FC Basel
Sportdirektor Heitz vor Schlagerspiel: «Paulo Sousa wurde Unrecht getan»

Basels Sportdirektor Georg Heitz ist von den Qualitäten seines fordernden Trainers aus Portugal überzeugt

Sebastian Wendel
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Die Neuerungen von Paulo Sousa zahlen sich langsam aus.

Die Neuerungen von Paulo Sousa zahlen sich langsam aus.

Keystone

«Wir müssen uns nichts vormachen: Das 1:5 ist die Realität – ganz einfach», analysierte FCB-Captain Marco Streller den Untergang Mitte September in Madrid. Vergangenen Mittwoch, hinter ihm lag der begeisternde Auftritt im Rückspiel, sagte Strellers Stellvertreter Fabian Frei: «Ich ärgere mich über das 0:1, weil mehr dringelegen wäre. Sogar der Sieg!»

Zwischen den Aussagen der beiden Basler Leithammel liegen nur zwei Monate – stärker kontrastieren könnten sie kaum. Damals, im September, war der FC Basel ein fragiles Gebilde.

Wirre Rotationen von Personal und Systemen, verunsicherte Spieler. Auch Trainer Paulo Sousa spürte die Unruhe in und um die Mannschaft, warum sonst stellte er nach der Ohrfeige im Bernabéu noch in der Kabine die Vertrauensfrage. «Seid Ihr überzeugt von meinem Weg? Wollt Ihr ihn weitergehen?» Die Spieler hätten alle genickt.

Nicken würden sie auch heute – mit noch mehr Überzeugung als damals in den Hallen des Madrider Fussballtempels. Sousa und die Mannschaft sind näher zusammengerückt: weil einerseits der Trainer nach einer langen Phase des Ausprobierens ein personelles und taktisches Grundgerüst gefunden hat, weil andererseits die Spieler den extrem fordernden Portugiesen immer besser verstehen.

Das Resultat: keine Spur von Tristesse, dafür phasenweise Champagner-Fussball. Drei Siege in der Super League, alle zu null. Das 4:0 gegen Ludogorez Rasgrad, der höchste FCB-Sieg in der Champions League. Und vor vier Tagen das Schnuppern an der Sensation gegen die Königlichen, was Real-Trainer Carlo Ancelotti zum Fazit bewegte: «Basel ist Favorit gegen Liverpool, sie sind in einer besseren Verfassung.»

Vor den letzten drei Spielen des Jahres, das wichtigste ist dabei der Final um die Achtelfinal-Qualifikation in der Champions League in Liverpool, blickt der FCB-Sportdirektor zurück auf die zwei Monate zwischen den Real-Spielen.

Georg Heitz, zuerst zu Carlo Ancelotti und seiner Prognose. Reist der FCB als Favorit nach Liverpool?
Die Aussagen ehren uns. Wir haben bewiesen, dass wir in der Lage sind, Liverpool zu schlagen (1:0 im Hinspiel; d. Red.). Trotzdem ist es immer noch eine andere Welt, in der sich der Gegner bewegt.

Hat der FCB am Mittwoch gegen Real Madrid am Leistungszenit gespielt?

Es war phasenweise wirklich gut. Aber wir haben verloren – am Ende zählt auch nach solch einem Spiel das Resultat. Insofern ist es positiv, dass sich die Spieler in der Kabine ärgerten. Verloren ist verloren, egal wer gerade der Gegner war.

Die aktuelle Entwicklung muss für Sie als Sportdirektor erfreulich sein.

Wir haben in den vergangenen Wochen die Stilsicherheit gefunden. Und im Fussball zählen am Ende des Tages die Ergebnisse, so gesehen, sind wir momentan zufrieden.

Gab es Momente, in denen Sie zweifelten, dass es zwischen Sousa und der Mannschaft hinhaut?

Es ist immer gefährlich, zu früh Bilanz zu ziehen, das gilt auch in der jetzigen, erfreulichen Phase. Bei den Journalisten hatte sich wegen der neuen Medienpolitik etwas aufgestaut. Das 1:5 in Madrid war der Anlass, das Ventil zu öffnen. Sousa wurde Unrecht getan, womit er als Profi aber auch leben muss und auch kann. Um auf Ihre Frage zurückzukommen . . .

Ja?

Wir haben mit den Transfers vor der Saison und mit dem Trainerwechsel empfindlich ins Mannschaftsgefüge eingegriffen. Auch wenn man es nicht gerne hört: Ein solcher Prozess braucht Zeit. Nein, ich habe nicht gezweifelt.

Nach dem 1:5 in Madrid sagten Sie, Sie erkennen den Plan von Sousa. Was sehen Sie heute?

Die Automatismen funktionieren viel besser, die Ideen des Trainers sind klar erkennbar. Zum Beispiel gefällt es mir, wie die Mannschaft es schafft, sich spielerisch aus der Defensive zu befreien.

Hatten Sie einen Aha-Effekt, anhand dessen Sie wussten: Jetzt kommt es gut?

Es sind Sachen haften geblieben. Etwa derAuftritt von Fabian Schär beim Cup-Spiel in Wohlen. Nicht zwangsläufig ein Anlass, um bis in die Haarspitzen motiviert zu sein. Wie er dann als Leader vorangegangen ist und die Mannschaft zum Sieg geführt hat, das war beeindruckend. So, wie wir das von ihm als Nationalspieler erhoffen. Oder der Sieg gegen GC (2:0;
d. Red.): kein spektakuläres Spiel, aber ein souveräner Auftritt. Viele Spieler sind zurzeit in guter Form.

Sie bezeichneten die Zusammenarbeit mit Sousa einst als «anstrengend» – hat sich das mittlerweile eingespielt?

«Anstrengend» ist der falsche Begriff, «fordernd» trifft es eher. Wir konnten ihm viele Wünsche erfüllen. Doch er hat wie alle Trainer hohe Ansprüche. Unser langjähriger Teammanager Gusti Nussbaumer hat einmal gesagt: Wenn ein Trainer nichts mehr will, stimmt etwas nicht. Wir kennen Sousa nun besser und er uns, doch er hält uns auf Trab. Auch für uns in der Klubleitung ist es wichtig, nicht in der Komfortzone hängen zu bleiben. Dafür braucht es manchmal quere Ideen und neue Impulse.

In Zürich, Luzern und Liverpool kann der FCB die Vorrunde vergolden, aber auch die Führung in der Super League und die Champions-League-Achtelfinals verspielen. Welchen Einfluss haben die Spiele auf Sousas Bilanz?

Keinen entscheidenden. Es sind nur drei Spiele, eines davon ein Final: An einem solchen Tag kann vieles gegen dich laufen: eine rote Karte oder bei Gegentoren fünf Spieler im Offside. Wir haben Vertrauen in unser Team, in die Führungsspieler: Sie haben in der Vergangenheit sehr oft in entscheidenden Momenten ihre Leistung abgeliefert.