Herr Blaser, am Sonntag hat die Frauenequipe des FC Basel die Ehre, im Joggeli ihren Spitzenkampf gegen den FC Zürich auszutragen. Wie kam es dazu?

Martin Blaser: Es herrscht ja vielerorts die latente Meinung, dass in einer Fussballorganisation der Frauenfussball eher stiefmütterlich behandelt wird. Da ich von meinem Charakter her jemand bin, der gerne Dinge angeht, war es mein Ziel zu schauen, was im Bereich des Frauenfussballs in Basel mit maximaler Marketingunterstützung machbar ist.

Was genau wollen Sie dabei herausfinden, beziehungsweise damit erreichen?

Wir wollen eine erste Benchmark in Basel schaffen. In Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor der Frauenmannschaft, dem Grand Casino Basel, konnten wir bereits in den vergangenen Tagen die Werbetrommel ordentlich rühren. Es ist ein Glück, dass das Casino als Basler Institution sich von dieser Idee begeistern liess und bereit war, gewisse Promotionsaktivitäten im Vorfeld des Spiels finanziell zu unterstützen. Und jetzt lassen wir uns überraschen, wie viele Leute an ein Spiel der Frauen im Joggeli kommen. Und wir hoffen alle, dass für diesen Test der Nachwuchs-Campus zu klein gewesen wäre. Daher der Schritt ins Joggeli.

Wie viele Besucher müssten denn kommen, damit sich der Anlass lohnt?

Wir sind uns bewusst, dass wegen dieses Spiels die Welt sicher nicht stillstehen wird. Wir werden am Abend nach dem Spiel eine erste Bilanz ziehen.

Wann fällt diese positiv, wann negativ aus?

Schauen sie, ich habe auf den Tag genau vor 10 Jahren, am 26. März 2007, als ich bei GC tätig war, ein Freundschaftsspiel gegen die US Città di Palermo organisiert. Damals lagen zwei Tage vor dem Spiel 14 Zentimeter Neuschnee in Zürich. Daher sage ich: Das Wetter wird keinen unwesentlichen Anteil haben. Sollte dieses aber sehr gut sein, dann würde die Bilanz für mich mit 2000 Besuchern positiv ausfallen. Das wäre für mich mit einer 5–6 in der Schule zu vergleichen, und, ich kann nur für mich reden, aber mit dieser Note war ich in der Schule immer sehr zufrieden.

Sind 2000 Besucher denn auch wirklich realistisch?

Ich habe mir sagen lassen, dass auch noch Bummelsonntag ist. Aber jeder macht, was ihm Spass macht. Wir werden es also sehen. Aber ich denke, 2000 Besucher sind eine realistische obere Grenze.

Wenn Sie glauben, dass das Wetter einen solchen Einfluss haben wird und eben auch noch Bummelsonntag ist – wäre dann ein anderer Tag nicht geeigneter gewesen?

Wir haben den Entscheid bereits im letzten Sommer getroffen. Damals haben wir geschaut, welches Spiel ein potenzielles Spitzenspiel werden könnte und uns für dieses entschieden. Ich bin damals auf die Cheftrainerin, Sissy Raith, zugegangen um zu fragen, ob überhaupt ein Interesse bestünde. Ich wollte nicht über die Köpfe der Sport-Verantwortlichen hinweg entscheiden. Aber sie fand es gleich eine super Idee. Und dadurch, dass die erste Mannschaft dann Nati-Pause hat, denke ich, dass es gut gelegen ist.

Martin Blaser, Direktor Marketing und Verkauf beim FC Basel.

Martin Blaser, Direktor Marketing und Verkauf beim FC Basel.

War ein Doppelspieltag, wie das früher bei den Cupfinals der Fall war, als die Frauen jeweils vor den Männern spielten, ebenfalls ein Thema, um noch mehr Besucher anzulocken und allenfalls auch auf die erste Mannschaft der Männer als Zuschauer zählen zu können?

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass das Spiel einen Einzelstatus geniessen soll. An diesem Wochenende steht es in keiner Konkurrenz mit einem Spiel der 1. Mannschaft oder des Nachwuchses. Ich finde das persönlich besser. Ich habe mich seinerzeit auch dafür eingesetzt, dass solche Doppelspieltage bei Schweizer Cupfinals abgeschafft wurden. Und an das Spiel am Sonntag können ja immer noch jene Spieler der ersten Mannschaft kommen, die kein Aufgebot für eine Nationalmannschaft bekommen haben.

Soll das Spiel am Sonntag eine einmalige Sache bleiben, oder sind bereits weitere solcher Gastspiele der Frauen im Joggeli geplant?

Das Ziel ist, dass einmal pro Jahr ein solches «Spiel des Jahres» der Frauen im Joggeli stattfinden und sich etablieren soll. Dass dies mehrmals pro Jahr der Fall sein wird, ist unwahrscheinlich, allein schon vom Aufwand her. Vielleicht merken wir irgendwann, dass das Joggeli zu gross ist und suchen eine andere Spielstätte für dieses Spiel. Aber es würde mich freuen, wenn sich über die Jahre etwas entwickeln würde, sodass jeweils 4000 bis 5000 Leute motiviert werden können, diesen Anlass zu besuchen.

Wie präsentiert sich bei einem Spiel, das eben doch im Joggeli stattfindet, die Sicherheitssituation?

Die Sicherheit ist natürlich wichtig und wird im Rahmen der Vorgaben von Beat Meier, Leiter Stadionsicherheit, umgesetzt. Aber da nur das Parkett im A offen ist sowie die Captains – und die V-Zug-Lounge, glaube ich, dass das Ganze überschaubar ist.