Natürlich war der Leader am späten Freitagabend zu Gast im Unterbaselbiet. Das erstaunt, denn von den Neuenburgern heisst es, sie verfügen über eine starke Spitze und eine schwach (Bank-)Breite. Die hat sich in dieser Saison 2015/16 noch nicht bestätigt, denn die ersten sieben Akteure agieren, sowohl individuell wie auch als Kollektiv, auf höchstem Niveau.

Nach drei Minuten lagen die Gastgeber mit 7:2 in Führung. Drei Minuten später stand es 7:14. Es war die erste von vielen Phasen, in denen zwischen „Wings“ und Union ein derart eklatanter Leistungsunterschied, der sehr viele Fragen aufwirft, zutage trat.

Mitte des 3. Drittels kämpfte sich das Birstaler Kombinat auf 55:66 „heran“ – fünf Minuten später stand es 57:80. Auch diese zweite akzeptable Phase beendeten die Romands „sec“ und im Stile einer Klassemannschaft.

Fuchs und Burnatowski

Brillant der Auftritt von Joël Fuchs. Eine superbe Wurfquote (vier von sieben Dreiern), wenige Ballverluste und die Fähigkeiten, Basketball zu denken und zu verstehen, machten den Teamcaptain zum einzigen Mann, der wohl im Gäste-Ensemble auch spielen würde. Murphy Burnatowski bewies, dass er weiterhin ein natürlicher Skorer mit viel Talent, aber wenig Spielverständnis ist. Wobei der Kanadier wohl anfügen würde, dass seine Mit- und Nebenspieler weder als Berufsspieler (Lorenza Ross, Devonte Upson) noch als Nationalliga-A-Akteure (die restlichen Schweizer Akteure) tauglich respektive prädestiniert sind.

Ein Leo Schittenhelm (21) war einst Mitspieler von Branislav Kostic und Alessandro Verga in den Nachwuchs-Nationalmannschaften. Und stand im Schatten der beiden Birsfelder Eigengewächse. Heuer jedoch ist der Berner, im Vergleich zu Kostic (ein Dreier aus zwölf Versuchen aus den beiden letzten Matches…) und Verga, schon fast eine NBA-Grösse. Da ist die Entwicklung in den zwei letzten Jahren gar diametral verlaufen.

Wehmütige Erinnerungen

Valentin Wegmann (36) hat über 100 Spiele für die Nationalmannschaft gespielt. Der Zürcher Oberländer war jahrelang Teamcaptain der Landesauswahl. Und seine Karriere beendete „Vali“ in der Saison 2009/2010 bei den Starwings. Mit dem historischen Cupsieg. Captain der damaligen Equipe war der gleichaltrige Tony Brown, der die Unterbaselbieter im wohl besten Cupfinal aller Zeiten zum 86:79-Cuptriumph nach Verlängerung über den hohen Favoriten SAV Vacallo führte. Gestern zeigte Brown, dass er in linken Zehennager über mehr Basket-Talent als die gesamte Starwings-Mannschaft verfügte. „The old man“ spielte mit seinen Gegenspielern Katz und Maus – und zeigte das ganze Basket-ABC: Täuschungen, Handwechsel, Sprung- und Distanzwürfe, blinde Pässe. Und war bester Spieler auf dem Parkett.

Wegmann, seit kurzer Zeit neu „Delegierter der Nationalmannschaft“ meinte nur: „Bei den Starwings fehlt es schlicht an Qualität“. Unter vier Augen fiel sein Urteil vernichtender aus. Auch Szandra McCrory, ehemalige Profispielerin und Gattin von ex-Starwings-Profi Anthony McCrory meinte nur: „Welch Graus!“. Und Atilla Sahin, ehemaliger FCB-Profi und durchaus ein Basket-Kenner (vom türkischen Basketball, der weltweit mitführend ist), sagte: „Ich sah vor vier Jahren letztmals die Starwings. Was ich gegen Neuchâtel sah, war erschreckend. Bis auf den kanadischen Profi und den Captain waren alle überfordert“. Unter den Körben inferior (Devonte Upson ist ein Springer, aber kein Center), im Rebound krass unterlegen, müssten die Starwings eigentlich ihre Punkteheil in den Würfen suchen. Aber auch in diesem Segment ist der Grossteil der Equipe absolut talentfrei.

„Zero points“

Ein Sieg der Starwings über den Angstgegner Neuchâtel (der letzte Erfolg liegt vier Jahre zurück) wäre vermessen und unrealistisch. Aber an einem Freitagabend darf man mehr Widerstand erwarten. „Früher, da war die Sporthalle eine Festung. Als ich noch spielte und mit Monthey oder Fribourg nach Birsfelden kam, zitterten wir. Das ist in dieser Saison nicht mehr der Fall, der Gegner weiss, dass er nichts zu befürchten hat“, so Wegmann. Und er hat  Recht.

Die Bankspieler sind existent – selbst in der Schlussphase, als Starwings-Cheftrainer Roland Pavloski im Hinblick auf die Partie von morgen Sonntag in Boncourt die Stammfünf „schonte“, waren die jungen „Wings“ gegen die „namenlosen“ Unionisten gänzlich überfordert. Während beim Gast jeder Akteur zeigte, dass er über Basis-Basket verfügt und punktete, übertrafen sich die „Young Wings“ mit Schrittfehlern, Fehlpässen und –würfen. Das sind keine guten Aussichen für die Zukunft. Während  die Starwings-Spieler nicht einen einzigen Punkt erzielten, warf der „2. Neuenburger Anzug“ doch 22 Punkte.

Dass es auch anders geht an einem Freitagabend, zeigte Aufsteiger Swiss Central Luzern. Die Innerschweizer bezwangen den Titelfavoriten Monthey mit 97:87 und liegen nur noch vier Zähler hinter den Starwings, die – noch – den letzten Playoff-Rang innehaben. Mit Auftritten wie gegen Neuchâtel werden sie diese Rangierung nicht halten können.