Leichtathletik-WM
Sprinter Alex Wilson will die Katastrophe von Daegu vergessen machen

Der Basler Sprinter Alex Wilson will an der WM in Moskau sein Potenzial über 200 m ausspielen. «Wenn alles stimmt, kanns für den Final reichen», sagt er. Nach der missglückten WM in Daegu hat er vieles gutzumachen.

Jörg Greb
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Alex Wilson startet an der WM über 200 Meter.

Alex Wilson startet an der WM über 200 Meter.

Juri Junkov

Nein, das wars nicht gewesen. «Das WM-Debüt vor zwei Jahren in Daegu entsprach einer Katastrophe», sagt Alex Wilson. Eine Magenverrstimmung hatte er damals aufgelesen. Folge davon war ein Gewichtsverlust von mehreren Kilogramm.

Und das zeigte sich im Rennen brutal. Die Kraft fehlte, und auf der zweiten Streckenhälfte seines 200-m-Vorlaufs «kam nichts mehr». Sang- und klanglos schied er aus. Misslungen war auch die angesteuerte Direkt-Korrektur: Mit der Staffel glitt Wilson der Stab aus der Hand. Zwei Einsätze, zwei Nuller.

Das will er bald 23-Jährige nicht aus sich sitzen lassen. «Ich habe vieles gutzumachen», sagt er vor den diesjährigen Weltmeisterschaften (10. bis 18. August). Und orientiert sich dabei an seiner Leistung vom letzten Sommer, als er an den Olympischen Spielen in London über 200 m in den Halbfinal vorstiess und den beachtlichen 15. Schlussrang belegte. «Jenes Rennen war gut», sagt er. Und fügt an: «Aber ich kanns noch besser als 2012.»

Die 200 m läuft Alex Wilson, obwohl ihm über die halbe Bahnrunde in diesem Jahr das absolute Topergebnis (noch) fehlt. Oder ein Erfolgserlebnis, zu dem er über die 100 m gekommen ist. Anfang Juli verbesserte er in Bulle den 18 Jahre alten Schweizer Rekord von Dave Dollé von 10,16 auf 10,12 Sekunden.

Mit dieser Leistung figuriert er in der Weltbestenliste deutlich weiter vorne (Rang 49) als mit seiner 200-m-Saisonbestmarke von 20,60 (91). Doch diesem Fakt zum Trotz sagt Wilson: «Ich sehe über die längere Distanz die besseren Chancen, nicht zuletzt, weil du an einer WM nie genau weisst, wer alles die 200 m noch in Angriff nimmt.»

Und einen weiteren Punkt sieht er, der für ihn sprechen müsste: «Die 100 m sind Pokersache, sind Glück, die 200 m harte Arbeit.»

Und natürlich hofft Alex Wilson, dass er bis zu seinen Einsätzen in einer Woche zusätzlich in Fahrt kommen wird. Er will den zwiespältigen Eindruck, den er bis anhin in seiner Paradedistanz hinterlassen hat, korrigieren. Rätseln über den Grund muss er nicht.

Wegen Reizungen der Achillessehne verzichtete er im Training während dreier Monate auf Kurvenläufe. Ebenso fehlten die längeren Sprints, über 120, 150 m. Diesem Manko versuchte er in der letzten Vorbereitung einen Kontrapunkt entgegenzusetzen. «Ich kam lange nicht hinein in die Saison», sagt er, «mir fehlten die Wettkämpfe.»

Die letzte Vorbereitung aber lieferte ihm «die Gewissheit, dass es doch noch reichen wird». Und Grenzen will er keine sehen. «Wenn alles stimmt, kanns für den Final reichen», sagt er. Wilson will sein Potenzial abrufen.

Und Wilson will umsetzen, was er in den letzten Wochen zu verinnerlichen trachtete: «In der Kurve zügig anlaufen, aggressiv sein, aber nicht zu aggressiv.» Festgestellt haben er und seine Trainer Christian Oberer und Lucio di Tizio, dass zu viel Energieeinsatz in der Kurve auf das Endergebnis drückt. Wilson wills anders, will «bis am Schluss fighten und dabeisein».

Und nicht zuletzt denkt Alex Wilson auch bereits an den nächsten Sommer mit der Heim-EM in Zürich. «Diese kontinentalen Titelkämpfe werden mir ganz anderes ermöglichen», sagt er. In Europa zählt er bereits zur Elite.