Aushängeschild

Der Veranstalter kann mit berechtigtem Stolz vermelden, dass im Herren-Einzel mit Lin Dan (33) ein Mann zu bewundern sein wird, der in seiner langen Laufbahn über ein einzig­artiges Palmarès verfügt.

Der Chinese ist zweifacher Olympiasieger, fünffacher Weltmeis­ter und gewann sechs Mal die «All England». Im Alter von 28 Jahre schaffte der Asiate mit dem Gewinn aller grossen Turniere als erster und bis dato einziger Spieler überhaupt, den sogenannten «Super Grand Slam»: Olympische Spiele, Weltmeisterschaft, All England, Thomas Cup, Sudirman Cup, World Cup, BWF World Superseries Finals, Asien-Spiel und die asiatischen Meisterschaften.

Lin Dan schaffte als einziger Spieler der Geschichte den «Super Grand Slam».

Lin Dan schaffte als einziger Spieler der Geschichte den «Super Grand Slam».

Von vielen Experten wird er als bester Spieler aller Zeiten bezeichnet. Man tut Roger Federer nicht Unrecht, wenn man Lin Dan bezüglich Palmarès und Popularität (zumindest in Asien) auf die gleiche Stufe wie den Schweizer Tennis-Mae­stro stellt.

Im Dameneinzel führt Publikumsliebling Saina Nehwal (Indien) die Anmeldliste an. Und im Herren-Doppel haben sich gut die Hälfte der Top 30 angemeldet, während im Mixed-Dop­pel die Weltnummer 1 (die Chinesen Zheng/Chen) am Start ist.

Deutscher Geheimfavorit

Wer Badminton sagt, denkt an die asiatischen Shuttle-Virtuosen. Aber immer wieder ge­lingt es Europäern, in die Phalanx der Chinesen, Inder, Indonesier, Japaner, Koreaner, Ma­laysier, Taiwaner und Thailänder einzudringen.

Und Basel kann nächste Woche einen Mann präsentieren, dem eine grosse Zukunft prophezeit wird. «Seit jeher geben wir jun­gen, aufstrebenden Talenten in Basel eine Startgelegenheit. Es sind Spieler, die noch nicht der Weltspitze angehören, aber meist ein oder zwei Jahre später plötzlich in den Top Ten stehen», so Turnier-Präsident Christian Wackernagel.

Die weltbesten Badmintonspieler werden in Basel antreten.

Die weltbesten Badmintonspieler werden in Basel antreten.

Und heuer denkt er vor allem an Fa­bian Roth. Der 21-jährige Karlsruher war ein Jahr verletzt, hat aber seit seinem Wiederein­stieg mehrfach für Furore gesorgt und angedeutet, dass er bereits in Basel zum Geheimfa­voriten mutieren könnte.

Der Deutsche darf als eine Art «Lokalmatador» bezeichnet wer­den, so dass mit Sicherheit viele Badminton-Freunde aus Baden-Württemberg den Weg in die St. Jakobshalle finden werden.

In der Form ihres Lebens

Aus Schweizer Sicht ist man auf den Auftritt von Sabrina Jaquet gespannt. Die 29-jährige Neuenburgerin aus La Chaux-de-Fonds ist die Weltnummer 40 (und somit eine der besten Europäerinnen) – und zeigte in den letzten Monaten Leistungen, welche die Fachwelt ver­blüfften.

Die zweifache Olympia-Teilnehmerin (London 2012, Rio de Janeiro 2016) ist für einen Exploit gut - «und bereit», wie sie angekündigt hat. Andere Schweizer Teilnehmer müssen die Qualifikation bestreiten; und dürften, wie in all den Jahren zuvor, chancenlos sein, das 32er-Haupttableau zu erreichen.

Am Swiss Open wird wohl kein Schweizer vorne mitmischen können - ausser Sabrina Jaquet?

Am Swiss Open wird wohl kein Schweizer vorne mitmischen können - ausser Sabrina Jaquet?

Weltweite TV-Präsenz

Badminton erfreut sich in allen asiatischen Ländern seit jeher einer ungeheuren Populari­tät. Das hat zur Folge, dass gut 300 Millionen Menschen am Final-Wochenende Livebilder aus der St. Jakobshalle sehen werden. Kaum ein Sportanlass auf Schweizer Boden kann auf solch eine Fernsehpräsenz respektive TV-Abdeckung verweisen.

Dass das Schwei­zer Fernsehen zur gleichen Zeit sein Schwergewicht auf die Fussball-Meisterschaft (in ei­ner Woche ist FCB gegen GC, wobei die Matchbesucher freien Eintritt für das Swiss Open geniessen) und die Eishockey-Playoffs legt, findet der Veranstalter zwar schade, ist aber verständlich.

WM in Basel?

Zu mehr nationaler TV-Präsenz könnte Badminton dann im Jahre 2019 kommen. Denn am übernächsten Samstag entscheidet der Weltverband, ob Basel den Zuschlag für die Bad- minton-Weltmeisterschaft 2019 erhält.

Die Chancen stehen gut, denn die Swiss-Open-Organisatoren und Swiss Badminton haben ein 100-seitiges Dossier eingereicht. Einziger Rivale ist noch Tokio, wobei sich Europa und Asien immer mit der WM abwechseln. Und weil diese im nächsten Jahr in Asien stattfindet, dürfte Basel im Jahre 2019 nicht nur Schauplatz der 29. Swiss Open, sondern eben auch der WM sein.