Welt- und Europameister im Leichtgewichts-Zweier ohne, Welt- und Europameister im Leichtgewichts-Vierer ohne und als Krönung Olympiasieger im Leichtgewichts-Vierer ohne – Simon Niepmann und Lucas Tramèr haben in ihrer Karriere alles gewonnen, was es im Rudersport zu gewinnen gibt.

Nach dem grossen Triumph gemeinsam mit ihren Teamkollegen Mario Gyr und Simon Schürch an den Olympischen Spielen in Rio haben sie ein Jahr pausiert.

Ein Jahr, in dem der Rudersport nicht im Zentrum stand. Ein Jahr, in dem sie sich Gedanken über ihre Zukunft gemacht und an ihrer beruflichen Laufbahn gearbeitet haben. Rücktritt auf dem Höhepunkt oder doch noch ein Comeback? Das war die Frage, die sich stellte.

Simon Niepmann und Lucas Tramèr haben sich entschieden. Die beiden Weltklasseathleten vom Basler Ruder-Club treten vom Spitzensport zurück. Wir haben mit ihnen über die Gründe für ihren Entscheid, ihre Karriere als Spitzensportler und ihre Zukunft gesprochen.

Simon Niepmann: «Ich habe mehr erreicht als erhofft»

«Ich habe mir ein Jahr Zeit genommen, um den richtigen Entscheid zu fällen. Im letzten Winter war ich mir eigentlich schon fast sicher, dass ich zurücktreten werde. Als der Ruder-Weltcup dann aber im Frühling wieder losging, hat es mich doch wieder gereizt.

Mir war jedoch bewusst, dass der Aufwand riesig ist, um nochmals an die Weltspitze zu gelangen. Kommt hinzu, dass unsere Bootsklasse in Tokio nicht mehr olympisch ist. Ich hätte also gleich viel trainieren müssen, aber die Aussichten waren deutlich schlechter. Ich habe mich daher entschieden, auf dem Höhepunkt aufzuhören.

Dieser Entscheid stimmt für mich, denn ich habe in meiner Karriere mehr erreicht, als ich das je für möglich gehalten hätte. Ich bin besonders stolz darauf, dass wir es als Team geschafft haben, innerhalb von acht Jahren aus dem Nichts bis zum Olympiasieg zu kommen. Wir mussten alle Erfahrungen selber machen. Es gab in der Schweiz niemanden, der uns davor den Weg schon geebnet hatte.

Der Rudersport wird auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil meines Lebens sein. Ich möchte weiterhin regelmässig rudern, um fit zu bleiben und meine Kontakte zu pflegen. Vermutlich werde ich auch hin und wieder Rennen bestreiten.

Der Wettkampf auf höchstem Niveau und der Austausch mit den anderen Profis werden mir sicherlich fehlen, aber mein Fokus liegt nun auf meinem Beruf. Ich habe in den letzten zehn Monaten viel in meine Masterarbeit investiert und habe mein Studium abgeschlossen. Nun möchte ich so schnell wie möglich als Gymnasiallehrer Fuss fassen.»

Lucas Tramèr: «Ein Comeback war gar nicht möglich»

«Bei mir fiel der Rücktrittsentscheid schon relativ früh. Meine Verletzung (chronische Sehnenentzündung in beiden Knien, Anm. d. Red) hätte ein Comeback gar nicht mehr zugelassen. Vor allem deshalb nicht, weil der Aufwand bei einem Comeback noch grösser geworden wäre. Ich hätte die Bootsklasse wechseln müssen, und das nach einem Jahr Pause. Dieses Risiko war mir zu gross, das wollte ich nicht eingehen.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich akzeptieren konnte, dass ich wegen meines Körpers aufhören muss. Mittlerweile kann ich das aber so annehmen. Wenn mein Körper streikt, dann hat das einen Grund. Trotzdem ist der Rücktritt auch ein Abschied. Das Rudern war ein äusserst wichtiger Teil meines Lebens, den ich nun durch etwas anderes ersetzen muss. Das wird schwierig.

Ich muss in meinem Beruf etwas finden, das mich so sehr motiviert, wie es die olympische Goldmedaille im Sport getan hat. Das Gefühl, Spitzensportler zu sein und in meinem Sport zu den besten Athleten der Welt zu gehören, wird mir sicher fehlen.

Ich werde dem Rudersport auch in Zukunft treu bleiben. Wenn es mein Körper zulässt, möchte ich auch gerne selber wieder regelmässig ins Boot steigen. Zudem helfe ich derzeit bei einem Projekt mit, das Ruderkurse für Kinder mit Asthma anbietet. Ich möchte den Jungen meine Erfahrungen weitergeben.

Voraussichtlich werde ich im Sommer mein Medizinstudium abschliessen und sehe meine berufliche Zukunft in der Sportmedizin. Ich kann es mir durchaus vorstellen, in diesem Bereich einmal für den Ruderverband zu arbeiten.»