Die Gewinner

Fabian Frei

Er hätte nie gesagt, dass er unglücklich ist. Dass er keine Freude daran hat, den Innenverteidiger zu geben. Aber das brauchte er auch nicht. Seine Körpersprache war Zeichen genug. Mit dem Wechsel von Raphael Wicky zu Marcel Koller hat sich diese aber verändert. Frei strotzt wieder vor Spielfreude. Denn Koller sieht den 29-Jährigen als das, als was Frei sich am wohlsten fühlt: als Mittelfeldspieler. Natürlich, auch unter Koller hat Frei in der Verteidigung aushelfen müssen. Glücklich hat das beide nicht gemacht. Frei hat es aber einfacher hingenommen, weil er wusste, dass er bald wieder auf der Sechs spielen wird.

Dort also, wo er wieder aufgeblüht ist, wo er zu alter Stärke gefunden hat und jene Verstärkung geworden ist, als die er angepriesen worden war. Gegen Thun schob ihn Koller noch eine Reihe nach vorne, weil er in Frei Attribute eines Spielmachers sieht. Und auch wenn die Resultate zuletzt nicht mehr stimmten, haben für Frei die guten Zeiten überhandgenommen. Er ist Kollers verlängerter Arm – und der grösste Gewinner des Trainer-Wechsels. (cfe)

Fabian Frei

  

Ricky van Wolfswinkel

Der «Königstransfer» (O-Ton Marco Streller) des Sommers 2017 hatte eine schwierige erste Saison beim FC Basel. Zwar erzielte er zu Beginn gleich Tore am Laufmeter, doch dann verletzte er sich beim Rekordspiel gegen Benfica, brach sich den Fuss und musste bis kurz vor der Winterpause aussetzen. Als er langsam wieder Tritt fand, war die Meisterschaft praktisch entschieden. Und dann verpasste er die letzten Spiele aufgrund einer Knieoperation (Seitenband).

Während van Wolfswinkels verletzungsbedingter Abwesenheiten blühte Albian Ajeti derart auf, dass er gestern erstmals in die A-Nationalmannschaft einrücken durfte. Van Wolfswinkel hingegen fand sich bei Wicky zu Saisonbeginn auf der Bank. Kaum war Marcel Koller auf der Bank, spielte der Holländer. Nicht als Stürmer (mit Ausnahme des Rückspiels gegen Apollon in Zypern) wie von den meisten erwartet, sondern als Flügel. Ein guter Schachzug. Van Wolfswinkel traf im ersten Spiel gegen GC und wurde dann zum Mr. Europa. Drei von fünf Toren in der Europa-League-Qualifikation gingen auf sein Konto. (sel)

Ricky van Wolfswinkel

  

Noah Okafor

Als Noah Okafor im Januar in Marbella ein Traumtor gegen Tianjin Quanjian erzielte, staunten die Zuschauer nicht schlecht. Wer ist dieser junge Mann? Aus der U18 hochgezogen zu den Profis, zarte 17 Jahre jung, machte er also ein erstes Mal im Kreis der ersten Mannschaft auf sich aufmerksam. Es sollte für lange Zeit das letzte Ausrufezeichen bleiben. Obwohl Raphael Wicky nicht aus dem Schwärmen kam, wenn er auf Okafor angesprochen wurde, musste der Jungprofi lange auf sein erstes Pflichtspiel warten. Erst Ende Mai debütierte er – danach setzte Wicky ihn nie mehr ein.

Ganz anders Marcel Koller. In jedem Liga-Spiel gewährte er dem mittlerweile 18-Jährigen Einsatzminuten. Gegen Limassol ermöglichte er ihm ausserdem sein Europacup-Debüt. Zwar spricht Koller immer davon, dass die Jungen noch viel lernen müssen. Okafor scheint in seinen Augen aber weiter zu sein als andere. Weiter auch als Dimitri Oberlin, vor dem er zuletzt meist den Vorzug genoss. Es ist nur eines von vielen Zeichen, das verdeutlicht, wie stark Okafor gewonnen hat im letzten Monat. (cfe)

Noah Okafor

  

Die Verlierer

Aldo Kalulu

Seine Verpflichtung wurde drei Tage vor dem Wechsel von Mohamed Elyounoussi zu Southampton bekannt. FCB-Sportchef Marco Streller sagte: «Mit Aldo Kalulu konnten wir Mois Abgang vorzeitig abfedern.» Der 22-jährige Franzose war umworben. Klubs aus Frankreich, Spanien und Schweizer Meister YB waren interessiert. Das kam nicht von ungefähr: Kalulu ist zwar klein, aber ungemein wendig und schnell. Er wurde beim französischen Spitzenklub Lyon ausgebildet, wo er auch seine ersten Schritte im Profifussball machte. Verletzungen, Trainerwechsel: Kalulu wechselte zu Sochaux in die Ligue 2 und fand dort richtig tritt – 12 Tore, 3 Assists seine Ausbeute letzte Saison.

So wollte er in Basel weitermachen. Er rechnete mit einer Hauptrolle. Unter Wicky spielte er noch, auch unter Frei, aber seit Marcel Koller beim FCB ist, hat Kalulu nur noch fünf Minuten gespielt in der Liga. Dazu kommen eine Auswechslung im Heimspiel gegen Apollon und die Cuppartie gegen Montlingen. Zuletzt war Kalulu nicht einmal mehr im Aufgebot. Koller scheint auf robustere Spieler zu setzen. (sel)

Aldo Kalulu

  

Samuele Campo

Einfach hatte es Samuele Campo seit seiner Rückkehr zum FCB eigentlich noch nie wirklich. Mit Ausnahme der letzten Spiele der vergangenen Saison, in denen der Mann mit der überragenden Technik und dem guten Auge jeweils durchspielen und sich empfehlen konnte. Mit Zauberfussball, Assists und Toren. Endlich wurde ersichtlich, wieso ihn die FCB-Führung als befähigt sieht, dereinst Matías Delgado zu ersetzen. Doch just, als Campo immer stärker wurde, verletzte er sich in der Vorbereitung – und kassierte dann eine rote Karte, aufgrund derer er das erste Spiel unter Marcel Koller verpasste.

Dieser nutzte Campos Sperre und brachte Luca Zuffi als Zehner. Ein Schachzug, der sich für alle auszahlte. Nur nicht für Campo. Drei Mal nur stand er seit dem Trainerwechsel in der Startelf, einmal davon im Cup und einmal davon musste er zur Pause raus. Bereits zum zweiten Mal seit seiner Heimkehr muss er sich also mit der Rolle des Back-ups abfinden und Geduld haben. Man darf fast sagen, Campo ist gleich weit wie bei seiner Rückkehr vor 9 Monaten. (cfe)

Samuele Campo

  

Blas Riveros

Kein Zweifel, Blas Riveros hat Qualitäten, die im modernen Spitzenfussball gefragt sind. Er ist schnell, hat Zug nach vorne. Er kann Flanken schlagen, sich durchsetzen. Sein Problem ist bloss, dass er eigentlich Verteidiger ist und es andere Qualitäten sind, die Marcel Koller bei einem Verteidiger als zentral erachtet. Da tickt Koller ähnlich wie Urs Fischer. Denn es ist nicht wegzudiskutieren, dass Riveros immer wieder auffällt mit, sagen wir, eigenwilligem Stellungsspiel. Da scheint man in Paraguay schlicht weniger Gewicht darauf zu legen als im europäischen Spitzenfussball.

Seit Koller also beim FCB Trainer ist, hat Riveros bloss noch gespielt, wenn Raoul Petretta nicht spielen konnte. Oder wenn Koller seiner Stammelf eine Pause gönnte, wie im Cupspiel gegen Zweitligist Montlingen. Aber da spielte Riveros so schwach, dass Koller eine Nomination auch kaum hätte rechtfertigen können, auch nicht mit viel gutem Willen. Der 20-jährige Linksverteidiger muss taktisch einen ordentlichen Sprung machen, will er unter Koller nicht komplett zum Statisten verkommen. (sel)

Blas Riveros